Debatte, 03. Juli 2015

"China ist auf dem Weg"

Der weltgrößte Treibhausgasemittent hat seine Selbstverpflichtung für Paris bekannt gegeben. Das ist enorm: Das Land schließt sich dem internationalen Kampf gegen den Klimawandel an.

Von Li Shuo, Greenpeace Ostasien

Etwas Gewichtigeres wird es in der internationalen Klimapolitik so schnell kaum geben: Der weltgrößte Treibhausgasemittent hat der Welt mitgeteilt, wie er seine Emissionen ab 2020 senken will. China folgt damit 41 Staaten nach, die ihre freiwilligen Selbstverpflichtungen – im UN-Jargon Intended Nationally Determined Contributions, kurz INDCs – bereits veröffentlicht haben. Eine solche Meldung müssen alle Länder, die am diesjährigen Klimagipfel in Paris teilnehmen, dem UN-Klimasekretariat übergeben.

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Die INDC-Texte sind lang und sperrig, aber aus Chinas Papier lassen sich drei einfache Botschaften herauskristallisieren:

1. China schließt sich dem Kampf gegen den Klimawandel an

Allein das ist schon enorm. Jahrelang war China davon überzeugt, dass vor allem die industrialisierten Länder dafür verantwortlich sind, das Klimaproblem zu lösen. Diese Sichtweise hat sich geändert. China reiht sich nun voll und ganz bei den Ländern ein, die die globale Erwärmung im Zaum halten wollen. Im vergangenen November hat China bereits mitgeteilt, dass sein Treibhausgasausstoß noch vor 2030 seinen Höhepunkt erreichen soll. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll bis 2030 auf 20 Prozent steigen. Damit hatte China schon angekündigt, welche langfristigen Pläne es verfolgt.

2. Chinas Energie-Diät: Kohlendioxidausstoß begrenzen

Chinas Selbstverpflichtungen innerhalb des UN-Prozesses gehen allerdings nicht weit genug. Das Land hat angekündigt, seine CO2-Intensität bis 2030 um 60 bis 65 Prozent zu senken – im Vergleich zu 2005. Das bedeutet, dass der Kohlendioxidausstoß pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts sinken soll. Greenpeace ist davon überzeugt, dass China durch die Senkung seines Kohleverbrauchs – der für fast 80 Prozent der Emissionen im Energiesektor verantwortlich ist – weitaus mehr tun könnte und auch müsste, um dem globalen Klimawandel Einhalt zu gebieten.

Zählt man die angekündigten CO2-Senkungen von China mit denen der zwei anderen größten Emittenten, der USA und der Europäischen Union, zusammen, wird klar: Das reicht noch nicht aus, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf die zwei Grad Celsius zu begrenzen, die wir der Wissenschaft zufolge nicht überschreiten dürfen, wenn der Klimawandel nicht außer Kontrolle geraten soll.

3. Alle Blicke richten sich auf Paris: Wird der Klimagipfel liefern?

Die Ankündigungen Chinas sind ein gewaltiger Fortschritt. Aber sie müssen als Startpunkt für weitaus größere Anstrengungen gesehen werden. Unseren Analysen zufolge werden die Ankündigungen eine große Wirkung auf dem Weg nach Paris und darüber hinaus entfalten – auch wenn die jetzigen Ziele unterhalb dessen liegen, was wir erhofft hatten und was nötig wäre, um die Welt innerhalb des sicheren Zwei-Grad-Limits zu halten.

Chinas Selbstverpflichtungen zeigen mehr denn je, dass alle Staaten ihre Anstrengungen bis Paris noch verstärken müssen, dass sie Ziele festschreiben müssen, die einen katastrophalen Klimawandel verhindern können. Von heute an werden sich alle Augen auf Paris richten.

Der Autor

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Der gebürtige Chinese Li Shuo ist Klima- und Energiereferent bei Greenpeace Ostasien. Er arbeitet schwerpunktmäßig zu Kohle, erneuerbaren Energien, Luft- und Wasserverschmutzung. Zudem koordiniert Li das Engagement von Greenpeace im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen.

 

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