News, 20. Januar 2016

Konzernchefs pfeifen auf das Klima

Konzernschiffs nehmen den Klimawandel nicht sehr ernst. "Überregulierung", "geopolitische Unsicherheit" und "Schwankungen auf dem Devisenmarkt" machen ihnen mehr Sorgen.

Von Jörg Staude

Auf dem Weltklimagipfel in Paris im Dezember wollten sie noch ihre "Lösungskonzepte" vorstellen: Viele Konzernchefs der Weltwirtschaft sprachen damals über die Erderwärmung als großes Menschheitsproblem. Zu Beginn des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos ist das "Schnee von gestern". Das ergab eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC), die am heutigen Mittwoch, dem ersten Tag des Weltwirtschaftsforums, in Davos vorgestellt wurde. Befragt wurden 1.400 CEOs aus aller Welt. Nur die Hälfte der Antwortenden gab an, "ein bisschen besorgt" oder "extrem besorgt" wegen der Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäft zu sein.

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Kein Geldregen für Klimakiller: "Studien zeigen, dass Klimawandelleugner mittlerweile wirtschaftlich weniger Erfolg haben", sagt Schauspieler Leonardo DiCaprio, den das Weltwirtschaftsforum für sein Engagement im Umweltschutz ausreichnete. (Foto: Gerd Altmann/Pixabay)

Als weniger problematisch stuften die Wirtschaftsmagnaten nur die Themen "Arbeitslosigkeit" und "Zugang zu Kapital" ein. Besonders fürchten sie sich vor "Überregulierung" (79 Prozent), "geopolitischer Unsicherheit" (74 Prozent) und "Schwankungen auf dem Devisenmarkt" (73 Prozent). Beim Weltwirtschaftsforum kommen einmal jährlich in Davos, der höchstgelegenen Stadt in den Alpen, Wirtschaftsbosse mit Politikern, Wissenschaftlern und Intelektuellen zusammen, um aktuelle globale Fragen und deren Auswirkungen auf die Ökonomie zu diskutieren. Der Klimawandel soll dieses Jahr auch auf dem Programm stehen, erörtern will das Forum zum Beispiel das Pariser Klimaabkommen und die Senkung von Kohlendioxidemissionen.

Den Schauspieler Leonardo DiCaprio zeichnete das Forum mit seinem "Crystal Award" für sein ehrenamtliches Engagement im Umweltschutz aus. DiCaprio ging mit seinen Gastgebern nicht zimperlich um, speziell mit der Energiewirtschaft: "Wir können nicht die gierige Kohle-, Gas- und Erdölindustrie über die Zukunft der Menschen bestimmen lassen. Genug ist genug!" Die Weltwirtschaft müsse sich damit anfreunden, Klimaschutz zu betreiben, sagte DiCaprio. "Studien zeigen ohnehin, dass Klimawandelleugner mittlerweile auch wirtschaftlich weniger Erfolg haben," Seit 2014 ist DiCaprio UN-Botschafter für Frieden – mit besonderem Augenmerk auf Konflikte durch den menschengemachten Klimawandel. Schon 1998, am Anfang seiner Karriere, gründete der Schauspieler seine eigene Umweltschutzstiftung. Weitere Preisträger sind die chinesische Schauspielerin Yao Chen, der dänisch-isländische Installationskünstler Ólafur Eliasson und der US-amerikanische Musiker will.i.am, die sich für Flüchtlinge und für Bildung engagieren.

Wie in jedem Jahr erhebt sich auch Protest gegen das Weltwirtschaftsforum, etwa von Globalisierungskritikern oder auch Umweltorganisationen. Erst in letzter Sekunde hat die Stadt Davos in diesem Jahr eine Kundgebung genehmigt: Am Samstag will die deutsche Gesellschaft "Kultur des Friedens" auf dem Postplatz im Stadtzentrum von Davos demonstrieren.

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