News, 19. Mai 2015

Merkel, Hollande und Arnold Letsholo

Arnold Letsholo ist freier Journalist in Botswana. Das afrikanische Land leidet unter Rekorddürren, die mit dem Klimawandel noch zunehmen sollen – nur redet niemand darüber. Letsholo will das ändern. Sein Schritt eins: Ein Besuch beim Petersberger Klimadialog.

Aus Berlin Susanne Schwarz

Heute ist "Kanzlerinnen-Tag". Ab zehn Uhr wird Angela Merkel eine Stunde lang zu den 37 Umwelt-, Energie- und Außenministern sprechen, die zum Petersberger Klimadialog nach Berlin gekommen sind. Auch der französische Präsident François Hollande hat sich angekündigt – schließlich soll die Klimakonferenz COP 21 im Dezember in Paris ein Erfolg werden. Und Arnold Letsholo wird ins schicke Berliner Konferenzzentrums Axica kommen.

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Arnold Letsholo im Konferenzzentrum. (Foto: Susanne Schwarz)

Letsholo ist freier Journalist. Der 45-Jährige kommt aus der botswanischen Hauptstadt Gaborone. Für den Klimadialog hat er mehr als 13.000 Kilometer nach Deutschland zurückgelegt. "Es ist mein erstes Mal in Europa", erzählt er. "Und auch mein erstes Mal auf einer Klimakonferenz."

Über ein Programm der Bundesregierung ist Arnold Letsholo zusammen mit anderen afrikanischen Journalisten nach Berlin gekommen. "In Botswana spüren wir viel vom Klimawandel", erzählt er. Dürren plagen das Land, das ohnehin schon Savannen- und Halbwüstenklima hat. Mittlerweile fehlt das Wasser immer mehr – zum Trinken und in der Landwirtschaft. "Die Leute wissen aber viel zu wenig darüber, auch wir Journalisten", meint Letsholo. Die Sprache der Wissenschaft sei eben eine andere als die auf der Straße, sagt er mit einem Augenzwinkern. Deshalb werde kaum über den Klimawandel gesprochen und auch die Medien berichteten nur wenig über das Problem, das seit Jahrzehnten schon dasselbe ist, nur immer komplizierter wird.

Zu dem Programm, mit dem der Journalist hier ist, gehören auch Workshops: Wie ist der wissenschaftliche Sachstand zum Klimawandel? Wie funktioniert die Klimadiplomatie? Wie sind die UN-Klimagipfel entstanden? "Ich fange an, immer mehr davon zu verstehen", sagt Lotsoho. Für seinen Gemütszustand wäre es vielleicht anders besser gewesen, scherzt er. "Mit jedem Stück, das ich dabei weiterkomme, werde ich unruhiger."

Da wäre zum Beispiel, dass das viel beschworene Zwei-Grad-Limit wohl gar nicht ausreicht, um viele afrikanische Länder und kleine Inselstaaten vor der Klimakatastrophe zu retten – und dass selbst die zwei Grad noch überschritten werden dürften. "Die Konsequenzen sind in unseren Breitengraden viel stärker als anderswo", sagt Letsholo. Deswegen fordern viele der Diplomaten aus den betreffenden Regionen jedes Jahr das 1,5-Grad-Ziel auf den UN-Klimakonferenzen.

Schön – und unverbindlich

Aus Botswana ist kein Minister in Berlin – dieses Jahr ist das Land nicht eingeladen. Wer eine Einladung bekommt, schwankt von Jahr zu Jahr. Stets sind es nur rund 35 Minister, damit die Atmosphäre kommunikativ bleibt. "Was Frau Hendricks und Herr Fabius gesagt haben, finde ich gut", sagt Letsholo. "Sie haben betont, dass der Klimaschutz nicht warten kann." Allerdings sei der Klimadialog eben ein "Dialog", ein klärendes Gespräch bestenfalls. "Ich hoffe, dass mit den Versprechen in Paris nicht Schluss ist, wenn es wieder verbindlich wird."

Was er zuhause in Botswana schreiben wird, weiß er noch nicht genau. "Auf jeden Fall will ich positive Beispiele mitbringen", sagt Letsholo. Mit seiner Workshop-Gruppe habe er ein energieautarkes Dorf und ein Recycling-Projekt besucht, vielleicht werde er darüber berichten. "Ich will, dass die Menschen in meinem Land sehen, dass so etwas funktionieren kann", sagt der Journalist.

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und der französische Außenminister Laurent Fabius bei der Pressekonferenz – und in der Mitte Arnold Letsholo. (Foto: Nick Reimer)

Außerdem will er "Übersetzungsarbeit" leisten – die Klimadiplomatie in die Medien bringen, verständlich machen, worum es geht. "Ich hoffe, dass ich in Paris wieder dabei sein kann", sagt Letsholo. Vielleicht dank eines weiteren Regierungsprogramms aus Deutschland oder Botswana. Ob denn keine Zeitung für die Berichterstattung zahlen würde? Da lacht der freie Journalist. "Nein, wohl eher nicht."

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