News, 10. März 2015

Die Afrikaner wollen 1,5 Grad zurück

Eine Deklaration von 54 afrikanischen Staaten fordert das Ende der so genannten "Zwei-Grad-Politik": Für ihr Überleben sei eine um durchschnittlich zwei Grad gestiegene Globaltemperatur zu viel. Das müsse das Klimaabkommen von Paris berücksichtigen.

Von Nick Reimer

54 Länder Afrikas wollen das 1,5-Grad-Ziel wieder auf die internationale Verhandlungsagenda setzen. Wie aus der heute veröffentlichten Cairo Declaration hervorgeht, sollen die Industriestaaten ehrgeizigere Treibhausgas-Ziele in die internationalen Klimaverhandlungen einbringen. Ziel der UNFCCC-Klimaverhandlungen ist es derzeit, die Erderwärmung nicht über global durchschnittlich zwei Grad ansteigen zu lassen. Das hatten die Klimadiplomaten auf der Klimakonferenz COP 16 Ende 2010 im mexikanischen Cancún beschlossen.

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Peinlich: Auf der Klimakonferenz vor gut zwei Jahren in Doha wurde dafür geworben, "mehr als zwei Grad" zu bekommen. Damals war das ein Fehler, der schnell korrigiert wurde. Die Afrikaner wollen jetzt gleich ganz die Zwei-Grad-Politik korrigieren. (Foto: Reimer)

Die kleinen Inselstaaten und viele Länder Afrikas stimmten damals aber nur zu, weil der Beschluss den Passus enthielt, dass 2015 das Zwei-Grad-Ziel überprüft werden soll – auf eine Absenkung um ein halbes Grad. "Zwei Grad Erderwärmung bedeuten, dass wir unter Wasser stehen", sagte Anote Tong, Präsident des Inselstaates Kiribati.

"Die afrikanischen Länder zeigen ihre Solidarität", sagte Ägyptens Umweltminister Khaled Fahmy nach dem 15. Treffen der AMCEN, der African Ministerial Conference on the Environment in Kairo. Die Afrikaner seien entschlossen, "eine positive und verantwortungsvolle Rolle bei der Förderung einer nachhaltigen Entwicklung" zu spielen. Nach einer UN-Studie kommen beim Zwei-Grad-Szenario auf den afrikanischen Kontinent Anpassungskosten in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar jährlich zu – spätestens ab Mitte des Jahrhunderts. Deshalb wollen die Afrikaner auf der Klimakonferenz von Paris im Dezember ein 1,5-Grad-Szenario aushandeln.

Projektionen der Wissenschaft legen aber nahe, dass für ein 1,5-Grad-Ziel bereits heute zu viele Treibhausgase produziert worden sind. Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur IEA, hält es sogar für "praktisch ausgeschlossen", den für das Zwei-Grad-Ziel notwendigen Emissionspfad zu erreichen.

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