News, 09. April 2015

Indien setzt auf eigene Klimaschutz-Rezepte

Der weltweit drittgrößte Treibhausgasemittent will sich auch im Paris-Jahr nicht vorschreiben lassen, wie er CO2 einsparen soll

Von Susanne Götze

Der indische Premierminister Narendra Modi steht unter Druck: Nachdem die USA und China ihre Bereitschaft erklärt haben, ihre Emissionen zu reduzieren, erwartet die Staatengemeinschaft ein Zeichen vom drittgrößten Treibhausgasemittenten der Welt. Der will sich aber auch gut acht Monate vor der Klimakonferenz in Paris nicht unter Druck setzen lassen: Nicht die Welt solle Indien vorschreiben, wie Klimaschutz zu machen sei, sondern "wir können die Welt führen", sagte der indische Premier laut der Nachrichtenagentur Reuters in Neu-Delhi. Er setze vor allem auf Erneuerbare und "natürliche Mittel" des Klimaschutzes, wie Energiesparen durch das Ausschalten der nächtlichen Straßenbeleuchtung bei Vollmond.

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Viel Solar, aber noch mehr Kohle: Indien will den Anteil der Erneuerbaren steigern aber gleichzeitig auch bei Atom- und Kohlekraft bleiben. (Foto: reepedia.com)

Die indische Regierung will nach eigener Aussage die Industrialisierung des Landes vorantreiben, um die soziale Situation der Bevölkerung zu verbessern. "Wir konzentrieren uns auf die erneuerbaren Energien nicht um der Lorbeeren willen, sondern um die Häuser der Armen zu beleuchten und ihr Leben zu verändern", hatte Modi auf einer Messe im Februar in Neu-Delhi erklärt. 

Indiens Premierminister ist in diesem Monat auf Europatour und eröffnet am 12. April die Hannover Messe. Es ist Modis erster Besuch in Deutschland. Von seinen Reisen nach Europa und Kanada erhofft sich der Premier laut Reuters vor allem Kooperationen für den Ausbau der indischen Atomkraft.

Derzeit wird der meiste indische Strom von Kohlekraftwerken erzeugt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion beträgt 6,5 Prozent und soll in den nächsten drei Jahren auf zwölf Prozent steigen. 

Bei ihrem Treffen im Januar hatten US-Präsident Barack Obama und Modi eine engere Kooperation in energiepolitischen Fragen, darunter beim Ausbau der erneuerbaren Energien, beschlossen. Schon im vergangenen September trafen sich Modi und Obama, um die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder zu beleben. Dabei ging es auch um US-amerikanische Interessen am Ausbau der Atomenergie und am Fracking. Indien hat geschätzte 2.800 Milliarden Kubikmeter an technisch abbaufähigem Schiefergas.