News, 15. November 2015

Außenminister: Klimagipfel soll trotz Anschlägen stattfinden

Zwei Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris überziehen Attentäter die französische Hauptstadt mit einer Welle des Terrors. Über 120 Menschen sterben bei den Anschlägen. Frankreich schließt die Grenzen, nachdem es am selben Tag schon Grenzkontrollen eingeführt hatte, als Vorsichtsmaßnahme für den Klimagipfel. Der soll laut Außenminister Fabius trotz allem stattfinden – unter schärferen Sicherheitsvorkehrungen.

Von Benjamin von Brackel

Trotz der Terroranschläge in der französischen Hauptstadt soll der UN-Klimagipfel in zwei Wochen in Paris stattfinden. Das sagte Außenminister Laurent Fabius am Samstag in Wien. Die Klimakonferenz werde "mit erweiterten Sicherheitsmaßnahmen stattfinden", so der kommende Präsident der COP 21. "Aber es ist absolut notwenig, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu beschließen."

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Mit einer Welle des Terrors haben Attentäter die französische Hauptstadt überzogen. (Foto: Screenshot/ARD)

Fabius und Präsident François Hollande waren über Monate durch die Welt gereist, um bei den Regierungen für ein starkes Klimaabkommen zu werben, das im Dezember in Paris beschlossen werden soll.

Am Freitagabend hatte eine Serie verheerender Terroranschläge die französische Hauptstadt erschüttert. An sechs verschiedenen Orten in der Stadt gab es Anschläge. 127 Menschen sollen getötet und 180 Menschen verletzt worden sein, viele davon schweben noch in Lebensgefahr.

Terroristen hatten eine Konzerthalle gestürmt, wahllos in die Menge gefeuert und Geiseln genommen. Als die Polizei die Halle stürmte, sprengten sich die Attentäter in die Luft. Allein dort kamen 89 Menschen ums Leben. In mehreren Restaurants und Bars schossen Terroristen mit Sturmgewehren und zündeten Bomben. Acht der Angreifer sollen getötet worden sein. 1.500 zusätzliche Soldaten wurden nach Paris beordert.

Klimagipfel-Organisatoren beraten

Präsident Hollande machte für den Anschlag die Terrorgruppe IS verantwortlich. Die hat sich inzwischen zu den Anschlägen bekannt. Hollande verhängte für das ganze Land den Ausnahmezustand und ließ die Grenzen sperren. Am selben Tag waren ohnehin wieder Grenzkontrollen eingeführt worden, um im Vorfeld der UN-Klimakonferenz die Sicherheit zu erhöhen. Stattfinden sollten die Kontrollen bis zum 13. Dezember an den Grenzen zu Deutschland, Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Italien und Spanien. Allerdings hatte sich die Maßnahme eher gegen befürchtete Ausschreitungen militanter Protestgruppen gerichtet.

Hollande sagte seine Teilnahme für den an diesem Wochenende stattfindenden G20-Gipfel in der Türkei ab. Noch am späten Freitag hatte die Regierung auch über die Klimakonferenz beraten, allerdings war keine Rede von einer Verschiebung. Nun besprechen die Organisatoren der Klimakonferenz das weitere Vorgehen. "Wir werden ein Kristentreffen mit einem Team am Samstagmorgen abhalten", sagte der Generalsekretär der COP 21, Pierre-Henri Guignard, der Zeitung Le Monde. "Allerdings ist es die Regierung, die darüber zu entscheiden hat, was jetzt getan werden muss."

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Tausende Polizisten und Soldaten sichern am Tag nach dem verheerenden Anschlag Paris ab. (Foto: Rama/Wikimedia Commons)

Zum UN-Klimagipfel ab dem 30. November werden 40.000 Teilnehmer erwartet, darunter über hundert Staats- und Regierungschefs. Kommen wollen auch Angela Merkel, Wladimir Putin und Barack Obama. Es ist die größte Konferenz, die Frankreich je ausgerichtet hat.

Die Chefin des UN-Klimasekretariats Christiana Figueres zeigte ihre Solidarität mit den Franzosen und schrieb nur: "In deep pain."

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