News, 26. Juni 2015

Extra-Klimagipfel in Marokko

Wenige Woche vor dem Pariser Klimagipfel will die Europäische Union Kassensturz machen: Reichen die bis dahin eingegangenen Selbstverpflichtungen der Staaten für das Zwei-Grad-Ziel aus? Ein Gipfel im Oktober im marokkanischen Rabat soll Antworten liefern.

Von Benjamin von Brackel

Die Europäische Union will vor dem UN-Klimagipfel in Paris noch einen Extra-Gipfel veranstalten. Bei dem Treffen sollen die von den Staaten der Welt eingereichten Selbstverpflichtungen mit dem verglichen werden, was eigentlich nötig wäre, um den Anstieg der globalen Temperaturen auf zwei Grad zu beschränken. Der Gipfel soll am 12. und 13. Oktober in der marokkanischen Hauptstadt Rabat stattfinden, dem Ort des übernächsten UN-Klimagipfels 2016. "Die Einladungsschreiben haben wir gerade hinausgeschickt, obwohl wir nicht sicher sind, wer überhaupt kommen wird", sagte ein Vertreter der EU-Kommission der Online-Plattform RTCC.

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In Marokko sollen die Klimaverpflichtungen der Staaten auf den Prüfstand kommen – wenn es nach der EU geht. (Foto:
Michael Schulze von Glaßer)

Die Ankündigung stößt auf ein geteiltes Echo. Hintergrund ist die Streitfrage, in welchem Ausmaß die Selbstverpflichtungen – im Klimadiplomaten-Jargon INDCs – überprüft werden dürfen. China hatte auf dem UN-Klimagipfel in Lima im vergangenen Dezember den Vorschlag der EU abgelehnt, innerhalb des UN-Klimaverhandlungsprozesses die Selbstverpflichtungen analysieren zu lassen. Der Vorschlag von freiwilligen Präsentationen der INDCs auf dem Extragipfel in Marokko ist nun ein Kompromiss. Rückendeckung erhofft sich die EU von Frankreich, dem Gastgeberland der diesjährigen COP, sowie den USA. Die EU will, dass alle fünf Jahre die Klimaverpflichtungen aller Staaten auf den Prüfstand kommen.

Bisher haben knapp 40 Staaten ihre INDCs ("intended nationally determined contributions") eingereicht, darunter fast alle Industriestaaten mit Ausnahme von Japan. Nimmt man die Selbstverpflichtungen aller G7-Länder als alleinigen Maßstab, würde sich die Welt auf einen Temperaturpfad von über drei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts begeben, erklären Wissenschaftler mehrerer Klimainstitute. Die Emissions-"Lücke" für das Jahr 2020 liege bei 6,5 Gigatonnen CO2 pro Jahr – also 6,5 Milliarden Tonnen.

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