News, 21. August 2015

Die EU ist unzufrieden mit dem Verhandlungsstand

EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete fordert Schwellenländer wie Brasilien und Indien auf, für den Klimavertrag im Dezember endlich auch konkrete Reduktionsziele abzugeben.

Von Susanne Götze

EU-Energie- und Klimakommissar Miguel Arias Cañete hat am Donnerstag in Brüssel die "schmerzhaft langsamen" Verhandlungen um einen neuen Weltklimavertrag kritisiert. "Die technischen Verhandlungen müssen an Fahrt gewinnen", forderte der Kommissar. "Es müssen mehr Länder ambitionierte Ziele abgeben."

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Der EU-Klimakommissar drückt aufs Tempo: In 100 Tagen beginnen die finalen Verhandlungen in Paris um ein Weltklimaabkommen. (Foto: eppgroup.eu)

Er befürchte sonst, dass Paris zu einem zweiten Kopenhagen-Desaster werden könnte, sagte Arias Cañete. 2009 waren die Verhandlungen um einen Klimavertrag gescheitert. Der Kommissar nannte die aus Sicht der EU größten Herausforderungen bei der COP 21, die in Dezember in Paris stattfinden soll:

  • Die Vorverhandlungen Ende August in Bonn müssten die substanziellen Fragen des Vertrages klären, der bisherige Text für den Vertragsentwurf müsse stark gekürzt werden.
  • Nur ein Viertel der UN-Staaten haben bisher ihre nationalen Klimaziele beim UN-Klimasekratariat eingereicht – nun müssten die anderen zügig folgen; besonders Länder wie Indien, Brasilien oder Saudi-Arabien müssten sich nun bewegen.
  • Die Ziele müssten ambitionierter werden, damit das Zwei-Grad-Ziel noch zu schaffen ist. Zudem müssten sie auf lange Sicht angelegt sein.

"Paris ist ein historischer Meilenstein hin zu einer CO2-armen Weltwirtschaft", so Arias Cañete. Die EU hatte ihre Ziele bereits im März eingereicht, sie will bis 2030 ihren Treibhausgasausstoß gegenüber 1990 um mindestens 40 Prozent reduzieren.

Seit Ende Januar sollen die Staaten beim UN-Klimasekretariat melden, wie viel sie zu dem neuen Weltklimavertrag beitragen wollen, der im Dezember in Paris beschlossen werden soll – als Nachfolger des Kyoto-Protokolls. Das große Ziel ist das Zwei-Grad-Limit. Im Idealfall kämen genug Selbstverpflichtungen – im UN-Jargon INDCs – zusammen, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Im Juli hatten Japan und im August Australien ihre Klimaziele bei der UN abgegeben. Mittlerweile haben 56 Länder ihre Verpflichtungen eingereicht.

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