Debatte, 12. August 2015

"Wir liefern ein starkes Beispiel"

US-Präsident Barack Obama hat seinen "Clean Power Plan" vorgestellt, der die Emissionen des Kraftwerkssektors erheblich reduzieren soll. Indem eine der größten Volkswirtschaften der Welt zeigt, dass die Umstellung auf ein sauberes Energiesystem technisch machbar und ökonomisch sinnvoll ist, gibt sie anderen Teilen der Welt ein Vorbild.

Von John Rogers und Rachel Cleetus,
Union of Concerned Scientists

Zum ersten Mal sind in den USA nationale Grenzwerte für die Kohlendioxidemissionen bestehender Kraftwerke festgelegt worden. Das sind großartige Neuigkeiten, um endlich die Emissionen des US-amerikanischen Energiesektors in den Griff zu bekommen. Die wichtigste Neuigkeit hierbei ist: Wir werden uns die Kosten zur Umsetzung des Clean Power Plan in Höhe von 8,4 Milliarden US-Dollar nicht nur leisten können. Der Plan wird darüber hinaus zur Vermeidung von Kosten in Höhe von 34 bis 54 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 beitragen. Damit überwiegt sein Nutzen ganz deutlich seine Kosten.

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Der Clean Power Plan von US-Präsident Barack Obama ist einer der Bausteine für die klimadiplomatische Verhandlungsdynamik vor dem Pariser Klimagipfel. (Foto: 
Dennis Jarvis/Wikimedia Commons)
 

Wie kommt man auf diese Zahlen? Um die positiven Effekte des Plans für das Klima zu berechnen, sieht man sich an, wie viel Kohlendioxid er zu vermeiden hilft. Diese Zahl multipliziert man mit dem Wert der durch diese Einsparungen vermiedenen Schäden. Das Ergebnis ist eine Schätzung der ökonomischen Kosten des Klimawandels und beinhaltet zum Beispiel Produktionseinbußen in der Landwirtschaft durch Dürren, Gebäudeschäden durch Hochwasser und höhere Kosten für das Betreiben von Klimaanlagen. Wenn man auf diese Weise durchrechnet, welche ökonomischen Schäden der Clean Power Plan zu vermeiden hilft, kommen dabei vielversprechende Zahlen heraus: Der Analyse der US-Umweltbehörde EPA zufolge vermeidet der Plan im Jahr 2030 Kosten in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar.

Indem der Clean Power Plan aber dafür sorgt, dass nicht nur Kohlendioxid, sondern auch andere Schadstoffe reduziert werden, vermeidet er noch weitere Kosten. Die EPA hat dies für Ruß und Smog kalkuliert. Schon allein bei diesen zwei Schadstoffen trägt der Clean Power Plan zur Vermeidung von Gesundheitskosten von zwölf bis 34 Milliarden Dollar im Jahr 2030 bei – etwa durch Vermeidung von vorzeitigen Todesfällen, von Herzanfällen, Asthma und dergleichen.

Und was ist mit unseren Stromrechnungen?

Die Vorteile fürs Klima und für den Gesundheitssektor sind beeindruckend, aber da der Clean Power Plan auf den Stromsektor abzielt, wäre die Rechnung nicht vollständig ohne einen Blick auf den Einfluss auf unsere Stromrechnungen. Auch hier sieht es gut aus: Die EPA schätzt die Kosten für die Umsetzung des Plans auf 5,1 bis 8,4 Milliarden Dollar im Jahr 2030. Zur Einordnung: Diese Zahl steht den 201 Milliarden Dollar gegenüber, die im Jahr 2030 ohnehin für die Stromerzeugung ausgegeben würden. Selbst die höchsten Schätzwerte für die Kosten des Clean Power Plan belaufen sich gerade einmal auf vier Prozent dieses Wertes.

Was bedeutet das für die Stromrechnungen der US-Amerikaner? Den Berechnungen der EPA zufolge werden diese in den kommenden Jahren im Durchschnitt leicht ansteigen, langfristig aber sinken. 2030 wird der Clean Power Plan die Stromrechnung eines Durchschnittshaushalts um sieben Dollar senken. Das hängt mit den Investitionen in Energieeffizienz in den Haushalten und Unternehmen zusammen. Wie die Kosten-Nutzen-Analyse für jeden Einzelnen von uns ausfällt, hängt freilich davon ab, inwiefern der Bundesstaat, in dem man lebt, bereit ist, die Gelegenheit zu ergreifen. Die EPA hat die Kosten nur beispielhaft berechnet; der Clean Power Plan gewährt den Bundesstaaten bei der Umsetzung des Plans viel Freiraum. Sie können entscheiden, inwieweit sie auf die Verbesserung der Effizienz der Kraftwerke setzen, auf erneuerbare Energien, auf Energieeffizienz oder Atomenergie. Insgesamt ergibt sich auf jeden Fall eine wirklich überzeugende Gesamtrechnung.

Der Clean Power Plan ist ein wichtiges Signal

Und auch für die Dynamik der internationalen Klimaverhandlungen spielt der Plan eine wichtige Rolle: Indem die USA ihren Clean Power Plan auf den Weg gebracht haben, hat das Land seine Bereitschaft unter Beweis gestellt, im Kampf gegen den Klimawandel eine Führungsrolle zu übernehmen. Der Energiesektor ist die größte Kohlendioxidquelle des Landes; der Clean Power Plan leistet einen ganz entscheidenden Beitrag, das Versprechen der USA einzulösen, die Emissionen des Landes bis 2030 um 28 Prozent gegenüber 2005 zu senken. 

Mit ihrem Clean Power Plan bieten die USA ein gutes Beispiel, wie sich die Emissionen des Energiesektors kostengünstig senken und gleichzeitig erhebliche positive Effekte für die öffentliche Gesundheit und ökonomische Vorteile für die Bevölkerung erreichen lassen. Indem eine der größten Volkswirtschaften der Welt zeigt, dass die Umstellung auf ein sauberes Energiesystem technisch machbar und ökonomisch sinnvoll ist, demonstrieren die USA, dass dies auch an anderen Orten der Welt möglich ist, wenn nur die richtigen Technologien unterstützt werden.

Das ambitionierte Handeln der USA hat schon dazu beigetragen, China, Mexiko, Brasilien und andere Staaten zu anspruchsvolleren Klimaschutzversprechen zu motivieren. Das eröffnet die Möglichkeit für den Abschluss eines starken Abkommens in Paris, das helfen kann, die Klimakrise in den Griff zu bekommen.

Übersetzung: Eva Mahnke

Die Autoren

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John Rogers ist Ingenieur und Experte für erneuerbare Energien. Er arbeitet als Analyst im Energie- und Klimaprogramm der Union of Concerned Scientists, einer Organisation kritischer Wissenschaftler in den USA.

Rachel Cleetus ist dort als Ökonomin und Klimapolitikexpertin tätig. Sie befasst sich mit Klimaschutzpolitik auf globaler, nationaler und regionaler Ebene.

 

Eine erste Version dieses Beitrags ist als Blog bei der Union of Concerned Scientists erschienen.