News, 15. Juli 2015

Nur minus 11 Prozent im Land der "Pups-Steuer"

Neuseeland hat seinen "angestrebten nationalen Beitrag" für das Paris-Abkommen abgegeben: Elf Prozent Treibhausgas-Reduktion bis 2030. Wieso nur so wenig, fragen Klimaschützer und fordern, dass das Land sein Angebot deutlich nachbessert.

Von Sandra Kirchner und Nick Reimer

Neuseeland hat sein Klimaziel, den sogenannten angestrebten nationalen Beitrag (INDC) für den neuen Klimavertrag bekannt gegeben: Bis 2030 will der Inselstaat 30 Prozent seiner Emissionen im Vergleich zu 2005 einsparen. Bezogen auf 1990, das zum weltweiten Vergleich verwendete Basisjahr des Kyoto-Protokolls, ist das eine Reduktion um gerade mal elf Prozent. Zum Vergleich: Deutschland hat ein Minus von 40 Prozent zugesagt, die Europäische Union immerhin minus 30 Prozent.

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In Neuseeland leben doppelt so viele Rindviecher wie Menschen – obwohl die Zuordnung ja manchmal nicht ganz so einfach ist. (Foto: Matthias Rietschel
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Neuseelands Emissionen sind vergleichsweise moderat: 2013 verursachte das Land insgesamt 80 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Umgerechnet auf jeden Neuseeländer entsprach das einer Klimabelastung von 7,2 Tonnen pro Kopf und Jahr. 48 Nationen haben einen größeren Treibhausgas-Ausstoß zu verantworten, unter anderem Deutschland mit 9,4 Tonnen. In Neuseeland leben 4,5 Millionen Menschen, in der weltweiten "Reichtumsliste" rangieren sie auf Platz 21 – drei Plätze hinter Deutschland.

Bereinigt um die angenommene Senkenleistung von Wäldern – fachsprachlich LULUCF – lagen die neuseeländischen Netto-Emissionen im Jahr 2013 bei 54 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Fast die Hälfte der neuseeländischen Emissionen stammt aus der Landwirtschaft, zu weiteren jeweils rund 20 Prozent sind Energieerzeugung und Verkehr für die Treibhausgase des Südsee-Staates verantwortlich. Neuseeland ist Weltmeister im Milchexport. Mehr als ein Drittel aller weltweit gehandelten Milchprodukte stammen von der grünen Insel im Südpazifik.

Dank seiner Rindviecher ist Neuseeland Weltmeister im Methanausstoß, der sechsmal höher liegt als im internationalen Vergleich. Das Methan, das rund 30-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid ist, macht ein Drittel der neuseeländischen Treibhausgase aus und bereitet der Politik seit Langem Kopfzerbrechen. Vor mehr als zehn Jahren führte die Regierung die sogenannte "Pups-Steuer" ein, konnte aber damit dem Problem nicht beikommen: Die Methanemissionen stiegen trotzdem weiter.

Die ersten Klimaflüchtlinge

Der australische Thinktank The Climate Institute kritisierte die ausgegebenen Ziele des Nachbarstaates als zu gering. Erforderlich bis 2030 sei eine Reduktion um 50 Prozent. "Neuseeland leistet keinen Beitrag, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten, stattdessen müssen andere Staaten in die Bresche springen und mehr tun", sagte Erwin Jackson vom Climate Institute. Wenn das Land sein Anfangsangebot nicht anhebe, werde Neuseeland ähnlich wie Kanada nur ein Trittbrettfahrer sein. Kanada hatte im Mai seine Klimaziele veröffentlicht und will 30 Prozent seiner Emissionen bis zum Jahr 2030 einsparen. Experten fordern, dass Kanada dieses schwache Ziel noch im Laufe des Jahres nachbessert.

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Nur mäßig ambitioniert ist die nationale Selbstverpflichtung von Neuseeland. (Foto: Michael Diederich/Wikimedia Commons)

In Neuseeland ist der Klimawandel ähnlich präsent wie an anderen Hot Spots der Erderwärmung. Vor fast einem Jahr gewährte Neuseeland erstmals Klima-Asyl: Eine Familie aus dem rund 4.000 Kilometer entfernten pazifischen Inselstaat Tuvalu hatte auf Bleiberecht in Neuseeland geklagt und Recht bekommen. Damit wären sie die ersten Klimaflüchtlinge der Welt – obwohl die Frage, ob der Klimawandel als Fluchtursache anerkannt werden kann, weiterhin grundsätzlich umstritten ist.

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