News, 19. August 2015

Klimarechnung liegt schon bei 300 Milliarden

Nur sieben Entwicklungsländer haben dem UN-Klimasekretariat ihre Forderungen zur Klimafinanzierung bislang mitgeteilt. Schon jetzt aber summieren sich die Forderungen auf einen dreistelligen Milliardenbetrag.

Von Susanne Schwarz

In ihren Klimazielen für den neuen Weltklimavertrag sollen Entwicklungsländer auch angeben, wie viel Geld sie für ihren Klimaschutz bis 2030 von den Industriestaaten benötigen: Schon jetzt summieren sich die Forderungen auf etwa 300 Milliarden US-Dollar, dabei ist eine entsprechende Angabe nur in den Dokumenten von sieben Ländern überhaupt schon enthalten. Die bisher letzte Summe – 21,6 Milliarden US-Dollar – kam am Dienstag aus der Demokratischen Republik Kongo. Mehr als die Hälfte der fast 200 UN-Staaten ist im Prinzip berechtigt, Gelder zur Klimafinanzierung in Anspruch zu nehmen.

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Das könnte knapp werden: Bisher enthält der Grüne Klimafonds nur zehn Milliarden US-Dollar. (Foto:
Ervins Strauhmanis/Flickr)

Die Industriestaaten tun sich indes schwer, Geld auf den Tisch zu legen. Für das Hauptinstrument der Klimafinanzierung, den Grünen Klimafonds, haben sie bisher insgesamt zehn Milliarden US-Dollar zugesagt. Versprochen haben sie aber viel mehr – ab 2020 sollen es jährlich 100 Milliarden US-Dollar sein. Wie sich diese Summe zusammensetzen soll, ist noch nicht klar. Es geht dabei nicht nur um öffentliche Mittel, auch private Gelder sollen mobilisiert werden.

Der Gedanke hinter dem Nord-Süd-Transfer: Die Entwicklungsländer haben am wenigsten zu den Treibhausgasemissionen beigetragen, leiden aber besonders stark unter den Folgen des Klimawandels – und haben nicht die Finanzen, um sich daran anzupassen. Das Geld aus dem Norden soll sie dazu in die Lage versetzen. Auf der anderen Seite ist mit dem neuen Weltklimavertrag, der im Dezember in Paris unterzeichnet werden soll, erstmals geplant, auch die Entwicklungsländer zum aktiven Klimaschutz zu verpflichten.

Die DR Kongo verspricht in dem Klimaziel-Dokument – im UN-Jargon INDC genannt –, 17 Prozent ihrer Emissionen gegenüber dem Jahr 2000 einzusparen, wenn die 21,6 Milliarden US-Dollar bewilligt werden. Fast gleichzeitig reichte auch die Dominikanische Republik am Dienstag ihr INDC ein. Ein Viertel der Emissionen von 2010 will das karibische Land bis 2030 einsparen – wie viel Geld dafür im Gegenzug von den Industriestaaten benötigt wird, steht nicht im offiziellen Dokument.

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