News, 03. Juli 2015

Südkorea will seine Emissionen weiter steigen lassen

Südkorea hat dem UN-Klimasekretariat sein angestrebtes CO2-Einsparziel mitgeteilt. Gegenüber 1990 will das Land seine Emissionen glatt verdoppeln. Auch Island und Singapur melden ihre Ziele.

Von Eva Mahnke

Nach und nach plätschern weitere Selbstverpflichtungen der Staaten beim UN-Klimasekretariat in Bonn ein. Nach China haben nun auch Südkorea, Island und Singapur ihre Intended Nationally Determined Contributions (INDCs) eingereicht.

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Straße in Südkoreas Hauptstadt Seoul: Bis 2030 will das Land seine Emissionen noch kräftig wachsen lassen. (Foto:
Johannes Barre/Wikimedia Commons)

Demnach will Südkorea seine Emissionen um 37 Prozent senken, dies allerdings nicht gegenüber dem Wert eines bestimmten Referenzjahrs. Vergleichswert ist stattdessen ein unterstelltes "Business-as-usual-Szenario", das heißt eine angenommene Treibhausgasentwicklung ohne zusätzliche Klimaschutzanstrengungen. Erreichen will Südkorea dieses Ziel nur zum Teil über eigene Anstrengungen. Auch internationale Marktmechanismen sollen angerechnet werden können. Zu welchem Teil, legt das eingereichte INDC-Ziel zwar nicht genau fest. Jedoch hat die südkoreanische Regierung bereits Zahlen genannt: Demnach sollen 25,7 Prozent der CO2-Einsparung im Land, die restlichen 11,3 Prozent über internationale Mechanismen erreicht werden.

Emissionen aus Landnutzungsänderungen bleiben außen vor

Auf das sonst oftmals verwendete Referenzjahr 1990 umgerechnet, bleibt keinerlei Emissionssenkung übrig: Stattdessen verdoppeln sich die südkoreanischen Emissionen, wie Analysen des unabhängigen Wissenschaftportals Climate Action Tracker zeigen. Dass Südkorea für sein INDC-Ziel kein klares Referenzjahr benannt hat, stößt bei Klimaexperten auf Kritik. "Seine ökonomische Situation würde es dem Land durchaus erlauben, sich gemeinsam mit Staaten auf einer ähnlichen wirtschaftlichen Entwicklungsstufe auf ein rechtlich verbindliches Ziel festzulegen", sagte Bill Hare vom Thinktank Climate Analytics.

Die südkoreanische Selbstverpflichtung birgt darüber hinaus noch eine weitere Schwäche: Das Land hat die Emissionen aus Landnutzungsänderungen außen vor gelassen. Damit werden sämtliche Rodungen von Wäldern, bei denen große Mengen Kohlendioxid freigesetzt werden, vom Klimaziel in seiner jetzigen Form gar nicht erfasst. Ob solche Emissionen doch noch in das Ziel eingerechnet werden, soll "zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden", wie es in dem Papier heißt.

Island hält sich an die EU, Singapur folgt China

Im Gegensatz zu Südkorea bezieht Island sein Reduktionsziel auf das übliche Basisjahr 1990. Eine konkrete Zahl nennt der Inselstaat am Polarkreis allerdings nicht, sondern schließt sich dem gemeinschaftlichen Ziel der Europäischen Union von 40 Prozent Minderung bis 2030 an. Hierzu wolle Island "seinen fairen Beitrag" leisten, heißt es in dem beim UN-Klimasekretariat eingereichten Papier.

Wie das konkret aussehen soll, will Island noch mit der EU aushandeln. Völliges Neuland betritt es damit nicht: Bereits jetzt wird fast die Hälfte des isländischen Treibhausgasausstoßes über den Europäischen Emissionshandel reguliert, an dem das Land teilnimmt. Zur Berechnung der übrigen Emissionen orientiert sich Island am europäischen Standard. Zudem hat das Land bereits für die Ziele im Rahmen des Kyoto-Protokolls mit der EU gemeinsame Sache gemacht.

Anders als Island setzt sich Singapur, das ebenfalls seine Selbstverpflichtung beim UN-Klimasekretariat eingereicht hat, kein absolutes Minderungsziel. Stattdessen will der südostasiatische Stadtstaat bis 2030 die CO2-Intensität seiner Wirtschaft – also den CO2-Ausstoß pro produzierter Einheit des Bruttoinlandsprodukts – um 37 Prozent gegenüber 2005 senken. Der Treibhausgasausstoß in absoluten Zahlen soll, ähnlich wie in China, im Jahr 2030 seinen Höhenpunkt erreichen und von da an sinken.

 

 

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