News, 17. Februar 2015

Das CDM-Board gibt sich eine neue Spitze

Der Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung ermöglicht Klimadeals-Deals zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Zuletzt war der Markt stark rückläufig.

Von Maximilian Staude

Der Vorstand des Clean Development Mechanism (CDM), des "Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung", hat eine neue Führungsspitze. Auf dem Vorstandstreffen des CDM wurden in Genf der Deutsche Lambert Schneider als Vorsitzender und der Peruaner Eduardo Calvo als Vize-Vorsitzender für den sogenannten Exekutiv-Board gewählt. Calvo, der zudem Professor in Lima und Berater der peruanischen Außenministeriums ist, übernimmt den Stellvertreterposten von Schneider, der seit 2005 im CDM-Exekutiv-Board sitzt. Daneben war Schneider am Öko-Institut in Berlin tätig und von 2001 bis 2008 auch Mitglied in der deutschen Delegation bei den jährlichen Weltklimaverhandlungen. 

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Der neue Chef: Lambert Schneider bei der Eröffnung der CDM-Sitzung in Genf. (Foto: Webcast UNFCC)

Bisheriger Chef des CDM-Vorstandes war Hugh Sealy aus Barbados, der für dieses Jahr weiter im Exekutiv-Board bleibt. Das Treffen der CDM-Führungsspitze zur strategischen Planung läuft noch bis Freitag und wird live im Internet übertragen.

Der CDM ist Bestandteil des Kyoto-Protokolls zur Reduktion der weltweiten Treibhausgase und ermöglicht CO2-Deals zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Durch Projekte in Entwicklungsländern, etwa zu erneuerbaren Energien oder zur Energieeffizienz, erwerben Firmen aus Industriestaaten Emissions-Zertifikate, die sogenannten Certified Emission Reductions (CER). Eine CER-Einheit entspricht einer eingesparten Tonne CO2-Äquivalent. Die Projekte müssen nach den CDM-Regeln vom Vorstand überprüft und genehmigt werden. Mit CDM-Projekten und anderen "flexiblen Mechanismen" können Firmen und Staaten die CO2-Reduktion ins Ausland verlagern, wo sie billiger ist.

Zuletzt war der Markt rückläufig, da die Entwicklungsländer auf der Klimakonverenz von Warschau darauf bestanden hatten, dass nur solche Länder CDM-Projekte durchführen können, die auch eine zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls mittragen. Große Player, die in Kanada, Australien, Japan oder Russland ihren Sitz haben, waren dadurch ausgeschlossen. Vor zehn Jahren war das Kyoto-Protokoll in Kraft getreten.

Eines der CDM-Vorzeigeprojekte ist die Errichtung einer kleinen Wasserkraftanlage im Dorf Chendebji in Bhutan. Die am Fluss installierte Turbine versorgt 50 Haushalte, fünf Gemeindehäuser und den lokalen Tempel mit Elektrizität und warmes Wasser. In der Guinea-Savanne in Nigeria konnte laut CDM-Board durch die Einführung von effizienteren Öfen und Kochstellen aus wärmespeichernden Materialen der Holzverbrauch stark gesenkt werden. Dadurch habe sich vor allem die Lebensqualität von Frauen und Kindern verbessert, die bisher das Holz zu Fuß transportierten.

In der Vergangenheit gab es aber auch immer wieder viel Kritik an CDM-Projekten, die offenbar überhaupt keine Treibhausgasemissionen einsparen halfen. Unabhängige Studien wiesen systematische Mängel im CDM-System nach. Auch die Kontrollen wurden als mangelhaft angesehen. Das CDM-Board versprach mehrfach Besserung.

Durch eine Abgabe von zwei Prozent auf das Investitionsvolumen eines CDM-Projekts wird außerdem der Anpassungsfonds des Kyoto-Regimes finanziert, der die von den Folgen des Klimawandels besonders betroffenen Ländern unterstützen soll. Weitere zwei Prozent werden erhoben, um die Arbeit des UN-Klimasekretariates zu finanzieren.