News, 01. Dezember 2015

Schöne Worte, wenig Fortschritt?

Bei der Pariser Klimakonferenz beginnen die eigentlichen Verhandlungen. Nachdem die "Führer der Welt" hehre Ziele verkündet haben, finden sich die Klimadiplomaten im Gestrüpp der Paragrafen und ungeklärten Optionen wieder. Ob die Übersetzung der Rhetorik in praktische Fortschritte gelingt, ist unklar.

Aus Paris Christian Mihatsch

Nach dem hektischen Eröffnungstag der UN-Klimakonferenz in Paris mit rund 150 Staats- und Regierungschefs war der zweite Tag merklich ruhiger. Dennoch gab es einige nennenswerte Ankündigungen: So wollen die afrikanischen Länder massiv in erneuerbare Energien investieren.

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Solarenergie in Afrika: Was sich nach einer logischen Kombination anhört, wartet noch immer auf den großen Durchbruch. Jetzt soll es endlich vorwärtsgehen. Im Bild: Solardach an der Universität Kumasi in Ghana. (Foto: ZSM/Wikimedia Commons)

Bis zum Jahr 2020 soll die Kapazität von Sonne, Wind und Wasserkraft in Afrika auf 10.000 Megawatt und bis 2030 dann auf 300.000 Megawatt ausgebaut werden. Zum Vergleich: Derzeit liegt die Kapazität aller Kraftwerke Afrikas bei 150.000 Megawatt. "Afrikanische Länder treiben diese Initiative voran und andere Länder unterstützen sie mit Geld und Technologien", sagt Samantha Smith von der Umweltstiftung WWF. "Das ist genau das kooperative Handeln im großen Maßstab, das wir brauchen", findet Smith. "Es ist auch das aktuellste Beispiel dafür, dass wir null CO2-Emissionen und null Armut gleichzeitig haben können."

Weiter wurde eine neue Allianz zum Schutz der Wälder vorgestellt. Ihr gehören Entwicklungs- und Industrieländer sowie Firmen an. Letztere versprechen, für "entwaldungsfreie Lieferketten" zu sorgen.

"Die Welt außerhalb der Verhandlungen sorgt weiter für gute Stimmung", sagt Wendel Trio von der Nichtregierungsorganisation Climate Action Network. Die Sorge sei allerdings, dass sich die Verhandlungen über den Text des Paris-Abkommens weiterhin als zäh erweisen: "Die schönen Worte in der Öffentlichkeit haben sich noch nicht als Fortschritt in den Verhandlungen niedergeschlagen", sagt Trio mit Blick auf die Reden der Staatschefs zur Eröffnung am Montag.

Klimadiplomaten in der Zwickmühle: Das Ministersegment droht

Ein europäischer Diplomat beklagt: "Bei Ministertreffen hat man den Eindruck, die Landezonen für die verschiedenen Fragen rückten ins Blickfeld. Doch auf der Ebene der Klimadiplomaten bewegt sich dann wenig." Mit Landezonen bezeichnen Diplomaten die Konturen möglicher Kompromisse.

Die Diplomaten vieler Länder wollen daher ihre Minister von den Verhandlungen fernhalten: "Viele Länder wollen nicht, dass die Minister verhandeln", sagt Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam. Für einen Erfolg in Paris sind die Minister jedoch unerlässlich: Die beiden Ko-Vorsitzenden der Verhandlungen haben erneut bestätigt, dass die Klimadiplomaten nur noch bis Samstag Zeit haben und anschließend die Minister zum Zug kommen.

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Was die Klimadiplomaten nicht klären können, müssen sie den Ministern überlassen. Die Chefs können sich zwar oft leichter einigen – aber das Ergebnis zeugt nicht immer von Kompetenz. (Foto: Susanne Götze)

Damit haben es die Diplomaten selbst in der Hand, über welche Punkte noch auf Ministerebene verhandelt werden muss. Wenn sie ihrem Auftrag gerecht werden und am Samstag einen "kurzen und prägnanten Text mit klaren Optionen bei strittigen Fragen" abliefern, dann haben die Minister nur noch wenig Arbeit. Gelingt dies nicht, müssen sich die Minister mit Hunderten von eckigen Klammern herumschlagen, die ungeklärte Formulierungen markieren. Dann hilft es dann auch nicht mehr, dass viele Diplomaten am taktischen Geschick und der nötigen Detailkenntnis ihrer Chefs zweifeln.

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