News, 20. Juli 2015

Marshallinseln überbieten Japans Klimaziel

Das führende Industrieland hat nicht nur als eines der letzten seine Ziele abgegeben – anders als die Marshallinseln bleibt Japan bei seinem wenig ehrgeizigen 18-Prozent-Ziel.

Von Susanne Götze und Sandra Kirchner

Japan hat jetzt als eines der letzten Industrieländer seine Ziele für die Treibhausgasreduktion, die sogenannten INDCs, ab dem Jahr 2020 bekannt gegeben. Demnach will das Land bis 2030 seine Emissionen um 26 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2013 mindern. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hatte dieses Ziel bereits Anfang Juni auf der vorbereitenden Klimakonferenz in Bonn angekündigt.

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Seit dem Reaktorunglück in Fukushima verheizt Japan wieder viel mehr Kohle, das ließ die Treibhausgasemissionen stark steigen. (Foto: NASA)

Analysten kritisieren allerdings, dass dieses Ziel aufgrund des späten Basisjahres 2013 nicht sehr anspruchsvoll ist: Bezogen auf das international übliche Ausgangsjahr 1990 bedeutet es eine CO2-Reduktion von lediglich 18 Prozent. Umweltverbände sind von dem japanischen Beitrag entsprechend enttäuscht. "Das Ziel ist viel zu schwach", sagte Lutz Weischer von Germanwatch in Bonn. "Japan kann es ohne zusätzliche Anstrengungen erreichen." Nach der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 hatte das ostasiatische Land alle Atomkraftwerke abgeschaltet und setzt seitdem vor allem auf fossile Energieimporte – was die Emissionen stark ansteigen ließ. Statt aber eine Energiewende einzuleiten, will Japans liberalkonservative Regierung nun die Atomkraftwerke wieder ans Netz bringen.

Mit den Marshallinseln hat ein weiterer Staat seine Reduktionsziele veröffentlicht. Anders als Japan will der Pazifikstaat seine Emissionen innerhalb eines Jahrzehnts um ein Drittel senken. Bis 2025 sollen die Treibhausgasemissionen des Landes um 32 Prozent unter das Niveau von 2010 gedrückt werden. Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts sollen die Netto-Emissionen der Inseln auf Null sinken.

Die geplante Reduktion auf den Marshallinseln hat allerdings eher symbolischen Charakter: Der pazifische Inselstaat mit 68.000 Einwohnern und wenig Industrie ist nur für einen äußerst geringen Anteil am weltweiten Treibhausgasausstoß verantwortlich. "Unser Überleben als Nation ist von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht", sagte der Außenminister des Landes, Tony de Brum, mit Blick auf das heutige Treffen von Außen- und Umweltministern aus 45 Staaten in Paris. "Unsere Botschaft ist einfach: Wenn eines der kleinsten, ärmsten und geografisch isolierten Länder das kann, können andere Staaten das auch."

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Die Marshallinseln gehören wie Kiribati mit seinen Traumstränden zu tropischen Inselgruppe Mikronesien und zur AOSIS-Gruppe der kleinen Inselstaaten. (Foto: Angela Kepler/Wikimedia Commons)

In der Vergangenheit wurde der Inselsstaat immer wieder von Stürmen verwüstet, schwere Dürren erschwerten zusätzlich das Leben auf der Insel. Berechnungen zufolgen müssen die Einwohner mancher Inselstaaten ihre Heimat noch vor dem Ende dieses Jahrhunderts wegen des steigenden Meeresspiegels und der zunehmenden Wahrscheinlichkeit von Stürmen verlassen. Als Mitglied der Allianz der kleinen Inselstaaten (AOSIS) wollen die Marshallinseln die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad begrenzen.

Insgesamt haben nunmehr 47 Länder ihre Reduktionsziele abgegeben, das entspricht 56 Prozent der von Ländern ausgestoßenen Emissionen. Darunter sind auch die großen Emittenten wie China und die USA.

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