News, 23. Juli 2015

Frankreich will auch Energiewende-Land werden

Wenige Monate vor der entscheidenden Welt-Klimakonferenz im Dezember gibt sich das Gastgeberland Frankreich endlich ein Energiewendegesetz. Der Anteil des dominierenden Atomstroms soll von derzeit 75 bis 2025 auf 50 Prozent sinkenl.

Von Verena Kern

Das hat lange Jahre gedauert. Bei seinem Amtsantritt 2012 hatte Frankreichs Präsident François Hollande bereits eine Energiewende à la française in Aussicht gestellt, vor über einem Jahr legte Umweltministerin Ségolène Royal ihre Pläne vor. Nun ist es so weit. Am Mittwochabend dieser Woche stimmte die Nationalversammlung dem "Gesetz zur Energiewende für grünes Wachstum" zu.

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Frankreichs Nationalversammlung, hier ein Bild aus der Zeit, als der Präsident noch nicht Hollande hieß. (Foto: Richard Ying/Wikimedia Commons)

Das Gesetz verankert verbindliche Ziele zur Senkung des Endenergieverbrauchs um 20 Prozent bis 2030 und um 50 Prozent bis 2050. Referenzjahr ist 2012. Bezogen auf das übliche Basisjahr 1990 entspricht das 2030er Ziel einer Steigerung der Effizienz um mindestens 30 Prozent. Das EU-Ziel sieht "nur" 27 Prozent vor.

Der Anteil des in Frankreich dominierenden Atomstroms soll von derzeit noch 75 Prozent bis 2025 auf 50 Prozent sinken, jener der fossilen Energieträger auf nur noch 30 Prozent, das allerdings im Zeitraum bis 2030. Der Anteil an erneuerbarer Energie soll dagegen in den nächsten 15 Jahren auf 32 Prozent wachsen. Das wäre eine Verdopplung im Vergleich zu heute.

Schwerpunkt ist Gebäudemodernisierung

Auch Vorgaben zur energetischen Gebäudemodernisierung sieht das Gesetz vor. So ist vorgesehen, bis 2025 alle privaten Wohngebäude, die mehr als 330 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen, zu sanieren. Ab 2030 müssen zudem alle privaten Wohngebäude, die verkauft werden, bereits saniert sein. Jedes neue öffentliche Gebäude muss – soweit möglich – einen Plus-Energie-Standard erreichen.

Zudem sollen auch Elektroautos gefördert werden. Eine Abwrackprämie dient dazu, bei der Entsorgung eines Diesel-Fahrzeugs den Kauf eines Elektroautos zu ermöglichen. Die Fahrzeuge der öffentlichen Verkehrsbetriebe sollen auf umweltfreundlicheren Betrieb umgestellt werden.

Umweltministerin Royal nahm anlässlich der Gesetzesverabschiedung große Worte in den Mund: "Frankreich stattet sich mit dem fortschrittlichsten Gesetz in Europa aus." Nur wenige Monate vor der Klimakonferenz COP 21 in Paris wolle der Gastgeber ein "gutes Beispiel" abgeben.

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