News, 09. April 2015

Japan will Emissionen nur wenig senken

Japan will seine Emissionsziele offiziell erst zum G-7-Gipfel im Juni verkünden, aber es gibt bereits erste Informationen. Besonders ambitioniert werden die Selbstverpflichtungen aber wohl nicht ausfallen.

Von Eva Mahnke

Nachdem das Gros der Industriestaaten im Vorfeld der Paris-Verhandlungen dem UN-Klimasekretariat seine Klimaziele bereits übermittelt hat, kommen nun erste Details zu dem möglichen Reduktionsziel Japans an die Öffentlichkeit. Wie die Zeitung Nikkei Asia Review unter Berufung auf einen gemeinsamen Entwurf von Wirtschafts- und Umweltministerium mitteilt, will Japan seinen Treibhausgasausstoß bis 2030 gegenüber 2013 um 20 Prozent senken. Offiziell werde das Land sein Klimaziel wahrscheinlich zum G-7-Gipfel im Juni in Bayern verkünden, so die Zeitung. Japan ist der fünfgrößte Treibhausgasemittent unter den Staaten der Welt.

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Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima musste sich Japan in seiner Energiepolitik neu orientieren. Das hat Auswirkungen auf die Klimaambitionen des Landes. (Foto:
Toshihiro Oimats/Wikimedia Commons)

Allerdings berichtet die Japan Times von einem anderen möglichen Reduktionsziel. Danach will Japan seinen Ausstoß um 20 Prozent gegenüber 2005 senken. Dieses Basisjahr statt 2013 als Ausgangspunkt zu nehmen wäre weitaus ambitionierter, da der japanische Treibhausgasausstoß seit 2005 stark gestiegen ist. Der Grund: Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hatte Japan seine Atomkraftwerke vom Netz genommen und seine Energieversorgung zu großen Teilen auf fossile Quellen umgestellt. Eine Energiewende ist nicht geplant. 

Welchen Unterschied die Wahl des Basisjahres für das Ergebnis ausmacht, zeigt eine Umrechnung der beiden bekannt gewordenen Klimaziel-Optionen auf das international übliche Basisjahr 1990. In dem ambitionierteren Fall ergeben sich 13,6 Prozent Reduktion, in dem unambitionierten aber nur 4,4 Prozent. Ursprünglich hatte Japan seine Emissionen sogar um 25 Prozent gegenüber 1990 senken wollen. Zum Vergleich: Die EU will ihre Emissionen in diesem Zeitraum um mindestens 40 Prozent vermindern.

Nach Recherchen der japanischen Umweltorganisation Kiko Network plant Japan den Bau von 43 neuen Kohlekraftwerken. Die Organisation warnt davor, dass diese Kraftwerke, wenn sie ans Netz gehen, Japans Treibhausgasausstoß um zehn Prozent gegenüber 1990 erhöhen würden.

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