News, 25. August 2015

Bolivien plant Gegengipfel zu Paris

Der bolivianische Präsident Evo Morales will im Oktober einen Klimagipfel der Graswurzelbewegungen abhalten. Im Vordergrund steht die Kritik am kapitalistischem Wirtschaftssystem als einem der Haupttreiber des Klimawandels.

Von Benjamin von Brackel

Der bolivianische Präsident Evo Morales hat angekündigt, einen Klimagipfel der Graswurzelbewegungen abzuhalten. Die "Weltenbürger-Konferenz zum Klimawandel und den Rechten der Mutter Erde" soll vom 10. bis zum 12. Oktober in der Andenstadt Tiquipaya auf der Hochebene von Cochabamba stattfinden, wie die Nachrichtenagentur EFE berichtet. Der Gipfel widme sich "der Bedrohung des Lebens, des Klimas und der Lebenskultur durch den Kapitalismus".

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Will "Mutter Erde" auf der Weltbühne verteidigen, hält sich zu Hause aber auch nicht daran: Evo Morales. (Foto:
Kilobug/Wikimedia Commons)

Morales, der einer Linksregierung vorsteht, hatte erstmals im Jahr 2010 einen Alternativgipfel in Chochabamba als Antwort auf den im Jahr zuvor gescheiterten UN-Klimagipfel in Kopenhagen mit einigen Tausend Teilnehmern veranstaltet. Ergebnis war eine Deklaration über die "Rechte der Mutter Erde" – ein Grundrechtekatalog, der in Anlehnung an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nun auch der Natur Rechte geben will. Dazu gehörte ein Aufruf an die Länder, die Erderwärmung auf ein Grad Celsius und die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf 300 ppm (parts per million) zu begrenzen.

Der nun geplante Gipfel soll eineinhalb Monate vor der UN-Klimakonferenz in Paris stattfinden, auf der sich erstmals alle Länder zu freiwilligen Klimaschutzzielen verpflichten sollen. Noch hat Bolivien dem UN-Klimasekretariat keine Klimaschutzziele übermittelt.

Der indigene Präsident sieht sich als Fürsprecher der armen Länder gegen den kapitalistischen Norden. Auf dem UN-Klimagipfel in Peru hatte Morales die Industriestaaten gegeißelt. Einige würden nur ans Geld denken, die Entwicklungsländer ausbeuten und "Mutter Erde umbringen". Seit dem Tod von Hugo Chávez gilt Morales als Wortführer der ALBA-Gruppe, der "Bolivarischen Allianz der Völker unseres Amerika", der auch Venezuela, Ecuador, Kuba und Nicaragua angehören und die sich den Kampf gegen den US-Imperialismus auf die Fahnen geschrieben hat. "Wir sind überzeugt, dass der Ursprung der Erderwärmung im Kapitalismus liegt", sagt Morales. Allerdings steht die Regierung im Land auch selbst in der Kritik, weil sie die Ausbeutung von "Mutter Erde" fördert, etwa in den Ölfeldern im südlichen Bundesstaat Tarija.

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