News, 07. Oktober 2015

OECD: 60 Milliarden jährliche Klimafinanzierung

Durchschnittlich knapp 60 Milliarden US-Dollar haben die Industriestaaten in den vergangenen beiden Jahren für Klimaschutz und Klimaanpassung in Entwicklungsländern mobilisiert. Das geht aus einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hervor.

Von Susanne Schwarz

Ab 2020 sollen es 100 Milliarden US-Dollar werden: Derzeit fließen pro Jahr durchschnittlich 57 Milliarden US-Dollar aus den Industriestaaten in die Klimafinanzierung. So steht es in einem am Mittwoch vorgestellten OECD-Bericht. Berücksichtigt wurde die Finanzierung der Jahre 2013 und 2014. Es handelt sich allerdings nicht nur um öffentliche Mittel, auch privates Geld zählt mit.

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100 Milliarden US-Dollar pro Jahr haben die Industrieländer den Entwicklungsländern ab 2020 versprochen. (Foto:
Revisorweb/Wikimedia Commons)

Konkret: 22,8 Milliarden US-Dollar stammen aus bilateraler Entwicklungshilfe, weitere 17,9 Milliarden fließen über multilaterale Klimafonds und die Entwicklungsbanken. 1,6 Milliarden werden aus Exportkrediten mitgezählt. 14,7 Milliarden Dollar stammen aus privaten Investitionen, die die Industrieländer in den Entwicklungsländern durch den Einsatz öffentlicher Mittel mobilisiert haben.

2009 hatten die Industrieländer den Entwicklungsländern versprochen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für die Klimafinanzierung bereitzustellen. Mit dem Geld soll den Entwicklungsländern beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel geholfen werden. Wie die Mittel genau zusammenkommen sollen, ist allerdings noch nicht geklärt.

Dass es den Statusbericht der OECD überhaupt gibt, sei schon "ein kleiner Erfolg", sagte Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig. "Hier wird erstmalig versucht Klarheit darüber zu schaffen, wo die Industrieländer mit ihrem Versprechen stehen." Allerdings werde unterschlagen, "dass sich viele Geberländer auch solche Hilfsprojekte auf ihr Konto gutschreiben, bei denen der Klimaschutz nur am Rande vorkommt."

Außerdem dürfe man einige der genannten Finanzflüsse eigentlich nicht mit einrechnen, sagte Kowalzig, "darunter etwa Kredite zu marktüblichen Zinsen". Bis zum UN-Gipfel Ende nächsten Monats in Paris brauche es einen Plan, wie das 100-Milliarden-Versprechen erfüllt werden könne, so der Oxfam-Experte. "Der wirkliche Glaubwürdigkeitstest steht aber noch bevor: Wie werden die reichen Länder ihre Unterstützung für die vom Klimawandel besonders betroffenen Länder in den kommenden Jahren weiter erhöhen?"

 

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Studie Die OECD-Studie "Climate Finance in 2013-14 and the USD 100 billion goal" wurde gemeinsam mit der Climate Policy Initiative erstellt

Studie Hier finden Sie Zahlen der Climate Policy Initiative zur Berechnung der Klimafinanzierung für 2013