News, 07. Mai 2015

Paris: Deutschland will G7-Vorreiter sein

Die Bundesregierung will mit Klimarisiko-Versicherungen ihre Klimaschulden gegenüber ärmeren Ländern abtragen. Denn diese hätten die größen Lasten des Klimawandels zu schultern, so Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) auf einem G7-Vorbereitungstreffen in Berlin. Die anderen sechs großen Industrienationen müssen von dem Vorschlag noch überzeugt werden.

Von Susanne Götze

In wenigen Wochen empfängt die Bundesregierung auf dem bayrischen Schloss Elmau die Staatschefs der größten Wirtschaftsnationen der Welt. Die G7-Gruppe trifft sich dieses Jahr wieder ohne den verstoßenen achten Partner Russland, der vergangenen März aufgrund der Krimkrise aus dem elitären Kreis rausgeworfen wurde. Im gediegenen Ambietente des abgeschiedenen 5-Sterne Palastes wollen die Staat- und Regierungsschefs auch über die Klimakonferenz in Paris und ihren Teil an der weltweiten Klimaveränderung reden.

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Vierhirten in Äthiopien: Im Falle einer Dürre verlieren sie alles. (Foto: Nick Reimer)

Als Gastgeber prescht Deutschland nun voran und kündigt Hilfen für jene an, die nicht Teil des erlesenen Kreises sind: "Wir als G7 müssen Verantwortung übernehmen: Wir lassen Sie nicht allein!", so der Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in seiner Rede heute Vormittag auf einer G7-Vorbereitungs-Konferenz in Berlin. "Gerade die Ärmsten tragen am wenigsten zum Klimawandel bei, aber sie leiden am meisten und können am wenigsten vorsorgen." Gäste der Konferenz waren unter anderem der Präsident der Republik Kiribati Anote Tong, die nigerianische Finanzministerin Ngozi-Okonjo-Iweala und der Direktor des VN-Umweltprogramms (UNEP) Achim Steiner.

Die laut dem Minister "innovative Antwort" auf die Frage der Klimaschuld sind sogenannte Klimarisiko-Versicherungen. Die sollen von der Bundesregierung bis 2016 mit 150 Millionen Euro unterstützt werden. Damit sind öffentlich geförderte Versicherungen gemeint, die im Falle von Naturkatastrophen wie Stürmen, Dürren oder Überschwemmungen den Betroffenen finanzielle Hilfe auszahlen. 

"Die Klimarisiko-Versicherungen sind wichtig, um die sozialen und ökologischen Folgen des Klimawandels zu bekämpfen - allerdings nur, wenn sie richtig gestaltet sind", meint Jan Kowalzig, Klimaexperte der Entwicklungshifeorganisation Oxfam, am Rande der G7-Vorbereitsungskonferenz gegenüber klimaretter.info. Bei einer halbherzigen Ausgestaltung gefährde man allerdings das Entwicklungsziel; denn wenn sich nur reiche Bauern eine solche Ausfallversicherung leisten können, stünden arme Menschen trotzdem als Verlierer da. "Deshalb müssen die Versicherungsprämien durch die Industrieländer runtersubventioniert werden", meint Kowalzig. Außerdem müssten Bauern Zuschüsse zu ihren Beiträgen bekommen, wenn sie sich an bestimmten Klima-Anpassungsmaßnahmen beteiligen würden. Damit würde das Risiko - beispielsweise eines Ernteausfalls - verringert und somit auch ihr Beitrag für die Versicherung. 

Eine Milliarde Euro für die Klimarisikoversicherung

Die Idee der Klimarisiko-Versicherung ist nicht neu. Bereits seit einigen Jahren unterstützt die Bundesregierung bestehende Versicherungsmodelle mit Entwicklungshilfegeldern, darunter auch die Dürreversicherung "African Risk Capacity". In einigen Ländern der Sahel-Zone kam es vor zwei Monaten das erste Mal zu einer Auszahlung aufgrund der anhaltenden Dürre. 

Die von Müller heute erwähnten 150 Millionen Euro sind also keine neue Zusage, wie der Oxfam-Referent Kowalzig erklärte, sondern ohnehin bereits im Budget eingespeiste Zusagen. Dies sei aber ein "solider Anfang".

Die eigentliche Herausforderung der Bundesregierung wird sein, die anderen sechs Industrieländer zu einer finanziellen Beteiligung an dem Modell zu überreden. Das kann sie vom 6. bis 8. Juni auf dem G7-Gipfel erreichen. "Dann werden wir sehen, wie ernst es die deutschen Regierung mit ihrer Vorreiterrolle meint", sagte Klimaexperte Kowalzig.

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Der Bundesentwicklungshilfeminister auf der Klimakonferenz in Peru im Interview. Für die nächste COP im Dezember will der Minister die G7 von einer ambitionierten Klimafinanzierung überzeugen. (Foto: Nick Reimer)

Die Förderung solcher Versicherungen wird erst interessant, wenn die Summen auch wirklich Millionen Menschen in so vielen betroffenen Regionen wie möglich erreichen: Wenn die G7 zusammenlegen, kommen sie immerhinn schon auf über eine Milliarde Euro. Das ist aber noch keinesfalls ausgemacht, bisher "hofft" Minister Müller auf eine Beteiligung der G7 und will zudem auch "aus dem Privatsektor mobilisieren".

 

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African Risk Capacity - Agentur der African Union, die die Mitgliedsstaaten beim Umgang mit  Extremwetterereignissen und Naturkatastrophen unterstützt