News, 06. Februar 2016

Problem gelöst vom B-Team

Wirtschaftsmagnaten aus aller Welt wollen Klimaneutralität bis 2050. Zu dem Ziel sollen sich die Regierungen verpflichten, die Weltgemeinschaft im neuen Weltklimavertrag sowie die Unternehmen. Prinzipiell sind die Forderungen des sogenannten B-Teams wünschenswert, finden Klimaexperten. Ob sie doch unter die Überschrift "Greenwashing" fallen, hängt von der Umsetzung ab.

Von Susanne Schwarz

Vor neun Jahren wurde Richard Branson zum Propheten des grünen Kapitalismus. Der Wirtschaftsmagnat versprach, drei Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien zu investieren. Viele Umweltschützer nahmen die Nachricht damals wohlwollend auf. Allerdings kam sie überraschend, besitzt Branson mit seiner Virgin Group doch rund 400 Unternehmen – darunter mehrere große Fluggesellschaften. Sein besonderes Steckenpferd: die Agrokraftstoffe, auf die er verstärkt setzen will.

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Unternehmer Richard Branson ist Mitglied des B-Teams, das Klimaneutralität bis 2050 fordert. (Foto: ccw)

Seither hat Branson oft öffentlich für mehr Klimaschutz getrommelt und ist Mitglied im sogenannten B-Team, dem auch die UN-Sondergesandte für den Klimawandel Mary Robinson oder Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus angehören. Branson ist in der Gruppe lange nicht der einzige Vertreter der Wirtschaft. Sie ist fast ein Sammelbecken für die Chefs der weltgrößten Konzerne: Paul Polman von Unilever etwa ist dabei, Jochen Zeitz, ehemals Chef von Puma, ebenfalls.

Die Gruppe fordert nun, dass Regierungen sich ein Nullemissionsziel für 2050 setzen – auch im neuen Weltklimavertrag, der Ende des Jahres in Paris unterzeichnet werden soll, solle die Vorgabe stehen. Zudem wollen die Mitglieder des B-Teams die Wirtschaft dazu bringen, das Ziel ebenfalls zu unterstützen. Das wollen sie unter anderem dadurch erreichen, dass sich Unternehmen und Regierungen auf ein Preissystem für Kohlendioxid-Emissionen einigen. Die Staaten sollten zudem, fordert das B-Team, Subventionen für fossile Kraftstoffe streichen und stattdessen erneuerbare Energien fördern. Außerdem solle man armen und besonders vom Klimawandel betroffenen Regionen beim Klimaschutz helfen.

Schon so mancher aus dem Kreis musste sich in der Vergangenheit gegen den Vorwurf des Greenwashings wehren. Richard Branson zum Beispiel: Agrokraftstoffe sind in ihrem Klimaeffekt stark umstritten – und die versprochenen drei Milliarden für die Erneuerbaren-Wirtschaft, das hat zum Beispiel im vergangenen Jahr die Journalistin Naomi Klein recherchiert, sind auch noch lange nicht investiert. Unilever wurde ebenfalls schon Scheinheiligkeit unterstellt. Der Konzern wurde zwar für ökologisches Handeln ausgezeichnet, doch viele seiner Produkte enthalten Palmöl, für das riesige Flächen Regenwald gerodet wurden.

"Geschäftsleute wollen einfach Geld verdienen"

Unternehmen seien einfach schon jetzt durch den Klimawandel gebeutelt, begründet das B-Team seine Forderungen. Wetterextreme etwa, die durch den Klimawandel häufiger und intensiver werden, würden Lieferketten unterbrechen und die Wirtschaft viel kosten, beklagen die Wirtschaftsführer. "Als Unternehmen Klimaschutz zu betreiben, zeigt einfach guten Geschäftssinn", sagte Richard Branson. "Warum sollten wir damit warten?"

"Die Forderungen sind richtig", erklärt Jan Kowalzig von der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam gegenüber klimaretter.info. Machbar seien sie auch, das sei wissenschaftlicher Konsens. In dem Vertragsentwurf, der in Lima entstanden ist und kommende Woche in Genf weiterbearbeitet werden soll, werde etwa die Klimaneutralität bereits genannt, so der Klimaexperte – ob und wie sie verankert bleibt, sei aber noch unklar. "Es ist gut, wenn sich die Business-Community zu Klimaschutzzielen bekennt und verpflichtet", findet Kowalzig. Es komme oft vor, dass die Politik mit negativen Folgen für die Wirtschaft argumentiere, um mit dem Klimaschutz zu warten. "Diese Leute sind ja nicht 'Treibhausgas-Ausstoßer' von Beruf, sondern Geschäftsleute, die Geld verdienen wollen", so Kowalzig. Ein Unternehmen folge dem Rahmen, den die Politik schaffe – brauche aber langfristige Investitionssicherheit.

Von Greenwashing muss man dem Oxfam-Experten zufolge nicht sofort ausgehen. "Unilever zum Beispiel ist im Kern ein Nahrungsmittelkonzern, den man zwar in vielen Belangen kritisieren kann, der aber auf gute Ernteerträge seiner Zulieferer angewiesen ist", meint Kowalzig. Die landwirtschaftlichen Bedingungen würden aber durch die Folgen des Klimawandels wie Dürren oder andere Extremwetter schlechter, deshalb müsse der Konzernriese schon rein wirtschaftlich ein Interesse am Klimaschutz haben.

"Unser Konsum muss sich trotzdem ändern"

Auch Karsten Smid von der Umweltorganisation Greenpeace findet den Appell des B-Teams grundsätzlich unterstützenswert. "Wir stehen allerdings hinter dem Ziel, bis 2050 komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen", sagt der Klimaexperte im Gespräch mit klimaretter.info. "Das Wort 'Klimaneutralität' fordert eigentlich weniger oder kann zumindest unterschiedlich verstanden werden." Es könne zum Beispiel auch den Weg dafür freimachen, dass stärker auf Agrokraftstoffe gesetzt wird, so der Greenpeace-Experte.

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Wie die Kollegen vom A-Team Menschen in Notlagen gerettet haben, ist bekannt. Wie das B-Team den Planeten schützen will, ist noch ziemlich unklar. (Foto: 
Jamie Davies/Flickr)

Die Logik dahinter: Beim Verbrennen von Agrokraftstoffen wird nur so viel Kohlendioxid ausgestoßen, wie die Pflanze zuvor gebunden hatte. Somit sei der Kohlenstoff-Kreislauf geschlossen, also klimaneutral. Forscher gehen allerdings davon aus, dass der Klimaschaden größer ist, wenn das Treibhausgas nicht in Bodennähe, sondern wie im Flugverkehr über den Wolken emittiert wird.

Zudem werden die Pflanzen für Agrokraftstoffe oft extra angepflanzt. Werden dafür Wälder abgeholzt, fallen wichtige natürliche CO2-Speicher weg. "Wenn sich eine Fluggesellschaft das so vorstellt, kann man nur sagen: Das heutige Flugaufkommen kann nicht nur durch Agrokraftstoffe klimafreundlich werden", ergänzt Smid. "Wir brauchen in jedem Fall auch einen Wandel unseres Konsumverhaltens, müssen also weniger fliegen." Ob das B-Team tatsächlich das Beste fürs Klima im Sinn habe, hänge also davon ab, wie die Gruppe sich die Umsetzung und konkrete Zwischenschritte vorstelle, resümiert Smid.