News, 20. November 2015

Klimafinanzierung: Geld bleibt daheim

Weltweit wurden im vergangenen Jahr 391 Milliarden Dollar für Klimaschutz ausgegeben, rechnet der Thinktank Climate Policy Initiative vor. Ausgegeben wird das Geld aber am liebsten vor der eigenen Haustür, nur ein geringer Anteil der Investititionen kommt tatsächlich den Entwicklungsländern zugute.

Von Sandra Kirchner

391 Milliarden Dollar wurden im vergangenen Jahr weltweit in Klimaschutz und erneuerbare Energien investiert. Damit stiegen die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent. Das geht aus dem am Montag vorgelegten Bericht zu den globalen Klimafinanzen des US-amerikanischen Thinktanks Climate Policy Initiative (CPI) hervor.

Bild
Private und öffentliche Ausgaben für Klimaschutz haben im vergangenen Jahr zugenommen. (Foto: Marcel Grieder/Flickr)

Private Investoren wie Projektentwickler, Finanzhäuser, Körperschaften und Einzelhaushalte haben mehr als die Hälfte der Finanzmittel – nämlich 243 Milliarden Euro – in erneuerbaren Energien angelegt. Vor allem Photovoltaikanlagen und Windanlagen an Land wurden damit finanziert.

"CPI zeichnet für den Bericht alle weltweiten Finanzflüsse auf", sagt David Eckstein von der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch. Folglich werde auch gezählt, wenn Industrieländer in andere Industrieländer investieren. Dem Report zufolge wurden aber fast drei Viertel aller Investitionen in dem Land vorgenommen, aus dem sie stammten. Geld für Klimaschutz wird also vor allem direkt vor der eigenen Haustür ausgegeben. "Zwei Wochen vor dem internationalen Klimagipfel in Paris zeigt unsere Analyse, dass die Staaten weltweit in den Klimaschutz investieren, um ihre eigenes Wirtschaftswachstum und Entwicklung voranzutreiben". sagt auch eine der CPI-Autorinnen Barbara Buchner.

Die meisten Klimaschutz-Gelder, umgerechnet rund 119 Milliarden Euro, wurden im vergangenen Jahr im Osten Asiens und in der Pazifikregion eingesetzt. Davon konnte China allein einen großen Teil für sich verbuchen. Aber auch Westeuropa profitierte neben Nordamerika von hohen Investitionen.

Nicht alle Klimahilfen sind auch wirklich welche

Geringer fielen indes die Zahlungen von Industrieländern an Entwicklungsländer aus. Die genaue Höhe, verschweigt der Report allerdings. Dabei haben die Industriestaaten auf der UN-Klimakonferenz in Cancún zugesichert, dass sie den Entwicklungsländern ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen wollen. Doch bislang ist noch immer unklar, wie die Industriestaaten ihr Versprechen jedes Jahr aufs Neue erfüllen wollen. Noch muss geklärt werden, welche Hilfen als gültig anerkannt werden.

Der Großteil der Klimafinanzierung soll künftig über den Green Climate Fund (GCF) laufen. Den lässt CPI in seinem diesjährigen Bericht allerdings außen vor. Nationale und multilaterale Fonds hätten im vergangenen Jahr rund zwei Milliarden Dollar für Klimaschutz- und Anpassungsprojekte bestätigt. Immerhin haben die Zahlungsverpflichtungen laut CPI seit 2011 merklich zugenommen. Der Trend werde sich wahrscheinlich fortsetzen, wenn der Klimafonds die ersten Projekte finanziert hat.

Klimahilfen von öffentlichen Geldgebern wie Regierungen, Klimafonds und Finanzorganisationen beliefen sich im vergangenen Jahr auf 148 Milliarden Dollar, davon flossen 101 Milliarden laut CPI-Report zwischen verschiedenen Ländern.

Investitionen zu Hause sind wichtig für die Energiewende

Bleiben die Entwicklungsländer also auf der Strecke, weil die Industrie- und Schwellenländer lieber in Klimaschutz im eigenen Land investieren, als den Entwicklungsländern bei der Klimaanpassung unter die Arme zu greifen? "Beides ist nötig", sagt Eckstein. Vor Ort müsse der Ausbau der Erneuerbaren vorangetrieben werden. Es sei aber auch notwendig, dass die Industrienationen die zugesagten Finanzmittel den Entwicklungsländern zur Verfügung stellen.

Bild
Die internationalen Finanzflüsse für den Klimaschutz sind immens, doch vor Ort bei den Entwicklungsländern kommt noch zu wenig an: Dorf ohne Stromanschluss in Simbabwe. (Foto: Nick Reimer)

Deutlich niedriger fallen dagegen die Zahlen im Bericht der OECD zur internationalen Klimafinanzierung aus, der vor knapp einem Monat veröffentlicht wurde. Demnach haben die Industrieländer in den letzten beiden Jahren durchschnittlich Zahlungen in Höhe von jeweils 57 Milliarden US-Dollar an die Entwicklungsländer fest zugesagt. "Aber auch die OECD hat großzügig gerechnet", gibt Eckstein zu bedenken. Demnach zählten auch Kredite als Finanzhilfen, die zu marktüblichen Konditionen vergeben werden. Gelder, die die Entwicklungsländer also einmal mit Zinsen zurückzahlen müssen. Zudem werden mitunter Hilfsprojekte in die Zahlungen einberechnet, bei denen Klimaschutz nur ganz am Rande vorkommt.

Mehr lesen

OECD: 60 Milliarden jährliche Klimafinanzierung

Bild

Durchschnittlich knapp 60 Milliarden US-Dollar haben die Industriestaaten in den vergangenen beiden Jahren für Klimaschutz und Klimaanpassung in Entwicklungsländern mobilisiert. Das geht aus einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hervor. [mehr...]


Mehr Hintergrund

Studie Bericht zu den globalen Klimafinanzen 2014 der Climate Policy Initiative (CPI)

Studie Die OECD-Studie "Climate Finance in 2013-14 and the USD 100 billion goal" wurde gemeinsam mit der Climate Policy Initiative erstellt

Studie Hier finden Sie Zahlen der Climate Policy Initiative zur Berechnung der Klimafinanzierung für 2013