Lexikon

Ad Hoc Working Group on the Durban Platform for Enhanced Action (ADP)

Ad Hoc Working Group on the Durban Platform for Enhanced Action, abgekürzt ADP, heißt frei übersetzt: "Eigens eingerichtete Arbeitsgruppe zur Verhandlungsgrundlage von Durban für erweiterte (Klimaschutz-)Maßnahmen."

Die ADP ist ein untergeordnetes Gremium der UN-Klimaverhandlungen, das 2011 auf der vergleichsweise erfolgreichen Klimakonferenz in Durban eingerichtet wurde. Aufgabe der ADP ist es, die Bedingungen für ein neues Klimaabkommen zu entwickeln, das erstmals alle Staaten der Welt umfassen und ab 2020 gelten soll, wenn die Vertragslaufzeit der zweiten Verpflichtungsperiode des --> Kyoto-Protokolls enden. Außerdem soll das Gremium dafür Sorge tragen, dass die Vertragsstaaten der --> Klimarahmenkonvention ihre Emissionen bereits zwischen 2015 und 2020 möglichst stark reduziert werden.

Die ADP ist damit eine der wichtigsten Verhandlungsgruppen der Weltklimadiplomatie.

2013 wurde auf der Klimakonferenz in Warschau ein Beschluss der ADP-Gruppe für einen "Fahrplan" zum neuen Klimavertrag veröffentlicht. Darin sind allerdings keine konkreten "Reduktionspflichten" (commitments) für die einzelnen Länder vorgegeben, sondern lediglich "Beiträge" (contributions). Diese müssen die Länder auch nicht – wie ursprünglich vorgesehen – verbindlich an das UN-Klimasekretariat melden, sie sind nur dazu "eingeladen".

Ad-Hoc-Working Group Kyoto Protocol (AWG-KP)

Klimaverhandlungen im UN-Rahmen fanden bis 2011 in zwei Arbeitsgruppen statt: der Ad Hoc Working Group on Further Commitments for Annex I Parties under the Kyoto Protocol (AWG-KP) und der --> Ad Hoc Working Group on Long-term Cooperative Action (AWG-LCA), in der Nicht-Kyoto-Industriestaaten und Entwicklungsländer verhandelten.

Die Ad Hoc Working Group on Further Commitments for Annex I Parties under the Kyoto Protocol (Deutsch: Ad-hoc-Arbeitsgruppe zur Vereinbarung zukünftiger Verpflichtungen unter dem Kyoto-Protokoll) wurde im Dezember 2005 in Montreal ins Leben gerufen, um die Verpflichtungen der Mitglieder entsprechend dem Kyoto-Protokoll auszuhandeln. Sie hatte 187 Mitglieder, darunter China, nicht aber die USA. Letztere nahmen  im Rahmen der Arbeitsgruppe unter der --> Klimarahmenkonvention an dem Gipfel teil. Seit 2008 sind die Kyoto-Länder verpflichtet, ihre Emissionen zu reduzieren – um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber 1990. Spätestens beim Klimagipfel in Kopenhagen Ende 2009 sollten eigentlich die Verpflichtungen für den Zeitraum ab 2013 vereinbart werden.

Im Rahmen des Kyoto-Protokolls werden lediglich die Verpflichtungszeiträume immer wieder neu verhandelt – alle anderen Teile des Vertrages bleiben in Kraft. Ziel der Verhandlungen beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen war also lediglich eine Novelle des 1997 verabschiedeten Vertrages. In Kopenhagen wurde jedoch nach und nach klar, dass verschiedene Industriestaaten (wie die EU oder die --> Umbrella Group) nicht auf der Basis des Kyoto-Protokolls weiterverhandeln wollten, sondern für ein einheitliches, universelles Klimaabkommen plädierten. Dies wurde von den Entwicklungsländern abgelehnt, die (höhere) Reduktionsziele für sich und verwässerte Ziele für die Industriestaaten befürchteten.

Die AWG-KP beschäftigte sich in Kopenhagen unter anderem mit --> Carbon Capture and Storage (CCS) – die Technologie wurde als Möglichkeit zur Reduzierung von Treibhausgasen gesehen, aufgrund von Sicherheitsbedenken wurde das Thema jedoch zur weiteren Untersuchung an das Nebenorgan für wissenschaftliche und technische Beratung (SBSTA) der --> UNFCCC verwiesen. Des Weiteren wurden ein Ausbau und eine Standardisierung von --> Clean-Development-Mechanism-Projekten diskutiert. Da in Kopenhagen keine Einigung auf verbindliche Reduktionsziele für den Zeitraum ab 2012 erzielt werden konnte, wurde das Mandat der Gruppe verlängert.

Ad-Hoc-Working Group on Long-term Cooperative Action (AWG-LCA)

Die Klimaverhandlungen im UN-Rahmen fanden bis 2011 in zwei Arbeitsgruppen statt: der Ad Hoc Working Group on Further Commitments for Annex I Parties under the Kyoto Protocol (AWG-KP) und der Ad Hoc Working Group on Long-term Cooperative Action (AWG-LCA), in der Nicht-Kyoto-Industriestaaten und Entwicklungsländer verhandelten.

Die Ad Hoc Working Group on Long-term Cooperative Action (Deutsch: Ad-hoc-Arbeitsgruppe unter der Klimarahmenkonvention) vereinte alle Länder, die die Klimarahmenkonvention unterzeichnet hatten. Die Konvention wurde 1992 beim Erdgipfel in Rio de Janeiro angenommen und trat 1994 in Kraft. Seither sind 194 Länder beigetreten. Dies war das erste Abkommen, das den Klimawandel als ernstes Problem bezeichnete und die Staatengemeinschaft zum Gegenlenken verpflichtete. Die darin enthaltene Selbstverpflichtung der Länder zu Emissionsminderungen wurde 1997 im Kyoto-Protokoll verbindlich festgeschrieben.

Die daraus hervorgehende zweite Verhandlungsgruppe wurde allerdings erst unter dem "Bali Action Plan" 2007 von der internationalen Staatengemeinschaft ins Leben gerufen. Da fast alle Länder der Welt in der --> Klimarahmenkonvention vereint sind, spielten in der AWG-LCA insbesondere die Länder, die nicht im Rahmen des Kyoto-Protokolls verhandelten, eine große Rolle: die USA und die Entwicklungsländer. Wie auch die Kyoto-Gruppe, sollte die AWG-LCA bis zum Weltklimagipfel in Kopenhagen Ende 2009 ihre Arbeit abschließen.

Nachdem in Kopenhagen keine Einigung erzielt worden war, wurde das Mandat der Gruppe verlängert.

Auf der Agenda der Gruppe standen Punkte wie eine gemeinsame Vision ("shared vision") zur langfristigen Minderung von Emissionen, die Verifizierbarkeit und Vergleichbarkeit von Minderungszielen von Industriestaaten, Maßnahmen zur Reduzierung der Entwaldung in Entwicklungsländern (--> REDD), Anpassungsstrategien an den Klimawandel und der --> Technologietransfer von den Industriestaaten zu den armen Ländern.

Aerosole

Aerosole sind kleine Partikel in der Luft aus unterschiedlichen Quellen, zum Beispiel:

  • feste Bestandteile der Abgase von Kohlekraftwerken und Dieselmotoren
  • Staub, der von trockenen Landflächen aufgewirbelt und zum Teil über hunderte Kilometer verweht wird
  • Auswurf von Vulkanen, der, wenn er in Höhen über zwölf bis 16 Kilometer gelangt, dort einige Jahre bleibt und sich um die ganze Erde verteilt

Vulkan-Aerosole können zu regional begrenzten oder auch globalen Abkühlungen führen, da sie Sonnenlicht reflektieren. Von verschiedenen Ausbrüchen in historischer Zeit ist bekannt, dass sie aufgrund dieser Abkühlung in ihrer weiteren Umgebung schwere Ernteeinbußen verursacht haben. Zuletzt hat der Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen Anfang der 1990er Jahre zu einer globalen Abkühlung von einigen wenigen Zehntel Grad Celsius geführt. 

Von besonderer Bedeutung sind die Aerosole aus Kraftwerken, die vor allem aus Ruß und --> Schwefeldioxid bestehen. Sie haben zwar nur eine Verweilzeit von ein bis zwei Wochen in der Atmosphäre, sind aber sehr klimawirksam, da ihre Quellen äußerst beständig sind. Vor allem das Schwefeldioxid reflektiert Sonnenstrahlung und verstärkt ebenso wie Ruß die Wolkenbildung. 

Insgesamt hebt der Kühlungseffekt der anthropogenen Aerosole laut dem Bericht des Weltklimarates --> IPCC immerhin rund die Hälfte des Effekts der anthropogenen Treibhausgase auf. Außerdem verursacht Schwefeldioxid sauren Regen und stellt gemeinsam mit Ruß insbesondere in Städten von Schwellenländern wie China ein enormes Gesundheitsproblem dar. China will deshalb als einer der weltweit wichtigsten Emittenten dieser Partikel seine Maßnahmen dagegen verstärken. Das wird jedoch zu einer Verstärkung des Treibhauseffekts führen.

 
Wikipedia: Aerosol

Agro-Treibstoff, Agro-Kraftstoff

Agro-Treibstoffe sind flüssige oder gasförmige Kraftstoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Zu unterscheiden sind

Agro-Benzin, das aus Stärke durch Fermentation hergestellt wird – etwa aus Weizen, Roggen, Zuckerrüben oder Zuckerrohr;

Agro-Diesel, der aus der Umesterung eines Pflanzenöls hergestellt wird – etwa aus Raps, Soja, Sonnenblumen oder Ölpalmenfrüchten;

Agro-Gas, das durch die Vergärung von Biomasse jeder Art hergestellt wird. Zumeist allerdings wird dieser Energieträger zur Stromproduktion benutzt – das Betanken etwa von Erdgasfahrzeugen ist prinzipiell möglich, aber eher unüblich.

Nach dem Biokraftstoffquotengesetz muss seit 2007 ein Teil der zum Transport bestimmten Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen stammen, die EU will diesen Anteil bis 2020 auf zehn Prozent steigern.

Die zuerst sehr optimistischen Annahmen über die Nachhaltigkeit von Agrokraftstoffen mussten im Laufe der Jahre immer weiter korrigiert werden. Nur wenige Arten von Agrosprit sind in der Gesamtbilanz umweltfreundlicher als Benzin.

Sowohl die Rohstoffe zur Herstellung des Agro-Kraftstoffe als auch nach Deutschland importiertes Agro-Benzin oder Agro-Diesel müssen seit 1. Januar ein Nachhaltigkeits-Zertifikat nachweisen. Dadurch soll ausgeschlossen werden, dass Regenwald abgeholzt und zu Treibstoff-Produktions-Flächen umgebaut wird.

Agro-Kraftstoffe werden häufig als Bio-Kraftstoffe bezeichnet. Allerdings steht "Bio" hier nur für die pflanzliche Herkunft der Ausgangsstoffe und keineswegs für Bio-Anbau. Im Gegenteil werden die Pflanzen in der Regel in umweltschädlichen Monokulturen angebaut. Besonders bei Ölpalmen und Soja sind damit großräumige Umweltzerstörungen verbunden.

Umweltinstitut München: Agrartreibstoffe 

Wikipedia: Biokraftstoff

Annex-B-Staaten

Der Annex B oder auch Anhang B im 1997 verabschiedeten --> Kyoto-Protokoll listet die Länder auf, die sich im ersten Verpflichtungszeitraum von 2008 bis 2012 zur Reduzierung ihrer Treibhausgase verpflichtet haben. Die Liste entspricht bis auf wenige Ausnahmen den -->Annex-I-Staaten in der -->Klimarahmenkonvention – den Staaten, die 1992 einer freiwilligen, unverbindlichen Verringerung ihrer -->Treibhausgas-Emissionen zugestimmt haben. Der Begriff Annex-B-Staaten wird oft als Synonym für "Industriestaaten" verwendet.

Annex-I-Staaten

Annex-I-Staaten werden in der Klimadiplomatie Industriestaaten genannt, die im Annex I (Anhang 1) der -->Klimarahmenkonvention von 1992 aufgelistet sind. 

Auf der Liste stehen alle OECD-Länder (außer Südkorea und Mexiko) sowie alle osteuropäischen Länder (außer den Balkan-Staaten). Der Begriff "Annex-I-Länder" wird daher oft synonym mit "Industrieländer" benutzt.

Diese 41 Staaten haben sich 1997 im Rahmen des -->Kyoto-Protokolls verpflichtet, ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2000 um 5,1 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken.

Im -->Kyoto-Protokoll von 1997 verpflichteten sich diese 41 Staaten erstmals völkerrechtlich bindend, ihre Treibhausgas-Emissionen bis Ende 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Die USA haben ihre Verpflichtung allerdings nie ratifiziert, also nie von ihrem nationalen Parlament rechtsverbindlich gestaltet.

Eine Liste des UN-Klimasekretariats mit den entsprechenden Kenndaten der Annex-I-Staaten finden Sie HIER.

Anpassungsfonds

Der Anpassungsfonds (Adaptation Fund) wurde von den Unterzeichnern des --> Kyoto-Protokolls eingerichtet, um Projekte und Programme zur Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern zu finanzieren. Viele Entwicklungsländer sind von den Auswirkungen der Erderwärmung schon heute stark betroffen, obwohl sie aufgrund ihrer geringen CO2-Emissionen selbst kaum zum Klimawandel beitragen. Bisher gilt der Anpassungsfonds als zu leistungsschwach angesichts des immensen Finanzierungsbedarfs, den der Klimawandel erfordert.

Die Finanzierung des Fonds erfolgt über den im Klimaschutzabkommen verankerten "Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung" (--> Clean Development Mechanism – CDM). Auf jedes hier angemeldete Projekt wird eine Abgabe von vier Prozent fällig, von denen die Hälfte in den Anpassungsfonds geht; die verbleibenden zwei Prozentpunkte sind Bearbeitungsgebühr. Erhoben wird der Beitrag vom UN-Klimasekretariat in Bonn.

Die Einrichtung des Fonds wurde auf der --> UN-Klimakonferenz in Marrakesch im Dezember 2001 beschlossen. Die Gründung des Fonds fand jedoch erst fünf Jahre später auf der Klimakonferenz in Nairobi statt; arbeitsfähig war er zu dieser Zeit allerdings noch nicht. Stattdessen begann ein politisches Fingerhakeln zwischen Industrie- und Entwicklungsländern darüber, wo das neue Instrument anzusiedeln sei.

Der Vorstoß der Industriestaaten, den Anpassungsfonds der Weltbank einzugliedern, wurde von den Staaten des Südens abgelehnt. Auf der Klimakonferenz in Bali 2007 konnte man sich übergangsweise auf die Globale Umweltfazilität (Global Environment Facility – GEF) als Träger einigen. Die GEF ist eine von Weltbank, UNDP und UNEP getragene Institution, die Umweltschutzbelange bei Entwicklungshilfevorhaben projektiert.

Die eigentliche Arbeit des Fonds wurde 2008 erst mit der Einrichtung eines Adaptation Fund Board (AFB) als oberstem Entscheidungsgremium möglich, nachdem dessen Ausgestaltung auf der Konferenz in Poznan Zentrum hitziger Debatten war. Die Entwicklungsländer erhielten die Mehrheit im Steuerungsgremium, die Vorsitzenden kommen ebenfalls aus dem globalen Süden. Im Jahr 2010 einigten sich die Staaten dafür auf Bonn als Sitz des Klimafonds. Umstritten in Poznan war auch die Frage, wie die Gelder des Fonds ausgeschüttet werden sollten: Der Süden plädierte für einen weitgehend freien "direkten Zugang" – die Industrieländer lehnten dies zunächst ab.

Gewährt wird der freie Zugriff nun, jedoch mit Einschränkungen. Das Steuerungsgremium hat die Modalitäten für die Mittelvergabe im Laufe des Jahres 2009 erarbeitet. Die verantwortlichen Instanzen können die Mittel nach einem Akkreditierungsprozess nun direkt abrufen. Ein Netz von Verlässlichkeitsstandards, Kontroll- und Evaluierungsinstanzen soll der Befürchtung vieler Industrieländer und Nichtregierungsorganisationen entgegenwirken, dass die Gelder nicht dort ankommen könnten, wo sie am meisten gebraucht werden.

Der Anpassungsfonds nahm seine Arbeit 2009 auf. Bis November 2011 flossen gerade einmal 250 Millionen US-Dollar in den Topf. Nach Schätzungen der Entwicklungsorganisation Germanwatch liegt aber der tatsächliche jährliche Finanzierungsaufwand zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels bei zwei- bis dreistelligen Milliardenbeträgen in den Entwicklungsländern. 

Weiterführende Links:

Zähes Ringen um ein bisschen Geld – ausführlicher Artikel über den Anpassungsfonds auf  klimaretter.info von November 2011

Adaptation Fund – Facts and Documents (UNFCCC)

www.adaptation-fund.org – Website des Anpassungsfonds

AOSIS

In der Alliance of Small Island States (AOSIS) oder Allianz der kleinen Inselstaaten haben sich kleine Insel- und Küstenstaaten zusammengeschlossen, die befürchten müssen, im Zuge des Klimawandels und seiner Folgen ihre Lebensgrundlagen zu verlieren. Denn Inseln und Küsten drohen bei steigendem Meeresspiegel überschwemmt zu werden.

AOSIS versteht sich als Sprachrohr der Gruppe der Small Island Developing States (SIDS), aus der sie 1990 hervorging. Auf UN-Ebene treten die AOSIS-Staaten als Verhandlungspartner etwa bei den Klimaverhandlungen auf. Insgesamt repräsentieren diese Staaten knapp ein Drittel der Entwicklungsländer und rund fünf Prozent der Weltbevölkerung.

42 Mitglieds-Staaten:
Antigua und Barbuda, Bahamas, Barbados, Belize, Kap Verde, Komoren, Cook-Inseln, Kuba, Dominica, Dominikanische Republik, Fidschi, Föderierte Staaten von Mikronesien, Grenada, Guinea-Bissau, Guyana, Haiti, Jamaika, Kiribati, Malediven, Marshall-Inseln, Mauritius, Nauru, Niue, Palau, Papua-Neuguinea, Samoa, Singapur, Seychellen, Sao Tome und Principe, Salomonen, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Suriname, Timor-Leste, Tonga, Trinidad und Tobago, Tuvalu, Vanuatu

4 Beobachter-Staaten:
Amerikanisch-Samoa, Niederländische Antillen, Guam, Amerikanische Jungferninseln

Bali Roadmap

Die Bali Roadmap, zu deutsch die Bali Straßenkarte, dient als Wegweiser für die Verhandlungen über das klimapolitische Regime, das ab 2012 auf das Kyoto-Protokoll folgen soll. Sie entstand als Schlussdokument der 13. Konferenz über Klimaänderungen (COP13), die auf Bali vom 13. bis 15. Dezember 2007 stattfand. Der verbindliche Vertrag dazu sollte binnen zwei Jahren beschlossen werden und eigentlich schon auf dem Klimagipfel im Dezember 2009 in Kopenhagen zu einem neuen Klimaabkommen führen.

 Vier Handlungsbereiche wurden von den Teilnehmern festgestellt:

1) Die Reduktion von Kohlendioxidemissionen

Dies betrifft alle Länder einschliesslich der USA und den Schwellenländern. Die Industrieländer müssen ihre Kyotopflichten erfüllen. Durch den --> REDD-Mechanismus sollen die Rodungen von Regenwäldern weltweit drastisch reduziert werden.

2) Anpassung an den Klimawandel

Besonders die am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries, LCDs) und von steigendem Meeresspiegel betroffene Länder und Inseln müssen bei ihren Risikominderungs- und Katastrophenschutzstrategien unterstützt werden.

3) Technologietransfer

Klimafreundliche Technologien müssen allen Ländern verfügbar gemacht werden; politische oder wirtschaftliche Hindernisse dazu müssen beseitigt werden.

4) Finanzierung

Entwicklungsländer müssen bei ihrem Kampf gegen den Klimawandel finanziell unterstützt werden. Durch Systeme wie den Clean Development Mechanism (CDM) sollen Anreize für alle Länder geschaffen werden, ihre Kohlendioxidemissionen zu reduzieren. Auch das 2005 in der EU eingeführte --> Emissionshandelsystem funktioniert nach ähnlichen Prinzipien. Die Privatwirtschaft muss in den Prozess miteinbezogen werden.

Innerhalb des Bali Action Plans, der Teil der Roadmap ist, wurden für das Jahr 2008 vier weitere Tagungen anvisiert. Die Verhandlungen der COP 13 gestalteten sich teilweise schwierig und drohten noch kurz vor Schluss zu scheitern –  letztlich konnte aber unter Einbeziehung auch der Vereinigten Staaten eine Einigung erzielt werden. Mehr als 10.000 Teilnehmer aus mehr als 180 Ländern waren während der Verhandlungen auf Bali vor Ort. Gastgeber war die Regierung des Landes Indonesien.

Hier der Beschlusstext der Verhandlungen

Barrel

Barrel (englisch für Fass) ist eine angloamerikanische Maßeinheit. Bekannt geworden ist sie als Erdöl-Maßeinheit: 1 Barrel entspricht 159 Liter, wobei es Differenzen zwischen amerikanischem und britischen Barrel gibt: Ersteres entspricht exakt 158,9873 Litern, zweiteres 159,1132 Litern.

Bei der Verbrennung eines Barrel Erdöls entstehen 448 Kilogramm Kohlendioxid. Dieser Berechnung liegt die Annahme zugrunde, dass es sich um relativ "leichtes" Erdöl handelt, etwa von der europäischen Referenzsorte "Brent" aus der Nordsee: Die Dichte entspricht 0,84 Kilogramm je Liter, der Kohlenstoffgehalt des Erdöls liegt bei 85 Prozent. 

Täglich werden derzeit laut Angaben der OPEC 87,7 Millionen Barrel Erdöl braucht, es entstehen damit rechnerisch täglich 39,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid allein aus der Erdölnutzung. Allerdings ist diese Rechnung nur theoretisch: Erdöl, dass etwa zu Plastik verarbeitet wurde, wird ja nicht verbrannt.

BRIC

Als BRIC-Staaten werden die vier Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China zusammengefasst. den Begriff nutzte erstmals Jim O'Neill 2001, der damals Chefvolkswirt der Unternehmensberatung und des Finanzinvestors GoldmannSachs war.

Mit 2,8 Milliarden Menschen leben 40 Prozent der Weltbevölkerung in den BRIC-Staaten. Ihre jährliche Wirtschaftsleistung wächst seit Jahren ziwschen 5 bis 10 Prozent (zum Vergleich: Die EU wächst um 2 Prozent). Und weil es nach wie vor nicht gelungen ist, Wirtschaftswachstum vom Energieverbrauch (und damit der Produktion von Treibhausgasen zu entkoppeln), kommt den BRIC-Staaten eine zentrale Rolle bei der Lösung des Klimaproblems zu.Im Kyoto-Protokoll werden sie von jeglichen Reduktionsverpflichtungen frei gesprochen, zu diesen sind nur die --> Annex 1 -Staaten verpflichtet. Dagegen regt sich in den Industrieländern zunehmend Widerstand.

Gelegentlich werden die BRIC-Staaten um Südkorea auf BRICK erweitert.

CCS-Technologie

CCS steht für Carbon Capture and Storage – Abscheidung und Einlagerung von Kohlendioxid. 

In mehreren Ländern wird an Verfahren geforscht, mit denen künftig Kohlendioxid aus Kraftwerksabgasen abgetrennt und dauerhaft unterirdisch eingelagert werden soll. Mit dem Bau erster Pilotanlagen wurde 2006 begonnen. Auch die Einlagerungstechnik ist noch in einem frühen Erprobungsstadium. Marktreife wird nicht vor 2020 erwartet.

In Deutschland setzen die Stromkonzerne auf verschiedene Verfahren: Mit dem Oxyfuel-Verfahren experimentierte der Stromkonzern Vattenfall in einer Versuchsanlage am Lausitzer Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe: Kohle wird dabei in reinem Sauerstoff verbrannt, der Wasserdampf wird auskondensiert – übrig bleibt ein bis zu 90 Prozent konzentriertes Kohlendioxid-Gas, das unter Druck verflüssigt wird.

Konkurrent RWE will ab 2014 das sogenannte Pre-Combustion-Verfahren testen: Dabei wird Kohle vor der Verbrennung in einem Vergaser zu Kohlenmonoxid und Wasserstoff umgewandelt. Energieträger ist Wasserstoff. Das Kohlenmonoxid wird mit Wasserdampf zu Kohlendioxid umgewandelt.

Eon setzt auf das Post-Combustion-Verfahren, bei dem das Kohlendioxid chemisch aus den Rauchgasen herausgewaschen wird.

Nach der Abscheidung muss das Kohlendioxid "nur noch" unter die Erde gebracht werden. Und zwar dauerhaft – worunter aber meist nur 200 oder 10.000 Jahre verstanden werden – und ohne signifikante Leckagen. 

In Ketzin bei Potsdam wurde die unterirdische Lagerung des Klimagifts vom Geoforschungsinstitut Potsdam untersucht: 60.000 Tonnen reinen Kohlendioxids wurden in eine 650 Meter tiefe poröse Sandsteinformation gepumpt. Vattenfall wollte sein CCS-Abgas in der Altmark in ausgegasten Erdgaslagerstätten verpressen, RWE eine Rohrleitung nach Schleswig-Holstein bauen.

Umweltorganisationen halten die CCS-Technologie für ein Feigenblatt der Stromkonzerne, um den Bau neuer Kohlekraftwerke zu rechtfertigen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht absehbar, ob die Technologie sich jemals als sicher und bezahlbar erweisen wird. Es ist noch völlig unklar, ob eine sichere CO2-Endlagerung tatsächlich für viele Jahrtausende garantiert werden kann. Gestritten wird auch darum, wer für eventuelle Leckagen haftet. Die Energiekonzerne erklären zwar, die Technologie könne sicher gemacht werden, wollen aber nicht haften. 

Nach umfangreichen Bürgerprotesten in mehreren norddeutschen Bundesländern trat in Deutschland im August 2012 ein CCS-Gesetz in Kraft, das den Bundesländern die Möglichkeit gibt, CCS auf ihrem Territorium zu verbieten. Mehrere Bundesländer haben bereits davon Gebrauch gemacht. In Österreich ist CCS gänzlich verboten. 

Wikipedia: CO2-Abscheidung und -Speicherung

Clean Development Mechanism (CDM)

Der Clean Development Mechanism (CDM) – übersetzt Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung – ist ein Instrument unter dem Dach des ---> Kyoto-Protokolls. Industriestaaten können damit Projekte zur Treibhausgasreduktion in Entwicklungsländern finanzieren und sich die Reduktion als eigene Reduktion gutschreiben lassen.

CDM soll dabei helfen, die Kosten zum Erreichen der vertraglich festgelegten Reduktionsziele möglichst niedrig zu halten. Investoren aus den Industriestaaten können damit Maßnahmen in Entwicklungsländern finanzieren und sogenannte CER-Zertifikate generieren, um eigene Klimaschäden auszugleichen, statt sie im eigenen Land vermeiden zu müssen. Ein Land, das im --> Anhang B des Kyoto-Protokolls aufgeführt ist, kann bei einem Land, welches dort nicht aufgeführt ist, certified emission reductions (CERs) einkaufen.

CDM-Projekte müssen beim UN-Klimasekretariat in Bonn angemeldet und genehmigt werden. Zwei Prozent des Investitionsvolumens muss in den
--> Anpassungsfonds des Kyoto-Protokolls abgeführt werden, zwei Prozent entstehen als Bearbeitungsgebühr und werden an das Klimasekretariat abgeführt.

Die Reduktionsleistung eines CDM-Projekts ist immer hypothetisch, da die tatsächlichen Emissionen des Projekts mit einem Referenzszenario (Baseline-Szenario) verglichen werden, das besagt, wie viele Emissionen ohne das Projekt ausgestoßen worden wären. Somit werden im CDM-Handel hypothetische Einsparungen gegen reale Emissionen gehandelt. Jedes CDM-Projekt, das überbewertet oder nicht additionell (zusätzliche Treibhausgase einsparend) ist – Schätzungen des WWF gehen von 20 Prozent aus –, bedeutet Mehremissionen. 

Zudem bieten CDM-Projekte paradoxe Anreize. Um möglichst viele CERs verkaufen zu können, ist es vorteilhaft, wenn das Referenzszenario möglichst emissionsintensiv ist. Ein Staat, dessen Volkswirtschaft an CDM-Projekten verdient, ist deshalb unter Umständen motiviert, auf strengere Umweltvorschriften zu verzichten, da diese das Referenzszenario zu Ungunsten der CDM-Projekte verändern würden.

Ein weiteres Problem ist die teure Validierung und Registrierung als CDM-Projekt. Da dies nur für Projekte mit Einsparungen ab etwa 15.000 Tonnen CO2-Äquivalenten wirtschaftlich ist, dominieren nach UN-Angaben Großprojekte. Dies geht insgesamt zum Nachteil möglicher Nachhaltigkeitseffekte, die eher durch eine Vielzahl von Kleinprojekten bewirkt würden.

Ein ähnliches Instrument wie der CDM ist --> Joint Implementation – nur dass dort Annex-B-Staaten untereinander kooperieren und nicht wie beim CDM mit Entwicklungsländern.

 
Wikipedia: Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung

CMP – Meeting of the Parties

Einmal im Jahr, zeitgleich zur UNFCCC Conference of Parties (COP), beratschlagen sich die Länder, die das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben (Members of Protocol, MOP). Diese Konferenz nennt sich CMP, Conference of the Parties Serving as the Meeting of the Parties, und fand das erste Mal im Jahr 2005 statt. Der UN-Klimagipfel im Dezember 2009 vereinte daher die COP 15 – die 15. Vertraagsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention, die 1994 in Kraft trat – und die CMP/MOP5. Länder, die das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichneten, wie die USA, Irak, Somalia und Afghanistan, können auf dieser Konferenz als Beobachter teilnehmen, haben aber kein Stimmrecht.

COP

Eine Conference of Parties, abgekürzt COP, ist eine Vertragsstaatenkonferenz der --> Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. In den Medien wird sie meist UN-Klimakonferenz oder Klimagipfel genannt. Ihr Ziel ist die weltweite Reduzierung von
--> Treibhausgas-Emissionen

Parallel zu den COPs finden seit 2005 die sogenannten -->MOPs statt, die Treffen der Kyoto-Staaten. 

Anmerkung: Auch zur Biodiversitäts- und zur Wüstenkonvention gibt es COPs.

 
Die Klimakonferenzen seit 1992 
(ab 2007 mit ausführlichen klimaretter.info-Dossiers) 

COP 21 – 2015 in Paris (Frankreich)
COP 20 – 2014 in Lima (Peru)
COP 19 – 2013 in Warschau (Polen)
COP 18 – 2012 in Doha (Katar)
COP 17 – 2011 in Durban (Südafrika)
COP 16 – 2010 in Cancún (Mexiko)
COP 15 – 2009 in Kopenhagen (Dänemark)
COP 14 – 2008 in Posen (Polen)
COP 13 – 2007 auf Bali (Indonesien)

COP 12 – 2006 in Nairobi (Kenia)
Gespräche über die Nachfolge des Kyoto-Protokolls, Einrichtung eins Fonds zur Unterstützung der Entwicklungsländer 

COP 11 – 2005 in Montreal (Kanada)
Fortschreibung des Kyoto-Protokolls über 2012 hinaus, Verhandlung neuer Grenzwerte für Treibhausgas-Emissionen 

COP 10 – 2004 in Buenos Aires (Brasilien)
Gespräche über Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen, Anpassung an die Folgen des Klimawandels 

COP 9 – 2003 in Mailand (Italien)
Bestandsaufnahme zum internationalen Klimaschutz. Übereinkunft über den --> Clean Development Mechanism (CDM)

COP 8 – 2002 in Neu Delhi (Indien)
Aufforderung an die Industriestaaten zum --> Technologietransfer in die Entwicklungsländer 

COP 7 – 2001 in Marrakesch (Marokko)
Entscheidung zu Ausgestaltung und Umsetzung des Kyoto-Protokolls. Festlegung der Basis für eine internationale Ratifizierung 

COP 6 – 2000 in Den Haag (Niederlande)
Verhandlungen scheitern und werden ausgesetzt. Fortsetzung 2001 in Bonn. Einigung über Ausgestaltung des Kyoto-Protokolls

COP 5 – 1999 in Bonn (Deutschland)
Technisches Treffen

COP 4 – 1998 in Buenos Aires (Argentinien)
Weiterbearbeitung der unerledigten Fragen von Kyoto

COP 3 – 1997 in Kyoto (Japan)
--> Kyoto-Protokoll wird beschlossen

COP 2 – 1996 in  Genf (Schweiz)
USA erkennen den --> IPCC-Bericht an, lehnen aber verbindliche Klimaschutzvereinbarungen ab

COP 1 – 1995 in Berlin (Deutschland)
"Berliner Mandat" ist Basis für Verhandlungen über ein Protkoll zur Reduktion von Treibhausgasemissionen

Erdgipfel – 1992 in Rio de Janeiro (Brasilien) 
Agenda 21, internationale --> Klimarahmenkonvention (tritt 1994 in Kraft, bildet den Rahmen für alle Klimaschutzverhandlungen)

 
Wikipedia: UN-Klimakonferenz
Wikipedia: United Nations Climate Change conference (engl.)

Copenhagen Accord

Der Copenhagen Accord – übersetzt: "die Übereinkunft von Kopenhagen" – ist das Abschlussdokument der Klimakonferenz 2009, auf das sich die Staaten der Welt in der dänischen Hauptstadt einigen konnten. Erstmals wird darin die wissenschaftliche Meinung anerkannt, dass eine "gefährliche menschengemachte Störung des Klimasystems" nur verhindert werden kann, wenn die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius Globaltemperatur begrenzt wird (--> Zwei-Grad-Ziel). Dafür seien "tiefe Einschnitte" in den Treibhausgas-Ausstoß aller Länder notwendig – und ab hier bleibt der "Copenhagen Accord" schwammig:

Erstens konnten sich die Verhandler auf keine Reduktionsziele für die einzelnen Staaten einigen. Konstruiert wurden lediglich sogenannte "Pledges" – Zusagen, die jeder Staat freiwillig dem --> UN-Klimasekretariat als sein völkerrechtlich bindendes Reduktionsziel melden kann.

Zweitens wurde der "Copenhagen Accord" gar nicht beschlossen, sondern von der Klimakonferenz lediglich "zur Kenntnis" genommen: Für einen UN-Beschluss auf einer Klimakonferenz müssen alle Vertragsparteien zustimmen. Weil aber einige kleine Inselstaaten befürchten, dass zwei Grad Celsius Temperaturanstieg ihren sicheren Untergang bedeuten, stimmten sie dagegen – das Dokument ist also nicht völkerrechtlich bindend.

So blieben auch die Finanzzusagen für die ärmeren Länder ohne völkerrechtliche Relevanz. Der "Copenhagen Accord" erklärt lediglich, dass die Vertragsparteien sich einig sind, dass die Industriestaaten verlässliche und dauerhafte Finanzhilfe leisten müssen. Für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels sollen 2010 bis 2012 jährlich 30 Milliarden US-Dollar aufgebracht werden, diese Summe steigt bis 2020 auf 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Auch wie das Geld verteilt wird, steht im "Copenhagen Accord": durch einen neu zu gründenden "Copenhagen Green Climate Fund". Nicht geklärt aber wurde, wie Geld in diesen Fonds hineinkommt.

Wikipedia: Copenhagen Accord

Emissionshandel

Der Emissionshandel (eigentlich: Handel mit Zertifikaten, die zum Ausstoß einer bestimmten Menge eines Schadstoffes berechtigen, hier: von einer Tonne Kohlendioxid) ist ein Instrument der Klimapolitik. Der Emissionshandel vereinigt staatliche Eingriffe und marktwirtschaftliche Instrumente: Zunächst wird eine Gesamtmenge an Kohlendioxid, die von allen Teilnehmern des Handelssystem gemeinsam ausgestoßen werden darf, politisch festgelegt. Dann können die einzelnen Teilnehmer, in der Regel Unternehmen, die Zertifikate frei nach Marktregeln untereinander kaufen und verkaufen.

Seit 2005 existiert mit dem Europäischen Emissionshandelssystem (Emission Trade System, ETS) das weltweit erste multinationale System für den Emissionshandel. Das ETS gilt für Energie- und Industrieunternehmen. 

Das Grundprinzip: Wenn ein Unternehmen Kohlendioxid in die Atmosphäre emittieren will, muss es das Recht dazu besitzen. Diese "Emissionsrechte" werden in Form von Zertifikaten verteilt – für jede erlaubte Tonne Kohlendioxid gibt es ein Zertifikat. In Gedanken wurde also die Erdatmosphäre in kleine Stückchen aufgeteilt, und man braucht eine Urkunde, damit man auf jeweils einem Stückchen seinen "Kohlendioxid-Müll abladen" darf.

Die EU-Kommission, so die Idee, legt fortan Jahr für Jahr fest, wie viel Treibhausgas in die Atmosphäre entlassen werden darf. Jahr für Jahr wird dann die Gesamtmenge der ausgegebenen Zertifikate verringert und so nach und nach die Atmosphäre entlastet. Der marktwirtschaftliche Dreh am System: Die Unternehmen dürfen ihre Zertifikate untereinander tauschen. Wenn ein Unternehmen mehr Kohlendioxid ausstoßen will, als es Zertifikate abbekommen hat, kann es die Emissionsrechte von anderen Firmen abkaufen.

Das System geht zurück auf Ideen des Chicagoer Ökonomen Ronald Coase: Wenn schon externe Kosten (für die Nutzung der Atmosphäre als "Müllkippe" für Kohlendioxid) in den Wirtschaftskreislauf internalisiert werden müssen, dann sei das effizienteste Instrument dafür ein eigener Marktplatz. Der Staat solle zwar den Rahmen des Handelssystems vorgeben, den Rest dann aber wieder der Wirtschaft überlassen. In der Praxis heißt das, dass die EU Zertifikate für das bislang freie Umweltgut verteilt. Den Wert dieser Zertifikate aber bestimmt der Markt. Somit legt nicht der Staat fest, wie viel Geld ein Unternehmen für das Recht auf Verschmutzung der Atmosphäre letztlich zu zahlen hat – wie etwa bei einer Kohlendioxidsteuer – sondern das erledigt das Spiel von Angebot und Nachfrage an den Börsen, wo die Zertifikate gehandelt werden. Erstmals in der Menschheitsgeschichte bekam Kohlendioxid durch den EU-Emissionshandel einen Preis.

Soweit die Theorie.

Die konkrete Ausgestaltung ist jedoch höchst mangelhaft. Zum Start des Emissionshandels 2005 hatte sich der Staat in Gestalt der EU-Kommission von den Lobbyisten der Wirtschaft überreden lassen, sehr viele Zertifikate zu verteilen – viel zu viele. Die deutsche Wirtschaft zum Beispiel bekam mehr Verschmutzungsrechte zugeteilt, als sie überhaupt Kohlendioxid erzeugte. Deshalb rauschte der Börsenpreis für die Zertifikate auch alsbald in den Keller – sie sind heute an der Leipziger Strombörse schon für wenige Cent zu haben.

So geriet der Emissionshandel zur größten Gelddruckmaschine für die Wirtschaft in Europas jüngerer Geschichte. Der Staat nämlich – man mag es kaum glauben, wenn man es das erste Mal hört – verschenkte die Zertifikate beim Start des Handelssystem an die Industrie, statt wie vorgesehen wenigstens einen Teil davon zu versteigern. Experten und Umweltschützer hatten davor gewarnt, aber die Wirtschaftslobbyisten, die wie immer vor neuen finanziellen Belastungen für die Unternehmen warnten, waren stärker gewesen. Umgehend preiste die Industrie die Zertifikate in ihre Produkte ein: Strom, Glas, Rohaluminium – alles wurde um den rechnerischen Preis der für die Herstellung notwendigen Kohlendioxidmenge teurer. Ohne auch nur eine Kilowattstunde Strom, eine Tonne Glas, ein Kilogramm Aluminium mehr zu produzieren konnten die Konzerne so stolze Gewinnsprünge verbuchen. Zur Freude der Aktionäre. Natürlich wurde dabei auch keine einzige Tonne Kohlendioxid eingespart.

Einen lesenswerten Kommentar dazu bietet Le Monde diplomatique

Auf der Seite des WWF Deutschland gibt es einen Einführungstext und aktuelle Informationen zum Emissionshandel.  

Die schwedische Dag Hammarskjöld Foundation hat mit "Carbon Trading – How it works and why it fails" einen kritischen Reader zum Thema veröffentlicht (englisch, kostenlos als PDF-Dokument herunterladbar).

ENGOs

ENGOs ist der Welt-Klima-Diplomatie eine Abkürzung für environmental non-governmental organisations – Umweltorganisationen, die bei den Vereinten Nationen einen Beobachterstatus für die UN-Klimaverhandlungen beantragt haben. Aus Deutschland nehmen neben Germanwatch, WWF, Greenpeace, BUND oder Nabu auch regelmäßig Entwicklungsorganisationen wie Oxfam, Brot für die Welt oder Care an den Klimagipfeln teil.

Die ENGOs unterhalten auf den Klimagipfeln jeweils ein eigenes Hauptquartier, wo sie ihre Aktionen verzahnen, Wissen austauschen und Bürodienstleistungen anbieten. Auch gibt es Partnerschaften zwischen Nord- und Süd-ENGOs sowie ein eigenes Magazin, das die ENGOs auf den Klimakonferenzen publizieren.

Neben den ENGOS gibt es auf den --> Klimakonferenzen auch die Interessengruppen der

BINGOs (business and industry non-governmental organisations), die Lobbyisten der Industrie,

TUNGOs (trade union non-governmental organisations), Abgesandte von Gewerkschaften,

RINGOs (research and independent non-governmental organisations), Wissenschaftler, und schließlich die

YOUNGOs (youth non-governmental organisations), Vertreter von Jugendorganisationen. Beim Klimagipfel 2009 in Kopenhagen erhielt die Jugend zum erste Mal bei den UN einen offiziellen Beobachterstatus als "Jugend-Nichtregierungsorganisation" erhalten.

Environmental Integrity Group (EIG)

Die Environmental Integrity Group (EIG) ist eine informelle Ländergruppe von fünf Staaten in den internationalen Klimaverhandlungen: Mexiko, Südkorea, Schweiz, Liechtenstein und Monaco.

Die Gruppe wurde im Jahr 2000 in Lyon auf Initiative der Schweiz gegründet. Es ist die einzige Gruppe in den Verhandlungen, die sich aus
--> Annex-I-Staaten und Nicht-Annex-Staaten – vereinfacht gesagt: Industrie- und Entwicklungsländern – zusammensetzt. Während die Schweiz als Annex-I-Staat Verpflichtungen zur Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes im Rahmen des --> Kyoto-Protokolls übernommen hat, sind Südkorea und Mexiko zwar wirtschaftlich relativ entwickelte OECD-Staaten, müssen aber keine derartigen Klimaziele erfüllen. Hintergrund der EIG-Gründung war das Bestreben, den Schwellenländern mehr Verantwortung beim Klimaschutz zu geben. Die Gruppe erarbeitet gemeinsame Positionen und speist diese in den Verhandlungsprozess ein. 

Dokumente der EIG

Erdbeben

Erdbeben haben entgegen manchen Spekulationen nichts mit Klimaveränderung zu tun. Die schweren, zerstörerischen ihrer Art sind ohne Ausnahme Ergebnis der ständigen Verschiebung der Platten der Erdkruste. Leichte Erdbeben können auch durch Stauseen ausgelöst werden, was in Indien und anderswo bereits mehrfach beobachtet wurde. Wenn der Meeresspiegel steigt, vergrößert sich dadurch in den Küstenmeeren die Auflast auf den Kontinentalrändern. Dadurch könnten eventuell kleine Beben ausgelöst werden, die allerdings höchstens dann gefährlich werden würden, wenn sie unterseeische Lawinen an den Kontinentalabhängen verursachen. Die wiederum könnten zu Auslösern von --> Tsu­namis werden.

FCKW

Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) sind eine umfangreiche chemische Gruppe niedermolekularer organischer Verbindungen, die früher als Kältemittel eingesetzt wurden. Als anthropogenes --> Treibhausgas trägt es zu 11,2 Prozent zur Erderwärmung bei. Zwar werden die FCKW kaum noch hergestellt, aber sie sind sehr langlebig – je nach Produkt zwischen 44 und 180 Jahren.

Der Wissenschaftler Paul J. Crutzen entdeckte in den 80er Jahren die Schädigung der Ozonschicht durch FCKW, die erste große Schädigung der Erdatmosphäre. Dafür wurde ihm der Nobelpreis zuerkannt. Im Montreal-Protokoll verpflichteten sich 1987 viele Staaten zur drastischen Reduktion der Herstellung von FCKW, seit dem Jahr 2000 ist die Herstellung in den meisten Ländern verboten.

Anders als bei anderen Treibhausgasen gibt es zu FCKW chemische Alternativen, beispielsweise zu verflüssigende Alkangemische.

Wikipedia: Fluorchlorkohlenwasserstoffe

Flüssigerdgas

Flüssigerdgas, engl. liquefied natural gas, Abkürzung: LNG, ist Erdgas, das auf 164 Grad Celsius abgekühlt wird, was eine Aggregatzustands-Änderung von gasförmig zu flüssig zur Folge hat. Der Vorteil:  LNG hat nur noch ein Sechshundertstel des Volumens von Erdgas in Gasform. Dadurch wird der Transport von Erdgas per Schiff attraktiv: Pipelines sind teure Investitionen und zu ihrem Bau sind geopolitisch stabile Rahmenbedingungen Voraussetzung. Im Jahr 2004 wurden 26 Prozent der Erdgas-Transporte weltweit in Form von Flüssigerdgas durchgeführt, 2009 waren es schon 28 Prozent.

Wikipedia: Flüssigerdgas

Fracking

Hydraulic Fracturing oder kurz Fracking ist ein Verfahren, mit dem 
--> unkonventionelles Gas gefördert wird, das nicht durch einfaches Anbohren der Vorräte an die Oberfläche befördert werden kann. Unkonventionelles Gas ist in den Gesteins-Poren tiefer geologischer Schichten gespeichert. Um das Gestein aufzubrechen, werden Sand, Chemikalien und große Mengen Wasser unter hohem Druck in den Boden gepresst. Durch die hierbei entstehenden Risse im Gestein steigt das Gas an die Oberfläche und wird dort aufgefangen.

Fracking wird schon seit den 1940er Jahren durchgeführt. Erst mit neuen Fördertechnologien jedoch ist die Anwendung des Verfahrens in den vergangenen zwei Jahrzehnten im großen Stil rentabel geworden. Auch bei der Förderung von Kohleflözgas und Gas aus dichtem Sand- oder Kalkstein (Tight Gas) wird auf Fracking gesetzt.

Experten warnen vor schwerwiegenden Umweltschäden durch Fracking, vor allem vor einer Kontamination des Grundwassers durch die eingesetzten Chemikalien sowie vor der Treibhauswirkung des bei der Förderung entweichenden --> Methans

Wikipedia: Hydraulic Fracturing

Green Climate Fund

Die UN-Klimakonferenz --> COP 16 im mexikanischen Cancún beschloss 2010 die Gründung eines neuen Fonds im Rahmen der --> Klimakonvention UNFCCC, der Entwicklungsländer bei Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen sowie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen soll. Der Name: Green Climate Fund

Die Industriestaaten haben prinzipiell zugesagt, Mittel für den Grünen Klimafonds zur Verfügung zu stellen. Die Zahlungen sollen nach und nach anwachsen, ab 2020 sollen dann 100 Milliarden US-Dollar im Jahr fließen. So hatten es die Staaten 2009 im --> Copenhagen Accord vereinbart. Um die Details wird aber immer wieder gerungen.

Sitz des Green Climate Fund ist Songdo, ein Stadtteil der südkoreanischen Hafenstadt Incheon. Der Fonds wird von einem 24-köpfigen Direktorium unter der tunesischen Finanzökonomin Hela Cheikhrouhou geleitet.

Homepage des Green Climate Fund

Wikipedia: Green Climate Fund

Heiße Luft

Durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ostblocks Anfang der 1990er Jahre stoßen die ehemals sozialistischen Staaten heute viel weniger Treibhausgase aus, als sie es nach ihren Verpflichtungen aus dem --> Kyoto-Protokoll dürften. Nach dem Protokoll müssen sie ihren --> Treibhausgas-Ausstoß lediglich auf dem Niveau von 1990 halten, ihre Emissionen sind aber seitdem enorm gesunken – ohne eine einzige Klimaschutzmaßnahme. Die Ukraine zum Beispiel hat ihren Klimaschutz-Plan weit übererfüllt, weil sie heute mehr als 50 Prozent weniger Treibhausgase produziert als 1990. Diese Differenz wird im Klimakonferenz-Jargon "Heiße Luft" (englisch: hot air) genannt.

Auch andere Staaten bleiben mit ihrem Treibhausgas-Ausstoß weit unter den in Kyoto festgesetzten Zielwerten. Polen lag 2007 trotz verpasster Energiewende 24 Prozent unter dem Niveau von 1990, Russland um 35 Prozent, Tschechien 8,5 Prozent, Rumänien 37 Prozent. Bei allen Staaten ist die teilweise Deindustrialisierung in den 1990er Jahren der Grund.

Auch die Bundesrepublik konnte durch die Wiedervereinigung ihre Treibhausgasbilanz deutlich aufbessern – etwa 40 Prozent der deutschen Treibhausgas-Reduktion gehen auf den Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft.

Experten beziffern die gesamte "Heiße Luft" auf zehn Milliarden Tonnen Kohlendioxid, knapp ein Drittel des jährlich weltweit produzierten Klimagifts.

Die ehemals sozialistischen Staaten profitieren von der "heißen Luft" und verkaufen die Treibhausgas-"Einsparungen", die ja keine sind, in Form von --> Emissionszertifikaten an andere Staaten, die ihren CO2-Ausstoß auf dem Papier nach unten korrigieren wollen. 2009 zum Beispiel verkaufte die Ukraine CO2-Emissionszertifikate für 30 Millionen Tonnen eingespartes Kohlendioxid an Japan, das damit seine Klimaschuld für einen Preis von 300 Millionen Euro um einen Teil reduzierte. Allerdings stoppte das --> Weltklimasekretariat im Oktober 2011 den Verkauf – das Klimasekretariat muss jedem einzelnen Deal zustimmen.

HFC-Gase, FKW, F-Gase

HFC-Gase – auch Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) oder fluorierte Gase (F-Gase) genannt – sind Gasverbindungen, die besonders klimaschädlich sind. So wirkt etwa das Gas Fluroform (HFC-23) ungefähr 15.000-mal so stark wie --> Kohlendioxid in der Atmosphäre. Fluorkohlenwasserstoffe entstehen bei bestimmten chemischen Prozessen, etwa bei der Produktion von Teflon. Auch kommen sie als Kühlmittel in Klimaanlagen zum Einsatz.

Im Zusammenhang mit Fluorkohlenwasserstoffen sind in der Vergangenheit zahlreiche Betrugsfälle durch sogenannte CDM-Zertifikate und im europäischen Emissionshandel bekannt geworden.

Wikipedia: Fluorkohlenwasserstoffe

Hurrikan

Hurrikane sind --> tropische Wirbelstürme, die hauptsächlich im mittelamerikanischen Teil des Atlantiks entstehen. 

Bisherige Beiträge zu Hurrikans siehe unten

Wikipedia: Hurrikan

ILUC – Indirect Land Use Change

ILUC steht für Indirect Land Use Change – indirekte Landnutzungsänderungen. Von ILUC wird gesprochen, wenn Pflanzen für 
--> Agro-Kraftstoffe zwar auf Flächen angebaut werden, die als nachhaltig zertifiziert sind, dabei aber den Anbau von Nahrungspflanzen auf Wald- oder Brachflächen verdrängen. Bei der Umwandlung dieser natürlichen Lebensräume in Ackerland entstehen --> Treibhausgasemissionen, die bisher nicht in die Klimabilanz der Kraftstoffe einfließen – trotz Nachhaltigkeitszertifikat.

Über Ausmaß und Wirkung indirekter Landnutzungsänderungen wird bei staatlichen und nichtstaatlichen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen intensiv diskutiert. Die EU-Kommission hat ein Regelwerk zur Kontrolle von ILUC beim Energiepflanzenanbau um mehrere Jahre aufgeschoben, da die wissenschaftlichen Unsicherheiten zu groß seien.

Siehe auch: --> LULUCF – Land Use, Land-Use Change and Forestry

Umweltinstitut München:
Direkte und indirekte Landnutzungsänderungen

INDC

Die Intended Nationally Determined Contributions (INDCs), die "angestrebten nationalen Beiträge", sind Ziele von Staaten zur Treibhausgas-Emissionsminderung, die in der internationalen Klimadiplomatie eine Hauptrolle spielen. Im Gegensatz zu vertraglich per Beschluss einer --> COP festgelegten Klimaschutzvorgaben bestimmen die Länder ihre INDCs selbst und melden sie dem UN-Klimasekretariat. Dieses prüft die Anzeigen und ermittelt den Gesamtklimanutzen. Die Hoffnung: Wenn die Ziele nicht "von oben herab" verordnet, sondern als Selbstverpflichtung veröffentlicht werden, stoßen sie auf weniger Widerstand.

Zu einer INDC-Meldung gehören neben dem Klimaziel selbst auch die Rahmenbedingungen in den Ländern. Anzugeben ist etwa, wie das Ziel in das nationale Recht eingepasst werden soll und warum das Einsparziel für den Staat den gerechten Anteil am globalen Klimaschutz darstellt.

Wie ambitioniert die INDCs sind, ist nicht leicht festzustellen. Die Ziele können sehr verschieden aufgebaut und somit schwer vergleichbar sein. Das hat verschiedene Gründe:

  • Die Staaten benennen unterschiedliche Basisjahre als Bezugszeitpunkt, zu dem sie ihre Emissionen begrenzen oder reduzieren wollen. Während einige Länder das Jahr 1990 nennen, haben andere zum Beispiel das Jahr 2005 gewählt. In der Regel ist der nationale Treibhausgasausstoß in diesem Zeitraum gestiegen, so dass zum Beispiel eine Reduktion des Treibhausgasausstoßes um 20 Prozent gegenüber 2005 in der Summe sehr viel geringer ist als gegenüber 1990.

  • Nicht alle Staaten formulieren absolute Minderungsziele (zum Beispiel eine Minderung des Treibhausgasausstoßes um 40 Prozent bis 2030 gegenüber 1990). Einige wollen ihren Ausstoß auch um einen bestimmten Prozentsatz gegenüber einem Weiter-so-Szenario ohne zusätzlichen Klimaschutz reduzieren. Andere nennen ein Ziel, wie viel weniger Treibhausgase künftig pro Einheit des Bruttoinlandsproduktes ausgestoßen werden sollen. Das kann bedeuten, dass ihr Treibhausgasausstoß künftig steigt, weil das Wirtschaftswachstum die Einsparungen wieder zunichte macht.

  • Wieder andere Staaten benennen einen Zeitpunkt, ab dem die Emissionen nicht weiter steigen sollen, ohne zu sagen, in welchem Umfang der Treibhausgasausstoß bis dahin noch wachsen wird.

--> Liste der eingereichten INDCs beim UN-Klimasekretariat

IPCC

Intergovernmental Panel on Climate Change (Zwischenstaatlicher Ausschuss für den Klimawandel) ist der Name eines internationalen Wissenschaftlergremiumn mit Sitz in Genf, das die Aufgabe hat, den Kenntnisstand der internationalen Klimaforschung zusammenzutragen und dem Verhandlungsprozess auf UN-Ebene zur Verfügung zu stellen.

2007 hat das IPCC in drei Schritten den vierten umfassenden Bericht vorgelegt, an dem rund 2.500 Autoren mitgewirkt haben. Weil die meisten Staaten Mitglied im IPCC sind, haben die Regierungen ein Mitspracherecht bei der Formulierung der Berichte. Auf der einen Seite macht das den Editionsprozess zäh und verschafft konservativen Staaten die Möglichkeit zu intervenieren, wenn es ihnen zu kritisch wird. Auf der anderen Seite verleiht dieses Verfahren den trotz allem eindringlichen Warnungen des IPCC besonderes Gewicht und zwingt zu besonderer wissenschaftlicher Sorgfalt. 

Zeittafel

1990 erscheint der erste Bericht, der das Problem des Treibhauseffektes erstmals benennt. 

Der Umweltgipfel der UN 1992 von Rio de Janeiro beschließt auf der Grundlage des IPCC-Berichtes eine globale --> Klimarahmenkonvention, die 1994 in Kraft tritt. Dieser erste internationale Vertrag, der den Klimawandel als ernstes Problem bezeichnet, bildet den Rahmen für die Klimaschutzverhandlungen, die ab 1995 jährlich mit Weltklimagipfeln stattfinden. 

1995: Der zweite IPCC-Bericht erscheint. Nach diesem steigen die Temperaturen bis Ende des 21. Jahrhunderts um 1,4 bis 5,8 Grad Celsius im weltweiten Durchschnitt. "Die Bilanz der Hinweise legt einen erkennbaren menschlichen Einfluss auf das weltweite Klima nahe." 

Bei der dritten UN-Klimakonferenz 1995 in Kyoto werden erstmals rechtlich verbindliche Ziele für die Emissionshöchstmengen der Industrieländer im "Kyoto-Protokoll" festgelegt. Die Verhandlungen, wie das Protokoll funktionieren soll, ziehen sich vier Jahre hin. 

2001: Der dritte IPCC Bericht erscheint mit der Prognose: Die Temperaturen werden um zwei bis 4,5 Grad Celsius steigen. 

2001 gelingt es im marokkanischen Marrakesch endlich, das Kyoto-Protokoll auszugestalten. Vom --> Clean Development Mechanism (Industriestaaten oder hiesige Unternehmen bezahlen für Umweltprojekte in Entwicklungsländern und können den Klimanutzen für sich selbst anrechnen lassen) bis zur Berechnung der Klimawirkung von Wald – jetzt ist klar, auf welche Weise die Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen bis 2012 im Vergleich zu 1990 um 5,2 Prozent zu senken haben. Das Protokoll ist unterschriftsreif. 

2004: Die erste Weltkonferenz für erneuerbare Energien in Bonn versucht, wirtschaftliche Impulse für den Klimaschutz zu schaffen – ohne durchschlagenden Erfolg. Im selben Jahr ratifiziert die russische Duma in Moskau nach zähen Verhandlungsjahren das Kyoto-Protokoll. Damit haben so viele Länder unterschrieben, wie laut Vertrag notwendig sind – am 16. Februar 2005 tritt es endlich in Kraft. Die Parlamente der USA und Australiens lehnen den Vertrag ab.

2005: Auf der jährlichen Klimakonferenz, diesmal in Montreal, wird verhandelt, wie man für die Zeit nach Ablauf des Kyoto-Protokolls 2012 verhandeln soll. Aber auch die zwölfte Weltklimakonferenz 2006 in Nairobi bringt keine Fortschritte in dieser Frage. 

2007: Im Februar stellt der IPCC in Paris seinen vierten Bericht über die Folgen des Klimawandels vor. Der Kernsatz: "Die Erwärmung des klimatischen Systems ist unzweifelhaft." Und: Sie ist "das Resultat menschlicher Aktivitäten seit 1750". Das wird heute kein seriöser Wissenschaftler mehr infrage stellen (Lobbyisten und Verschwörungstheoretiker tun es trotzdem), aber natürlich sind weiterhin eine Reihe von Detailfragen offen.

Im April veröffentlichen die IPCC-Experten in Brüssel den zweiten Teil ihres "4. Sachstandsberichts", der sich sich auf die regionalen Folgen des Klimawandels konzentriert, unter anderem in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft und Wasservorkommen. Im Mai erscheint der dritte Teil, der Handlungsoptionen für die Politik aufzeigt. 

Im Oktober erhält der IPCC (zusammen mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore) den Friedensnobelpreis.

Alle Berichte des IPCC gibt es kostenlos und in mehreren Sprachen auf der Internetseite www.ipcc.ch

 
klimaretter.info
: 10 Fragen zum IPCC
 

Wikipedia: Intergovernmental Panel on Climate Change

Joint Implementation

Joint Implementation (JI) oder Gemeinschaftsreduktion ist ein im
--> Kyoto-Protokoll verankerter flexibler Mechanismus zu Reduktion von Treibhausgasen. Industriestaaten, die im Annex B des Kyoto-Protokolls gelistet sind und sich somit verpflichtet haben, zwischen 2008 und 2012 ihre Emissionen zu senken, können im Rahmen der Joint Implementation Reduktionsprojekte im Ausland unterstützen. Das betrifft auch Unternehmen, die in den jeweiligen Staaten beheimatet sind. Die erzielten Einsparungen werden dem Investorland in Form von "Emission Reduction Units" (ERU) gutgeschrieben, die angerechnet werden können, um die eigenen Ziele laut dem Kyoto-Protokoll zu erreichen.

Das Prinzip ist ähnlich dem --> Clean Development Mechanism (CDM) – nur dass im CDM Annex-B-Staaten mit Entwicklungsländern zusammenarbeiten und bei Joint Implementation Annex-B-Staaten untereinander. Zudem sind die internationalen Kontrollmechanismen bei Joint-Implementation-Projekten noch weniger wirksam als beim CDM.

Wikipedia: Joint Implementation

JUSSCANNZ

JUSSCANNZ oder auch JUSCANZ ist eine informelle Ländergruppe von industrialisierten Staaten außerhalb der Europäischen Union. Die Abkürzung steht für die Gründungsmitglieder Japan, USA, Schweiz, Kanada, Australien, Norwegen und Neuseeland. Die Länder dieser Gruppe haben in den 1990er Jahren bei den Verhandlungen zum --> Kyoto-Protokoll gemeinsam eine Reihe von Klimavereinbarungen blockiert und gelten als Bremser des internationalen Klimaschutzes.

Mittlerweile hat sich die Gruppe um einige Länder erweitert und nennt sich --> Umbrella Group. Die Schweiz hat dagegen die JUSSCANNZ-Gruppe verlassen und die --> Environmental Integrity Group gebildet.

Wikipedia: JUSSCANNZ

Kipp-Elemente

Das Klimasystem auf der Erde ist sehr komplex und geprägt durch viele sich gegenseitig beeinflussende Prozesse. Globale und lokale Windsysteme sind von Luft- und Wassertemperaturen abhängig. Davon hängen wiederum die Niederschläge in der ganzen Welt ab. Das Eis an den Polen steuert auch das Wetter im Rest der Welt. Wenn Teile dieser Systeme durch menschliche Einflüsse stark verändert werden, kann es sein, dass sie nicht mehr funktionieren – sie kippen. Und zwar irreversibel. Daher nennt man sie Kipp-Elemente (vom englischen "tipping elements", oder auch "tipping points").

Wenn ein solches Kipp-Element umgekippt ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass dadurch das ein anderes wichtiges Element des Klimasystems negativ beeinflusst wird. Einige Kippelemente können einen sich selbst beschleunigenden Klimawandel in Gang setzen, der dann nicht mehr rückgängig zu machen wäre. Wegen der vielschichtigen Abhängigkeiten sind Prognosen über die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die äußert komplexen Zusammenhänge des Klimas schwer möglich. Der Vergleich mit dem Schmetterling, der einen Flügelschlag macht und weit entfernt damit einen Sturm auslöst, liegt nahe.

Die Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben neun potenzielle Kipp-Elemente benannt, die aus ihrer Sicht besondere Berücksichtigung bei der internationalen Klimapolitik finden sollten. Die Phänomene sind mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten behaftet, was deren Eintreffen und die Wirkweise betrifft:

  • Arktisches Meereis
  • Grönländischer Eisschild
  • Westantarktischer Eisschild
  • Boreale Wälder
  • Amazonas-Regenwald
  • El Niño und Südliche Oszillation (ENSO)
  • Sahara-/Sahel- und Westafrikanischer Monsun
  • Indischer Sommermonsun
  • Thermohaline Atlantikzirkulation

Arktisches Meereis

Durch die Klimaerwärmung schmilzt das in der Nordpolarregion auf dem Meer schwimmende Eis. Da die nun frei werdende Wasseroberfläche dunkel ist, erwärmt sie sich durch Sonneneinstrahlung schneller. Das fördert die globale Klimaerwärmung. Eine noch schnellere Eisschmelze im Sommer und das Ausbleiben der Eisbildung im Winter wären die Folgen. Die Kipp-Grenze wird zwischen 0,5 und 2 Grad Celsius angesetzt und könnte heute bereits überschritten sein. Ergebnisse von regelmäßig stattfindenden Eisvermessungen bestätigen, dass die Eismassen jetzt schon deutlich abgeschmolzen sind.

Grönländischer Eisschild

Die Erwärmung des Klimas fördert die Schmelze des Eises auf dem grönländischen Festland. Die frei werdende Landfläche ist dunkel und erwärmt sich daher wesentlich schneller, was wiederum Eisverlust beschleunigt. Der Meeresspiegel steigt. Als kritische Kipp-Grenze wird eine lokale Erwärmung von drei Grad Celsius vermutet. Schmilzt das gesamte Eis, steigt der Meeresspiegel um sieben Meter.

Westantarktischer Eisschild

Auch hier ist der Verlust von Eismasse gemessen worden. Wesentliches Abschmelzen tritt ab einer regionalen Erwärmung von fünf bis acht Grad Celsius im Sommer ein, vermuten die Forscher. Ein Anstieg des Meeresspiegels um fünf Meter ist zu vermuten.

Boreale Wälder

Diese Wälder wachsen in den nördlichen Breiten der Erde und sind an die langen und kalten Winter dieser Zonen angepasst. Erwärmt sich das Klima um drei bis fünf Grad, würden die Wälder in wenigen Jahrzehnten absterben, da längere und trockene Sommer dann Krankheiten verursachen. Wie die Wissenschaftler vermuten, bleiben die Winter jedoch sehr kalt. Die Verluste können daher vermutlich nicht durch Baumarten aus wärmeren Regionen ersetzt werden. Boreale Wälder sind wichtige Kohlenstoffspeicher und somit wichtig für das globale Klima.

Amazonas-Regenwald

Die globale Erwärmung und Entwaldung durch Raubbau verringern die Niederschläge in der Region um 30 Prozent. Experten meinen, dass bei einer Erwärmung von drei bis vier Grad Celsius die Trockenzeiten noch länger werden würden. Der Regenwald könnte sich nicht mehr erholen und binnen weniger Jahrzehnte absterben. Die Entwaldung durch den Menschen beschleunigt den Prozess deutlich.

El Niño und Südliche Oszillation (ENSO)

In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen werden die Wasserzirkulationsprozesse im Pazifik durch ungewöhnliche (aber vermutlich natürliche) Wasser- und Luftströmungen aus dem empfindlichen Gleichgewicht gebracht – man spricht vom El-Niño-Phänomen. Die Versorgung der Fischbestände mit Plankton wird damit gestört, was insbesondere Fischer an der südamerikanischen Küste zu spüren bekommen. Bei gleichbleibender Klimaerwärmung wird erwartet, dass dieser Effekt nicht häufiger, aber deutlich stärker auftreten wird.

Sahara-/Sahel- und Westafrikanischer Monsun

Die globale Erwärmung würde die tropischen Regenerscheinungen zunächst verstärken. Bei fortschreitender Erwärmung von drei bis fünf Grad Celsius könnten die Luftzirkulationen jedoch vollständig zusammenbrechen, prognostizieren einige Forscher. Der Regen bliebe aus, fortschreitende Trockenheit mit ausgeprägten Dürreperioden in der Region wären die Folge. Ein anderes Szenario geht von sich verstärkenden Niederschlägen aus, was Überschwemmungen zur Folge haben könnte.

Indischer Sommermonsun

Die Niederschläge in dieser Region könnten sich aufgrund der globalen Erwärmung deutlich erhöhen. Dem gegenüber stehen Luftverschmutzung und gesteigerte Landnutzung, die diesen Effekt dämpfen. Der Indische Sommermonsun könnte dadurch chaotische, unberechenbare Ausmaße annehmen.

Thermohaline Atlantikzirkulation

Der Kreislauf der atlantischen Meeresströmungen befindet sich in einem Gleichgewicht, das durch die Wassertemperatur und Salzkonzentration gesteuert wird. Beide Faktoren verändern die Dichte des Salzwassers – eine Eigenschaft, die auch thermohalin genannt wird. Durch die globale Erwärmung verändert sich die Temperatur des Wassers. Zusätzlich ändert sich die Konzentration des Meerwassers durch schmelzende Eismassen aus der Arktis und dem grönländischen Eis. Die resultierende Dichteänderung kann zum Abreißen des Nordatlantikstroms führen. Einen Anstieg des Meeresspiegels und die Beeinflussung tropischer Niederschläge ist zu befürchten. Hierfür vermuten die Forscher eine Kipp-Temperatur von drei bis fünf Grad.

Literaturtipps:
Pressemitteilung des PIK zu Kipp-Elementen
Broschüre des Umweltbundesamtes (PDF-Download)

Klima-Fußabdruck

Die sogenannte Klima-Fußabdruck-Methode ist ein komplexes statistisches Vorgehen zur Identifizierung des Einflusses des Menschen auf die Erderwärmung. Dabei wird jede Tatsache einkalkuliert, die irgend einen Einfluss auf den Klimawandel hat, und über eine entsprechende Raumstruktur extrapoliert. Mit derartigen Rechenmodellen haben die Wissenschaftler den Einfluss des Menschen auf das Klima abgeschätzt.

Mit Hilfe der Fußabdruckmethode lässt sich übrigens auch der Einfluss jedes Einzelnen auf das Klima ermitteln. So kann man aus dem individuellen Verhalten eines Menschen auch einen persönlichen Klima- oder CO2-Fußabdruck errechnen. 

Klimaretter.info hält von mehreren im Internet verfügbaren Fußabdruckmessern den des WWF für den besten. Er ist HIER abrufbar.

Anders als der wirkliche Fußabdruck eines Menschen ist der Klima-Fußabdruck aber änderbar: Jeder hat es selbst in der Hand ihn zu beeinflussen.

 
Skeptical Science: Der menschliche Fußabdruck beim Klimawandel 

Wikipedia: CO2-Fußabdruck

Klimafinanzierung

Unter Klimafinanzierung, englisch climate finance, versteht man die finanzielle Unterstützung der Entwicklungs- und Schwellenländer bei Klimaschutzmaßnahmen und bei Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. In Artikel 4 der --> UN-Klimarahmenkonvention haben die Industriestaaten zugesagt, "neue und zusätzliche finanzielle Ressourcen" für die Klimafinanzierung zu schaffen. Das spiegelt die historische Hauptschuld der Industriestaaten am menschengemachten Klimawandel wider sowie deren größere wirtschaftliche Stärke.

Auf der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen haben die Staaten im Rahmen des --> "Copenhagen Accord" drei Perioden für den Aufbau der Klimafinanzierung definiert:

"Fast Start Finance", 2010 bis 2012: In diesem Zeitraum sollten die Industriestaaten jährlich 30 Milliarden US-Dollar an die Entwicklungsländer leisten. Dem Beschluss der UN-Klimakonferenz 2012 in Doha zufolge sind die Industriestaaten dieser Verpflichtung nachgekommen. Allerdings kritisierten Nichtregierungsorganisationen, dass ein Teil der auf die 30 Milliarden US-Dollar angerechneten Mittel keine "neuen und zusätzlichen finanziellen Ressourcen" darstellten, sondern ohnehin geflossen wären, zum Beispiel im Rahmen der herkömmlichen Entwicklungshilfe.

Finanzierungsperiode bis 2020: In dieser Zeit sollen die Mittel aufwachsen und schließlich 2020 den Umfang von jährlich 100 Milliarden US-Dollar erreichen.

Finanzierung nach 2020: Ebenfalls im "Copenhagen Accord" haben sich die Industriestaaten verpflichtet, ab 2020 den Entwicklungsländern jährlich 100 Milliarden US-Dollar zur Klimafinanzierung zur Verfügung zu stellen. Das Geld kann aus einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Quellen stammen – es kann aus öffentlichen Töpfen, im Rahmen bilateraler Abkommen oder über internationale Entwicklungsbanken fließen. Oder aus "alternativen" Quellen: Denkbar sind etwa auch Einnahmen aus der Erhebung einer CO2-Steuer oder aus dem Verkauf von Emissionsrechten im Rahmen von --> Emissionshandelssystemen.

Ein großer Teil der zugesagten jährlichen 100 Milliarden US-Dollar soll über den auf der Klimakonferenz 2010 im mexikanischen Cancún beschlossenen --> Grünen Klimafonds (Green Climate Fund) fließen.

Klimarahmenkonvention (UNFCCC)

Die United Nations Framework Convention on Climate Chance (UNFCCC), übersetzt "Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen", wurde 1992 auf dem UN-Gipfel für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro beschlossen und ist die Grundlage der gesamten Klimadiplomatie. Mittlerweile ist die Klimarahmenkonvention, wie der Vertrag kurz genannt wird, von 195 Vertragsstaaten und der Europäischen Union unterzeichnet worden.

Die Vertragsstaaten verpflichten sich in der Konvention dazu, "die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre auf einem Niveau zu stabilisieren, das eine gefährliche menschliche Beeinflussung des Klimasystems vermeidet". Die Industrieländer bekennen sich zu ihrer historischen Verantwortung und sagen zu, bis zum Jahr 2000 ihre Emissionen auf dem Niveau von 1990 zu stabilisieren. Später behaupteten einige Staaten, dass dies nicht verbindlich sei. Die wenigsten haben dieses Ziel tatsächlich erfüllt.

Außerdem beschlossen wurden die Einrichtung eines UN-Klimasekretariats sowie die Abhaltung von Folgekonferenzen – sogenannten --> COPs –, um die Klimarahmenkonvention weiterzuentwickeln. Auch verpflichtet die Klimarahmenkonvention alle Vertragspartner dazu, regelmäßig Berichte zu veröffentlichen, in denen Fakten und Trends zu den Treibhausgasemissionen der Staaten dargelegt werden müssen.

Klimarahmenkonvention UNFCCC im Wortlaut

Wikipedia: Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen

Kohlendioxid (CO2)

Kohlendioxid (CO2) entsteht, wenn Kohlenstoff mit Sauerstoff reagiert. 

Grob skizziert gibt es zwei natürliche Kreisläufe. Der erste wird von der Biosphäre bestimmt: Alle tierischen Lebewesen produzieren Kohlendioxid, während Pflanzen es mit Hilfe der Photosynthese wieder aufspalten und den Kohlenstoff in ihre Organismen einbauen. Die Pflanzen dienen wiederum Mensch und Tier als Nahrung, wodurch sich der Kreislauf schließt.

Der zweite Kreislauf ist ein geologischer: Durch Lösung in Wasser, Reaktion mit Gesteinen und Einbau in die Krusten von tierischem Plankton wird Kohlendioxid der Atmosphäre entzogen und in Sedimenten in Form von Karbonaten gespeichert. Diese werden durch die Plattentektonik im Laufe vieler Millionen Jahre recycelt, und der Kohlenstoff wird der Atmosphäre durch Vulkanismus wieder als Kohlendioxid zugeführt.

Gemessen an diesen sehr langsamen Prozessen sind die in den letzten zwei Jahrhunderten von Menschen verursachten Veränderungen äußerst rasant. Die Verbrennung von Öl, Kohle und Erdgas entlässt Kohlendioxid in die Atmosphäre, das ihr in der Erdgeschichte über einen Zeitraum von vielen Millionen Jahren entzogen worden war.

Entsprechend steigt die atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration. Ende des 18. Jahrhunderts betrug sie 280 ppm (parts per million, Teile pro Million), im Mai 2013 ist sie auf 400 ppm angestiegen. Wobei das Tempo zunimmt: In den letzten zehn Jahren wuchs die Konzentration durchschnittlich um 1,9 ppm pro Jahr. Die Konzentration befindet sich bereits weit außerhalb des natürlichen Bereichs, der in den letzten 650.000 Jahren zwischen 180 und 300 ppm gelegen hat, wie man aus der Untersuchung von Luftbläschen in Eisbohrkernen weiß.

Kohlendioxidäquivalent, CO2-Äquivalent

--> Kohlendioxid (CO2) ist das bekannteste und wichtigste, aber nicht das einzige
--> anthropogene Treibhausgas. Beispielsweise heizen auch --> Methan und
--> Lachgas (Distickstoffmonoxid) das Klima auf, dies jedoch pro Kilogramm oder Tonne sehr viel stärker als CO2. Um die verschiedenen Treibhausgase vergleichbar zu machen, werden sie hinsichtlich ihrer Klimaschädlichkeit in Kohlendioxid-Äquivalent umgerechnet. Methan etwa ist 21-mal so schädlich wie CO2; ein Kilogramm Methan entspricht deshalb 21 Kilogramm Kohlendioxidäquivalent. Ein Kilogramm Lachgas entspricht sogar 300 Kilogramm CO2-Äquivalent.

Die Treibhausgasemissionen eines Landes ergeben sich aus der Summe der verschiedenen ausgestoßenen Treibhausgase, umgerechnet in Kohlendioxidäquivalent. Die Reduktionspflichten, die im Kyoto-Protokoll festgelegt sind, beziehen sich auf insgesamt sechs Treibhausgase.

 
Wikipedia: Kohlendioxidäquivalent

Konventionelles Erdöl

Als konventionelles Erdöl wird solches bezeichnet, dass tatsächlich flüssig in der Erde lagert und dort auch relativ leicht zu fördern ist.

Im Gegensatz dazu steht das unkonventionelle Erdöl: --> Teersande, Teerschiefer, Tight Oil ("Fracking-Öl"), Schweröl, Tiefseeöl, Polaröl oder --> Flüssiggas. Der Abbau des unventionellen Erdöls ist mit höheren finanziellen, energetischen und ökologischen Kosten verbundene als die Förderung von konventionellem Rohöl.

2012 wurden täglich rund 4.120 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. 

Größte Fördernationen waren Saudi-Arabien mit 547 Millionen Tonnen im Jahr, gefolgt von Russland (526 Millionen Tonnen), den USA (395 Millionen), China (207 Millionen), Kanada (183) und Iran (175 Millionen).

Der Staat mit den größten nachgewiesenen Erdölreserven ist Venezuela mit 296,5 Milliarden Barrel. Ein --> Barrel (Fass) entspricht 159 Litern.

Kyoto-Protokoll

Das Kyoto-Protokoll ist ein 1997 in der japanischen Kaiserstadt Kyoto verabschiedetes Zusatzprotokoll zur Ausgestaltung der --> UN-Klimarahmenkonvention. Das Kyoto-Protokoll sah erstmals konkrete Reduktionsziele für die sechs wichtigsten --> Treibhausgase in den Industrieländern vor. In einer Verpflichtungsperiode der Jahre 2008 bis 2012 sollte eine Reduktion um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber dem Bezugsjahr 1990 erreicht werden.

Weil die Verhandler ein Quorum für das Inkrafttreten festgelegt hatten, konnte das Kyoto-Protokoll erst in Kraft treten, als mindestens 55 Staaten, die mindestens 55 Prozent der weltweiten Emissionen vereinten, das Protokoll in nationales Recht umgesetzt hatten. Wegen dieser Bedingung dauerte es bis Februar 2005, als das Protokoll mit dem Beschlus des russischen Parlaments konnte in Kraft treten – auch ohne den "Top-Klimasünder" USA.

Seit dem Klimagipfel 2009 in Kopenhagen wurde um eine zweite Verpflichtungsperiode ("Kyoto II") von 2013 bis 2018 mit neuen Reduktionszielen gerungen.

Die USA hatten sich in Kyoto zu einer Reduktion um sieben Prozent verpflichtet. Allerdings ist dies nie in nationales Recht umgesetzt worden – weshalb die USA als einziger Industriestaat außerhalb der "Kyoto-Welt" standen. Durch das umstrittene --> Fracking hat das Land aber sein Kyoto-Ziel de facto erfüllt.

China wiederum, das mittlerweile als CO2-Verursacher in absoluten Zahlen vor den USA liegt und beim Pro-Kopf-Ausstoß mit Europa gleichgezogen hat (wenn man indirekte Emissionstransfers vernachlässigt), will sich nur zu eigenen Reduktionen in einer zweiten Verhandlungsperiode verpflichten, wenn auch die USA mitmachen.

Der komplette Text des Kyoto-Protokolls auf Deutsch steht HIER.

Wikipedia: Kyoto-Protokoll

Lachgas

Distickstoffmonoxid (N2O), auch Lachgas genannt, ist das drittwichtigste --> Treibhausgas und wird für 6 Prozent des menschengemachten Treibhauseffekts verantwortlich gemacht. Die Klimawirkung des Gases ist immens: pro Molekül schlägt es rund 300 Mal so stark wie --> Kohlendioxid und 12 Mal stärker als --> Methan zu Buche. Insofern entsprechen die jährlichen weltweiten Emissionen des Gases einem --> Kohlendioxidäquivalent von etwa 3 bis 4 Milliarden Tonnen. Wie auch Kohlendioxid und Methan reflektieren Lachgasmoleküle die Wärmerückstrahlung der Erdoberfläche und halten sie davon ab, ins Weltall zu entweichen. Die Wärme wird wieder in Richtung Erde abgegeben.

Die Lachgasentstehung ist bislang noch wenig erforscht. Bekannt ist allerdings, dass es besonders aus schweren, überdüngten und feuchten Böden freigesetzt wird, aber auch in Verbrennungs- und Kläranlagen. Schätzungen des Weltklimarates IPCC zufolge emittiert die Landwirtschaft etwa 60 Prozent des Gases. Allein von deutschen Äckern wurden im Jahr 2004 rund 74.000 Tonnen Lachgas emittiert, was einem Kohlendioxid-Äquivalent von 23 Millionen Tonnen entspricht.

Lachgas entsteht bei anthropogenen und natürlichen Prozessen. Finnische Studien wiesen darauf hin, dass das Treibhausgas in großen Mengen aus subarktischen Böden entweicht, die nicht permanent gefroren sind. Gewaltige Mengen des Gases könnten bei einem großflächigen Abtauen der Permafrostböden durch die Erderwärmung entweichen. Aber auch Wasserinsekten, Muscheln und Schnecken emittieren das Gas – je verschmutzter ihr Lebensraum, desto mehr.

Lachgas ist nicht nur klimarelevant, es bedroht auch die Ozonschicht. Zwar ist das Ozonloch nach dem Montreal-Protokoll und der internationalen Eindämmung von --> FCKW Ende der 1980er Jahre zurückgegangen, die steigenden Lachgaskonzentrationen – momentan nimmt der Ausstoß jedes Jahr um ein Viertelprozent zu – könnte sich hier schon bald als neue Gefahr erweisen. Distickstoffmonoxid ist vom --> Kyoto-Protokoll als Klimabedrohung erfasst worden, wird jedoch unter den Treibhausgasen trotz seiner hohen Klimawirksamkeit oft als das "vergessene Gas" bezeichnet.

Wikipedia: Distickstoffmonoxid

LDCs – Least Developed Countries

Die ärmsten Länder der Welt heißen im Fachjargon der Vereinten Nationen LDCs – Least Developed Countries, am wenigsten entwickelte Länder. Im Jahr 2013 zählten 48 Länder zu den LDCs, davon 34 in Afrika, aber auch Afghanistan, Bangladesch, Nepal, Haiti oder die Salomonen. Der Begriff ist nicht deckungsgleich mit den weit freier genutzten Termini "Dritte Welt" und "Entwicklungsländer", sondern unterliegt strikten Kriterien.

Darunter:

  1. Armut: Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf liegt im Drei-Jahres-Mittel unter 952 US-Dollar. Länder die aufstiegen wollen, müssen mehr als 1.190 US-Dollar für die gleiche Dauer vorweisen.
  2. Unterentwicklung: Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung ist unterernährt, die Kindersterblichkeit ist hoch, Schulanfängerquote und Alphabetisierung sind niedrig.
  3. Wirtschaftliche Schwäche: Instabile Landwirtschaft und häufige Naturkatastrophen mit anschließenden Flüchtlingswellen, kaum Export, hoher Anteil von Landwirtschaft und Fischerei am Bruttoinlandsprodukt, kaum Produktion, wirtschaftliche Abhängigkeit.

Ein Land, das in allen drei Punkten verschiedene Messlatten überschreitet, kann vom LDC-Status avancieren. Bisher haben das Botswana 1994, Kap Verde 2007, die Malediven 2011 und Samoa 2014 geschafft. Kandidaten für baldigen Aufstieg sind derzeit Äquatorial-Guinea, Tuvalu und Vanuatu.

LDC-Report der Vereinten Nationen (2013)

Wikipedia: Least Developed Countries

Loss and Damage

Je mehr die Erderwärmung voranschreitet, desto schlechter kann sich die Bevölkerung in einigen Weltregionen an die damit verbundenen Veränderungen anpassen. Wenn Gebäude und Infrastruktur durch Taifune von bisher unbekannter Stärke zerstört werden, stellt sich deshalb die Frage, wer für die Schäden aufkommen muss. Wenn Inseln durch den Meeresspiegelanstieg versinken oder Landstriche so trocken werden, dass keine Landwirtschaft mehr möglich ist, stellt sich die Frage, ob jemand für die Verluste zahlt.

Diese Streitfragen verhandeln die Klimadiplomaten unter der Überschrift "Loss and Damage". Der Begriff aus der Versicherungswirtschaft steht hier für die Verluste und Schäden durch den Klimawandel. Die besonders davon betroffenen Länder fordern, dass die Industriestaaten mit ihrer historischen Verantwortung für die Erderwärmung neben den Anpassungsmaßnahmen auch für diese Schäden zahlen.

LULUCF – Land Use, Land-Use Change and Forestry

LULUCF bedeutet Land Use, Land-Use Change and Forestry (Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft). Unter dem Akronym werden im -->Kyoto-Protokoll Maßnahmen im Bereich der Forstwirtschaft und der Landnutzung zusammengefasst. Die --> Annex-I-Staaten sind verpflichtet, diese Maßnahmen in ihre Klimaschutzbemühungen einzubeziehen.

Durch ein gezieltes Wald- und Bodenmanagement kann das Klima entlastet werden: Aufforstungen entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid, eine Verringerung der Entwaldungsrate reduziert die Emissionen in Ländern, in denen viel gerodet wird. In Böden sind zwei Drittel des weltweiten Kohlendioxids gebunden. Die Kyoto-Länder können in diesem Bereich durch ein nachhaltiges Management – zum Beispiel schonendes Pflügen – ihre Emissionen verringern.

Umstritten in der internationalen Klimadiplomatie ist nach wie vor eine exakte Berechnung der Kohlendioxid-Verminderungen durch LULUCF-Maßnahmen. Verschiedene Berechnungsarten werden diskutiert. Auch für "Wald" gibt es unterschiedliche Definitionsansätze: Bisher geht man von einer durch Baumkronen bedeckten Fläche von 15 bis 30 Prozent aus.

Bei den UN-Verhandlungen in Kopenhagen gab es hier zahlreiche Kontroversen: Darf man Bereiche von über 15 Prozent auf das Mindestmaß abholzen und gleichzeitig nach wie vor von Wald sprechen? Dürfen Eukalyptus- und Ölpalmen-Plantagen als "Wald" klassifiziert werden? Wie geht man mit höherer Gewalt, zum Beispiel Waldbränden, um? LULUCF eröffnet zahlreiche Schlupflöcher, die weiterhin Thema der internationalen Klimaverhandlungen bleiben werden.

Siehe auch -->ILUC – Indirect Land Use Change (indirekte Landnutzungsänderung)

Meeresspiegel

Der Meeresspiegel ist im letzten Jahrhundert um 17 Zentimeter angestiegen, um durchschnittlich 1,6 Millimeter pro Jahr. Das liegt zunächst an der Ausdehnung: Körper, die wärmer werden, dehnen sich aus – auch das Wasser der Ozeane. Dazu kommt aber zunehmend das Schmelzen von kontinentalen Gletschern. Und in den vergangenen 15 Jahren kamen die Effekte "Grönland" und "Antarktis" dazu, weshalb der Anstieg sich auf drei Millimeter pro Jahr beschleuigt hat.

Der Grönland-Effekt: Bis in Höhen oberhalb 4.000 Meter reicht der Eispanzer auf der weltgrößten Insel. Im Gegensatz zum arktischen Eis, das auf der Meeresoberfläche schwimmt, hat Grönland damit entscheidenden Einfluss auf den Stand des Meeresspiegels – rund 2,5 Millionen Kubikkilometer Wasser. Deshalb wurde die zu Dänemark gehörende, aber autonome Insel genauestens unter die Lupe genommen. Die Erkenntnis: Der lokale Temperaturanstieg verläuft hier doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.

Mit gravierenden Folgen: 2007 begann der Frühling auf Grönland 14,5 Tage früher als noch vor zehn Jahren. "Grünland" – so nannten die Wikinger die Insel im Mittelalter – ist bereits wieder Realität. Im Süden versuchen sich Bauern inzwischen wieder im Kartoffelanbau. Sollte das Grönlandeis komplett schmelzen – Wissenschaftler sprechen von einem Zeitraum von einigen Jahrhunderten – würde das einen Anstieg des Meeresspiegels um sieben Meter bedeuten. Damit würde sich das Erscheinungsbild der Erde so stark verändern wie seit der Zwischeneiszeit vor 125.000 Jahren nicht mehr.

Der Antarktis-Effekt: Noch größer als der grönländische Eisschild ist der der Antarktis. Und bereits heute fällt das Abschmelzen des südlichen Eisschildes stärker ins Gewicht. Der IPPC hat ermittelt, dass der Anteil des Südschildes beim bisherigen Anstieg dreimal so groß ist. Trotzdem ist er noch wenig erforscht.

Insgesamt schätzt der --> IPCC in seinem jüngsten Bericht, dass der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um bis zu einem Meter steigt – falls nicht endlich mit Klimaschutz begonnen wird. Und der Weltklimarat hat auch gleich skizziert, was das bedeutet: Die Lebensgrundlage von 1,2 Milliarden Menschen wäre bedroht – oder vernichtet.

klimaretter.info-Dossier: Das Meer steigt 

Wikipedia: Meeresspiegelanstieg

MEM

MEM steht für "Major-Economies-Meeting". Das MEM ist eine Erfindung von George W. Bush, die er im Frühling 2007 beim G8-Treffen in Heiligendamm aus der Taufe hob: Vertreter der 16 größten Volkswirtschaften treffen sich, um eine Strategie zu entwickeln, mit der die Kohlendioxid-Reduktionen eingeläutet werden. Und zwar ohne das Wirtschaftswachstum dieser Länder zu gefährden. Das ist die typisch amerikanische Sichtweise des Problems: Klimaschutz verhindert Wirtschaftswachstum.

Vertreter aus Südafrika und Brasilien, aus Russland, Italien, Großbritannien und Deutschland, Australien, Japan, der EU, USA, Mexiko oder Kanada beraten also einen Reduktionsweg, der nicht auf "Einschränkung" sondern auf "Technologie" beruht.

Die USA versuchen MEM als Gegen-Verhandlungsstrang zur UNO und den Weltklimagipfeln zu etablieren. Die USA lehnen das Kyoto-Protokoll ab, auch die Demokraten werden es im Falle eines Wahlsieges nicht unterzeichnen. Und dies ist angesichts der Faktenlage auch allzu logisch: 25 Prozent liegt der US-Kohlendioxid-Ausstoß heute über dem Niveau von 1990, an eine Reduktion gegenüber 1990 ist überhaupt nicht mehr zu denken. Allenfalls ein Totalzusammenbruch der US-Wirtschaft würde eine realistische Chance bieten, bis 2012 doch noch unter die Marke von 1990 zu kommen.

Die USA versuchen über das MEM die Kontrolle in der Klimadiplomatie wieder zu erlangen. Das erste MEM fand im September 2007 in Washington statt, das zweite im Januar 2008 auf Hawaii, das dritte Treffen im Februar 2008 in Paris.

Bis zur Amtsübergabe an Barack Obama folgten weitere, auf denen sich allerdings abzeichnete, dass unter der Bush-Administration dieser Verhandlungszweig der Weltklimadiplomatie keinerlei Fortschritte bringen wird. Überraschenderweise führte Obama diese MEM-Diplomatie weiter, jetzt allerdings hauptsächlich um die 16 "major economies" auf ein gemeinsames Angebot an dn UN-Weltklimagipfel einzuschwören.

Methan

Methan (CH4) ist ein --> Treibhausgas, das deutlich effektiver, aber zum Glück nicht so häufig wie --> Kohlendioxid (CO2) ist. Rechnerisch hat eine Tonne Methan innerhalb von 100 Jahren in der Atmosphäre dieselbe Wirkung wie 21 bis 25 Tonnen Kohlendioxid. Die Konzentration von Methan in der Atmosphäre hatte ein vorindustrielles Niveau von 715 Milliardstel Volumenanteilen (ppb, parts per billion, Teile pro Milliarde). Bis 2005 ist die Methan-Konzentration auf 1.774 ppb angestiegen, allerdings hat sich die Wachstumsrate im letzten Jahrzent deutlich abgeschwächt. Die natürliche Methan-Konzentration schwankte in den letzten 650.000 Jahren stets zwischen 320 ppb und 790 ppb. 

Methan hat verschiedene anthropogene Quellen: Es entweicht entweder aus den vielen undichten Erdgasleitungen und Bohrlöchern – denn Erdgas besteht im Wesentlichen aus Methan – oder entsteht in anaeroben Fäulnisprozessen, also dort, wo sich Pflanzenreste und Abfälle unter Ausschluss von Sauerstoff zersetzen. Letzteres geschieht zum Beispiel in Restmülldeponien, Reisfeldern, Stauseen und Rindermägen. Größte Methanquelle ist die Landwirtschaft. Allerdings hat die nachhaltige Weidehaltung von Rindern auch positive Effekte für das Klima.

Wissenschaftler warnen vor dem Auftauen der Permafrostböden in Nordamerika und Sibirien. Dies würde gigantische Mengen Methan freisetzen, die derzeit in der Erde "gefangen" sind.

Wikipedia: Methan

Montreal-Protokoll

Das Montreal-Protokoll ist ein internationales Abkommen zum Schutz der Ozonschicht. Es wurde 1987 verabschiedet und trat 1989 in Kraft.

Durch das Abkommen wurden --> Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) weltweit verboten. Diese Chemikalien führen in der Atmosphäre zu chemischen Prozessen, die die Ozonschicht abbauen. Die Ozonschicht schützt die Erde vor ultravioletten Strahlen (UV-Strahlen) von der Sonne. UV-Strahlen verursachen Hautkrebs.

Das Montreal-Abkommen gilt als einer der größten Erfolge internationaler Umweltpolitik – doch es wird noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Ozonschicht sich vollständig regeneriert hat. Die NASA geht davon aus, dass dies erst im Jahr 2060 der Fall sein wird.

 
Wikipedia: Montreal-Protokoll

MOP – Members of Protocol

Members of Protocol werden im UN-Jargon jene Staaten genannt, die das --> Kyoto-Protokoll unterschrieben und ratifiziert – also auch in nationales Recht umgesetzt – haben.

Genau genommen finden auf den Welt-Klimagipfeln zwei Konferenzen statt: Die --> COPs und die MOPs. An den MOPs dürfen zum Beispiel die USA nicht teilnehmen, weil sie das Kyoto-Protokoll nicht in nationales Recht umgesetzt haben. Geiches tifft auch für Kasachstan, Somalia, San Marino, Afghanistan, Nordkorea oder Irak zu.

Praktisch funktioniert die Unterscheidung auf den Klimakonferenzen so, dass Vertreter von MOP-Staaten hinter schwarzen Landesschildern mit weißer Schrift sitzen, COP-Vertreter sitzen hinter weißen Schildern mit schwarzer Schrift.

NAMAs – Nationally Appropriate Mitigation Actions

Das Kürzel NAMA bezeichnet alles, was Entwicklungsländer in Sachen Klimaschutz unternehmen. Nationally Appropriate Mitigation Actions, also national angepasste Klimaschutzmaßnahmen, reichen von Einzelprojekten bis zum Regierungsziel. NAMAs sind Teil des --> Bali Action Plan von 2007. Die Maßnahmen sind freiwilliger Natur und können mittels Technologietransfer, capacity building, dem Waldschutzprogramm --> REDD und finanzieller Unterstützung der --> Annex-I-Staaten durchgeführt werden. Es wird unterschieden zwischen NAMAs, die von den Entwicklungsländern selbst geleistet werden, und NAMAs, die mit der Unterstützung von Industriestaaten geplant und ausgeführt werden.

Die Idee hinter den NAMAs ist, dass auch Entwicklungsländer – die bislang keine verpflichtenden Treibhausgas-Reduktionsziele haben – etwas zum Klimaschutz beitragen können und sollten. Weil sie aber oft nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen und weil ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten sehr unterschiedlich sind, soll jedes Land über die angemessenen Klimaschutzmaßnahmen selbst entscheiden. Industriestaaten sollen die Maßnahmen unterstützen – nicht nur finanziell, sondern auch durch Technologietransfer und Hilfe zur Selbsthilfe (capacity building). 

Anders als beim --> Clean Development Mechanism (CDM) sind NAMAs nicht auf Projekte beschränkt, die von zwei privaten Akteuren organisiert werden und bei denen sich Investoren aus den Industrieländern die Emissionseinsparungen anrechnen lassen können. ("Gute NAMAs fangen da an, wo CDM aufhört.") Ein NAMA kann sowohl aus öffentlichen als auch privaten Geldern finanziert werden und ist üblicherweise in die Klimapolitik eines Staates eingebettet. Ob auch bei NAMAs sogenannte CER-Zertifikate generiert werden dürfen, mit denen die Investoren sich ihr Engagement in die Klimabilanz schreiben können, ist noch nicht entschieden.  

Genaue Richtlinien und Anforderungen für NAMAs müssen erst noch erarbeitet werden. Bisher wurde nur das vom --> UNFCC-Sekretariat verwaltete NAMA Registry eingerichtet, wo Länder ihre geplanten Maßnahmen eintragen können. Geldgeber sollen sich an diesem Register orientieren können, um unterstützenswerte Projekte auszuwählen. Geplant ist auch, die Finanzierung von NAMAs eines Tages über den --> Green Climate Fund abzuwickeln.

Auf der Klimakonferenz in Doha 2011 entwickelten Deutschland und Großbritannien die International NAMA Facility. Die beiden Industriestaaten wollen zusammen 70 Millionen Euro für die Entwicklung von NAMAs zur Verfügung stellen. Bis September 2013 konnten Entwicklungsländer sich mit ihren Projekten bewerben. Unterstützt werden nun Projekte in den Bereichen Energie und Stadtentwicklung in Chile, Kolumbien, Costa Rica and Indonesien.

Drei UN-Institutionen – das Klimasekretariat, das Entwicklungsprogramm UNDP und das Risø Centre on  Energy – stellten auf dem Klimagipfel in Warschau 2013 die erste Fassung eines NAMA-Leitfadens vor: "Guidance for NAMA Design" heißt das Dokument, das Hinweise zur Planung, Finanzierung und Umsetzung von NAMAs enthält.

Eine vollständige Liste der im Rahmen des --> Copenhagen Accord eingebrachten NAMAs findet sich HIER

Ölsande

Ölsande ist eine sprachliche "Verniedlichung" für --> Teersande, eine Mischung aus Ton, Silikaten, Wasser und Kohlenwasserstoffen.

Teersande gehören zur Gruppe des --> "unventionellen Erdöls" - dessen Abbau mit höheren finanziellen, energetischen und ökologischen Kosten verbunden ist als die Förderung von konventionellem Rohöl. Der Kohlenwasserstoffanteil in den Sanden liegt zwischen einem und 18 Prozent. Deshalb sind im Schnitt ungefähr drei Tonnen dieser Sande notwendig, um daraus einen --> Barrel Erdöl zu produzieren. Die Herstellung ist extrem energieintensiv, und weil die meisten Teersande im Tagebau abgebaut werden zudem extrem umweltschädlich.

Teersand mit einem Kohlenwasserstoffgehalt von unter 6 Prozent abzubauen gilt heutzutage als unwirtschaftlich. Der weltweit größte Förderer von Teersanden ist Kanada.

Ölschiefer

Bei Ölschiefer handelt es sich um fossiles organisches Material, welches jünger als Erdöl ist. Ölschiefer besteht vor allem aus so genanntem Kerogen. Es wird zu den un-->konventionellen Ölquellen gezählt.

Ölschiefer wird teilweise für Verbrennungsprozesse genutzt, es existieren beispielsweise einige Heizkraftwerke in Estland und ein Zementwerk in Süddeutschland, welche Ölschiefer direkt nutzen.

Die Umwandlung von Ölschiefer zu Rohöl ist theoretisch möglich, erfordert allerdings einen sehr hohen Energieaufwand. Bislang lohnt sich die Ölgewinnung aus Ölschiefer wirtschaftlich nicht und fand in der Vergangenheit nur im Labormaßstab statt. Bei steigenden Ölpreisen könnte sich dies in Zukunft ändern. Die Klimabilanz von Öl aus Ölschiefer wäre vermutlich sehr schlecht, noch schlechter als die von --> Teersanden.

Ölschiefer wird auch Schieferöl genannt. In letzter Zeit wird der Begriff Schieferöl fälschlicherweise auch für Tight Oil, sogenanntes "Fracking-Öl", verwendet.

Wikipedia: Ölschiefer

OPEC

Die Organisation erdölexportierender Länder (englisch: Organization of the Petroleum Exporting Countries, OPEC), ist ein Ölkartell, dass die fünf wichtigsten Ölfördernationen 1960 gründeten, um die Preise abzusprechen. Die Länder waren Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela.

Heute sind zwölf Länder Mitglied der OPEC. Neben den genannten Gründungsmitgliedern sind das Nigeria, Algerien, Libyen, Angola, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ecuador. Damit steht die OPEC für mehr als 40 Prozent der weltweiten Ölförderung und verfügt wohl über 75 Prozent der weltweiten Ölreserven, ohne Einbeziehung der weltweiten --> Teersandreserven. Die Mitglieder der OPEC sind an die beschlossenen Förderquoten gebunden.

Sitz der OPEC ist Wien.

Wikipedia: Organisation erdölexportierender Länder

Permafrost

Im Norden Sibiriens, Kanadas und Alaskas sowie auf dem Tibetischen Plateau ist der Boden zum Teil mehrere hundert Meter tief gefroren. Nur die oberen Schichten tauen im Sommer auf, sofern die Lufttemperatur für längere Zeit über den Nullpunkt steigt. Viele Straßen, Häuser und die neue Eisenbahn, die die tibetische Hauptstadt Lhasa seit 2006 mit dem chinesischen Schienennetz verbindet, benutzen den Permafrostboden als Fundament. Taut er auf, können Gebäude zusammenstürzen, Straßen wegrutschen und Eisenbahnbrücken einstürzen.

Wikipedia: Permafrostboden

REDD

REDD ist die Abkürzung für Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung. Jährlich werden weltweit 13 Millionen Hektar Wald abgebrannt oder gerodet, das ist viermal die Fläche von Belgien. Die daraus resultierenden Emissionen sind nach dem Energiesektor die zweitgrößte anthropogene Quelle von Kohlendioxid-Emissionen.

Auf der Klimakonferenz auf Bali wurde deshalb 2006 der sogenannte REDD-Prozess gestartet: Über ihn soll ein Mechanismus gefunden werden, der diese Entwicklung stoppt. Die Idee war, dem im Holz gespeicherten Kohlenstoff einen ökonomischen Wert zuzuweisen. Roden würde dann in etwa dasselbe sein wie Geldscheine verbrennen, hoffte man. Der Plan schien auch ökonomisch Sinn zu haben: Der Stern-Report von 2006 legt dar, dass die Drosselung der weltweiten Entwaldung der kostengünstigste Weg ist, die Kohlendioxid-Emissionen zu senken.

Wie immer liegt der Teufel allerdings im Detail: Weil sich die von den Europäern dominierte Klima-Debatte immer nur um den --> Kyoto-Prozess und sein Nachfolgeregime dreht, kommt REDD nicht vom Fleck. Zwar haben Urwaldländer wie Costa Rica, Indonesien, Papua Neu-Guinea oder Brasilien in den vergangenen Jahren etliche Vorschläge bei der --> Klimarahmenkonvention UNFCCC für die mögliche Ausgestaltung eines REDD-Systems eingereicht. Aber auch sie sind sich nicht einig.

Prinzipiell werden zwei Wege debattiert:

Die Zertifikate-Lösung: Wälder werden in den --> Emissionshandel, also den Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten, einbezogen. Ein intakter Hektar Wald bekäme auf diese Weise ein Zertifikat, dass an den Weltbörsen gehandelt werden könnte. Das klingt gut und erscheint praktikabel, ist aber höchst umstritten: Was ist zum Beispiel "intakter Wald"? In Australien etwa versteht man unter "Wald" 35 Bäume pro Hektar. Und Teakholzproduzenten sind der Ansicht, dass ihre Plantage in Thailand ebenfalls "intakter Wald" ist. Vor allem aber befürchten die Europäer, dass "Wald-Zertifikate" den Markt überschwemmen und ihren schönen Plan vom "Wir geben Kohlendioxid einen Preis" zunichte machen könnten.

Die Fonds-Lösung: Die Erhaltung des Waldes wird über einen speziellen internationalen Fonds finanziert. Die Bäume könnten dann quasi aufgekauft werden und den Menschen vor Ort ein Auskommen zum Beispiel als Ranger geben. Eine gute Möglichkeit – wenn es eine Verbindlichkeit gäbe. Zum Beispiel einen Beschluss, pro bundesdeutschem Kopf 100 Euro jährlich einzuzahlen, was allein 800 Millionen Euro mobilisieren könnte. Bislang wird aber nur über "freiwillige Fonds" debattiert, und damit haben die Entwicklungsländer keine guten Erfahrungen gemacht: Mit großem Medienrummel übergab auf einer der vergangenen Klimakonferenzen die damalige Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul 40 Millionen Euro zum Waldschutz. Ein Almosen für die Entwicklungsländer: Allein die Berliner Stadtreinigung setzt jährlich das Zehnfache um. 

Als REDD+ wird ein überarbeitetes REDD-Modell bezeichnet, das neben den Waldschutzmaßnahmen auch die CO2-Speicherung über nachhaltigere Waldbewirtschaftungsformen sowie die Verbesserung der Wirtschaftslage der Menschen in den betroffenen Gebieten einbezieht. Außerdem sollen vor allem nicht geschützte Waldgebiete einbezogen werden, die in naher Zukunft von Raubbau betroffen sein könnten.

Bei Nichtregierungsorganisationen sind REDD und REDD+ umstritten. Einige wie der WWF fordern, REDD in das Kyoto-Protokoll aufzunehmen. BirdLife/NABU verlangt, für die Umsetzung von REDD 35 Milliarden US-Dollar bis 2020 zu investieren. Dagegen kritisiert der BUND, dass REDD die weltweite Entwaldung höchstens verlangsamen und den Emissionshandel zum Erliegen bringen wird. Auch das Indigenous Environmental Network, das über 100 indigenen Völker vertritt, lehnt REDD ab, weil die Regierungen der Waldstaaten dabei die Rechte und die enge Bindung der ursprünglichen Bevölkerung an die Wälder einschränken würden.

Wikipedia: REDD

RFI-Faktor

RFI ist die Abkürzung für "Radiative Forcing Index" und stellt den Versuch dar, die Klimawirkungen von Flugzeugen vollständig zu erfassen. Die "Erwärmungswirkung" (englisch: "radiative forcing") der Luftverkehrsemissionen auf das Weltklima hängt nämlich nicht allein von der Menge des ausgestoßenen Kohlendioxids ab, Flugzeuge verursachen daneben noch andere Treibhausgase, die noch dazu in besonders sensiblen Schichten der Erdatmosphäre ausgebracht werden: Stickoxide zum Beispiel oder auch Rußpartikel und Wasserdampf.

Um die gesamten Klimaschäden durchs Fliegen abzuschätzen, werden deshalb die CO2-Emissionen mit dem RFI-Faktor multipliziert. Über die exakte Höhe dieses Faktors bestehen noch wissenschaftliche Unsicherheiten. Der Weltklimarat IPCC hat sich schon 1999 in einem Report ausführlich dazu geäußert und nannte einen Faktor von 2,7. Auf der Basis des 2007er IPCC-Berichts haben Prof. Hartmut Grassl (Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg) und Dietrich Brockhagen (atmosfair, Berlin) in einem Aufsatz einen RFI-Faktor von 1,9 bis 4,7 vorgeschlagen. Das Umweltbundesamt schreibt in einem "Leitfaden zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasen" (S. 13):

"Bedeutsam für den RFI sind unter anderem die Emission von Stickoxiden und die Förderung vermehrter Wolkenbildung durch den Ausstoß von Rußpartikeln und Wasserdampf. Die Wirkung letzterer lässt sich allerdings bisher noch nicht mit der gleichen Sicherheit wie die anderen Effekte des Flugverkehrs bestimmen, weshalb der RFI nach derzeitigem Wissensstand nur als Spanne angegeben werden kann. Nach Schätzung des Umweltbundesamtes liegt er zwischen 3 und 5, das heißt, die Klimawirkung des Flugverkehrs ist mindestens 3-mal und höchstens 5-mal so groß wie die Wirkung des ausgestoßenen Kohlendioxids allein."

Seriöse Angebote zur Klimakompensation von Flugreisen sollten deshalb stets einen RFI-Faktor berücksichtigen. Die meisten Fluggesellschaften hingegen ignorieren die erhöhte Klimaschädlichkeit. Sie betonen gern, dass auf den Luftverkehr nur rund zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes entfielen, womit sie implizieren, dass in anderen Wirtschaftsbereichen Klimaschutzmaßnahmen notwendiger und sinnvoller seien. Der durch den Luftverkehr zu verantwortende Klimaschaden aber beträgt bei Berücksichtigung des RFI-Faktors sechs bis zehn Prozent des gesamten, menschengemachten Treibhauseffektes - Verursacher ist dabei ein sehr kleiner Teil der Weltbevölkerung.

RSPO

Der im Jahr 2004 auf Initiative des WWF gegründete Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO) hat das Ziel, nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern und so die Umweltschäden zu begrenzen.Der RSPO vergibt an Produzenten von Palmöl, die sich an gewisse Nachhaltigkeitsstandards halten, ein eigenes Siegel. Er gilt jedoch als industriedominiert, da zu seinen Mitgliedern 581 Unternehmen aus der Palmölwirtschaft zählen und nur 26 Umweltschutzorganisationen und andere NGOs vertreten sind.

Im November 2007 traten die RSPO-Prinzipien und Kriterien für die nachhaltige Produktion von Palmöl in Kraft. Ende 2008 war das erste zertifizierte Palmöl am Markt verfügbar. Bislang ist nur ein geringer Teil der Gesamtproduktion der RSPO-Mitglieder tatsächlich zertifiziert. Zudem kritisiert die Umweltschutzorganisation Robin Wood, dass der RSPO im Interesse der Mitgliedskonzerne nur sehr laxe Standards setze: So sei es generell erlaubt, Tropenwälder in Ölpalmen-Monokulturen umzuwandeln, nur Wälder mit einem "hohen Schutzwert" (High Conservation Value Forests) würden geschützt. Peter Gerhard, Tropenwaldreferent bei Robin Wood, erklärt: "In der Praxis führt das zu großflächigen Kahlschlägen, unterbrochen von winzigen, miteinander vernetzten Schutzgebieten. Die RSPO-Kontrolleuere sind außerdem nicht unabhängig, sondern werden von den Konzernen, die sie kontrollieren sollen, direkt bezahlt."

In einer gemeinsamen Erklärung kritisierten 256 Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt das Label massiv und bezeichnen es als "Etikettenschwindel" und den RSPO als Greenwashing-Instrument. Die Organisationen betonen, dass riesige Plantagen aus Monokulturen von Palmölbäumen niemals nachhaltig sein könnten. Die Plantagen führen zu Entwaldung und in der Folge zum Verlust der biologischen Vielfalt, zu Überschwemmungen, schlimmeren Dürren, Bodenerosion, Gewässerverschmutzung und das Aufkommen von Schädlingen infolge des Zusammenbruchs des ökologischen Gleichgewichts und Veränderungen in den Nahrungsmittelketten. Des Weiteren haben die Rodungen von Regenwald und Trockenlegung von Torfmooren vor allem in Südost-Asien gravierende Folgen für das weltweite Klima, da riesige Mengen an Kohlenstoffdioxid frei werden. So sieht auch die indonesische Umweltschutzorganisation Save our Borneo den RSPO als verlängerten Arm der Palmölkonzerne. Die beteiligten Unternehmen würden weiter Regenwälder zerstören, Ölpalmen-Monokulturen bewirtschaften und seien mitschuldig an Landraub. Besonders im Fokus der Kritik: Der Lebensmittelkonzern Unilever und dessen wichtigster Palmöllieferant Wilmar. Beide Firmen sitzem im Vorstand des RSPO, ihnen wurde in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen, sich an der gewaltsamen Vertreibung von Menschen beteiligt zu haben.

Wikipedia: Roundtable on Sustainable Palm Oil

SBI – Subsidiary Body for Implementation

Der Subsidiary Body for Implementation, abgekürzt SBI, ist ein Nebenorgan der UN-Klimakonferenzen (--> COP), das sich mit "Umsetzung" beschäftigt. Hier werden Verfahrenswege ausgearbeitet und kontrolliert und die Schlussfolgerungen in den Verhandlungsprozess eingebaut.

Dieser technische Verhandlungsstrang überprüft, wie die Beschlüsse der Klimakonferenzen tatsächlich in der Realität wirken, also "die Gesamtwirkung der von den Vertragsparteien ergriffenen Maßnahmen", wie es in Artikel 10 der --> Klimarahmenkonvention heißt.

Subsidiary Body for Implementation

SBSTA – Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice

Der Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice, abgekürzt SBSTA, ist ein Nebenorgan der UN-Klimakonferenzen
(--> COP), das sich mit "Wissen" beschäftigt. Hier geht es darum, den internationalen Klimaverhandlungen eine wissenschaftliche Grundlage zu geben.

Bereits 1992 in der --> Klimarahmenkonvention verankert, soll dieses wissenschaftliche Gremium Fachfragen "unter Aufsicht der Konferenz der Vertragsparteien" klären, wie es in Artikel 9 der Klimarahmenkonvention heißt.

Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice

Schiefergas

Schiefergas gehört zur Gruppe der sogenannten --> unkonventionellen Gase, es befindet sich in den Gesteinsporen tiefer geologischer Schichten. Im Gegensatz zu konventionellen Gasvorräten kann Schiefergas nicht einfach angebohrt und gefördert werden. Stattdessen müssen die Gesteinsformationen durch sogenanntes --> "Fracking" zerstört werden, um zu erreichen, dass das Gas herausströmt.

Wikipedia: Schiefergas

Schwefeldioxid (SO2)

Kohle und Erdöl enthalten Schwefel. Der Dieseltreibstoff des Straßenverkehrs wird in den Raffinerien entschwefelt, aber nicht unbedingt Treibstoff für Schiffsdiesel, der eher als eine Art Sondermüll anzusehen ist. Auch die Abgase von Kohlekraftwerken lassen sich nachträglich entschwefeln, was aber bisher bei weitem nicht in allen Ländern üblich ist. Die Folgen sind saurer Regen und ein Abkühlungseffekt, der dem Treibhaus entgegenwirkt. Siehe auch --> Aerosole

Senke

Eine Senke ist in Bezug auf Treibhausgase das Gegenteil von einer Quelle. In der Diskussion über den Klimawandel sind damit vor allem Wälder oder Baumplantagen gemeint, die während des Wachstums Kohlendioxd aufnehmen. 

Einige Staaten wollen deshalb, statt Emissionen zu senken, neue Wälder anlegen. Diese Politik ist äußerst umstritten, unter anderem, weil vollkommen unklar ist, welchen langfristigen Effekt neu angepflanzte Bäume auf die Kohlendioxid-Bilanz haben. Umweltschützer befürchten sogar, dass die Regeln einen Anreiz dafür bieten könnten, Urwälder abzuholzen und durch Eukalyptusplantagen zu ersetzen. 

Wikipedia: CO2-Senke

SIDS – Small Island Developing States

Die Gruppe der SIDS (Small Island Developing States, zu deutsch: "Kleine Inselentwicklungsländer") umfasst 52 Inselstaaten und Küstenanrainer in Afrika, der Karibik und Ozeanien. Die Gruppe eint vergleichbare sozio-ökonomische Bedingungen wie geringe Bevölkerung, Rohstoffmangel, abgelegene Lage, wirtschaftliche Abhängigkeit und ökologische Verwundbarkeit. Einige von ihnen gehören zu den --> LDCs, den ärmsten Ländern der Welt. Die Gruppe wurde auf dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro erstmalig im UN-Rahmen anerkannt und traf sich 1994 auf der globalen Konferenz zur Nachhaltigen Entwicklung der SIDS in Barbados. Bereits zuvor waren viele in der Alliance of Small Island States (AOSIS) organisiert.

Die Länder sind vom Klimawandel besonders betroffen, nicht nur durch steigende Meerespegel, sondern auch durch die prognostizierte Zunahme der Extremwetterlagen. Auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen setzten sich deshalb neben dem Gruppen-Wortführer Tuvalu mehr als einhundert weitere Länder für eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad ein – und damit für viel drastischere Einschnitte für die Industriestaaten.

Stickstoffdioxid

Stickstoffdioxid (NO2) – nicht zu verwechseln mit dem Treibhausgas Distickstoffoxid (N2O, --> Lachgas) – ist ein rotbraunes, giftiges, stechend chlorähnlich riechendes Gas, das als Spurengas in der Atmosphäre mit den höchsten Werten in Bodennähe vorkommt. Der Stoff reizt die Schleimhäute von Tier und Mensch, kann die Atemwege schädigen sowie Kopfschmerz und Schwindel auslösen. Zudem gibt es Anhaltspunkte für eine krebserregende Wirkung.

Auch für die Flora ist das Gas schädlich: Es trägt zum sauren Regen bei und behindert das Pflanzenwachstum. Zudem beschleunigt es die Verwitterung von Gebäudefassaden aus Naturstein.

Stickstoffdioxid als Anteil in der Luft entsteht hauptsächlich auf --> anthropogenem Weg. Es ist ein Produkt der Verbrennung fossiler Energieträger wie Gas, Kohle und Öl und ist unter anderem Bestandteil des Abgases von Kraftfahrzeugen.

Aufgrund seiner schädlichen Wirkung auf Lebewesen und Umwelt gibt es politische Strategien zur Senkung des Anteils von Stickstoffdioxid in der Atemluft. In der Europäischen Union ist ein Schwellenwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft als Maximum festgelegt. Der Wert ist seit 2010 durch eine EU-Richtlinie rechtlich bindend, die nationale Umsetzung in den Mitgliedsstaaten muss bis 2015 abgeschlossen sein. Gerade in Städten und Ballungsräumen mit hohem Verkehrsaufkommen wird dazu politisch reguliert. Übliche Maßnahmen sind Geschwindigkeitsbegrenzungen im Straßenverkehr oder ein Verbot von Autos mit hohem Abgasausstoß in den betroffenen Bereichen.

Wikipedia: Stickstoffdioxid

Technologietransfer

Die --> Klimarahmenkonvention sieht vor, dass die Entwicklungsländer vom Norden mit "sauberer" Technologie versorgt werden sollen. Seit der ersten Vertragsstaatenkonferenz 1995 in Berlin geht der Streit um die Ausgestaltung dieser Vorschrift. Die Entwicklungsländer bemängeln regelmäßig, von den Industriestaaten nicht ernst genommen zu werden.

Teersande

Teersande gehören zur Gruppe des ---> "unkonventionellen Erdöls" – dessen Abbau mit höheren finanziellen, energetischen und ökologischen Kosten verbunden ist als die Förderung von konventionellem Rohöl. Der Kohlenwasserstoff-Anteil in den Sanden liegt zwischen einem und 18 Prozent. Deshalb sind im Schnitt ungefähr drei Tonnen dieser Sande notwendig, um ein ---> Barrel Erdöl herauszubekommen. Die Herstellung ist extrem energieintensiv, und weil die meisten Teersande im Tagebau abgebaut werden, ist sie auch extrem umweltschädlich.

Teersande mit einem Kohlenwasserstoffgehalt von unter sechs Prozent abzubauen gilt als unwirtschaftlich. Der weltweit größte Förderer von Teersanden ist Kanada.

Wikipedia: Teersand

Tipping point

Die englischen Begriffe tipping point oder tipping elements stehen in der Klimaforschung für --> Kipp-Elemente.

Treibhauseffekt

Wenn vom Treibhauseffekt die Rede ist, dann ist meist nur der zusätzliche, durch Entwaldung und industrielle Aktivitäten erzeugte gemeint. Es gibt jedoch auch einen natürlichen Treibhausgaseffekt, der dafür sorgt, dass die Erde nicht zum Eisklumpen wird, wie es bereits mindestens einmal in der Erdgeschichte geschehen ist. In der Erdatmosphäre sorgen verschiedene Spurengase dafür, dass die Wärmeabstrahlung des Erdbodens und der Meere nicht direkt in den Weltraum entweichen kann (siehe auch --> Wärmestrahlung). Sie wird zum Teil von diesen Gasen absorbiert, sodass sich insbesondere die unteren Luftschichten erwärmen. Gäbe es diesen physikalischen Effekt nicht, wäre es auf der Erde um durchschnittlich 33 Grad Celsius kälter. Das wichtigste natürliche Treibhausgas ist der Wasserdampf, eine geringere Rolle spielt das Kohlendioxid, dessen atmosphärische Konzentration vor Beginn der Industrialisierung 280 ppm (Teile pro Million) betrug.

Wikipedia: Treibhauseffekt

Treibhausgase, anthropogene

Das wichtigste anthropogene (durch menschliche Tätigkeit verursachte) Treibhausgas ist das --> Kohlendioxid (CO2), das bei der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas sowie bei Entwaldung (Abholzung) freigesetzt wird. Auf sein Konto geht etwas mehr als die Hälfte des vom Menschen verursachten zusätzlichen -->Treibhauseffekts

Weitere "Übeltäter" sind die --> FCKW (11 Prozent), die kaum noch hergestellt werden, aber sehr langlebig sind, das --> Methan (CH4, 16 Prozent), das bodennahe Ozon (O3, 12 Prozent), das zumeist im Zusammenhang mit Sonnenlicht aus Stickoxiden entsteht, die wiederum vor allem aus Automotoren stammen, und Distickstoffoxid oder
--> Lachgas (N2O, 5 Prozent), das in der industriellen Landwirtschaft zum Beispiel aus chemischen Düngemitteln freigesetzt wird sowie in einigen Prozessen der chemischen Industrie.

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Anteile der verschiedenen Treibhausgase. 
Von unten nach oben: 
rot: zehn verschiedene Gase in "Nebenrollen" 
blau und gelb: die wichtigsten FCKW 
lila: Distickstoffoxid (Lachgas) 
grün: Methan 
hellblau: Kohlendioxid

Unten sind die Jahre von 1979 bis 2007 aufgetragen, links das sogenannte radiative forcing in Watt pro Quadratmeter. Die Wissenschaftler rechnen dabei die Wirkung der Gase in eine zusätzliche Wärmequelle um. 2007 kamen sie zusammen auf eine Heizkraft von 2,7 Watt pro Quadratmeter.

An der Grafik ist zweierlei abzulesen: Zum einen nimmt die aufheizende Wirkung der Treibhausgase beständig zu. Zum anderen geht der überwiegende Teil des Anstiegs auf das Konto des Kohlendioxids.

Quelle: CO2-Bulletin der Welt-Meteorologie-Organisation WMO von 2008

Wikipedia: Treibhausgas

Tropischer Wirbelsturm

Taifune, Hurrikane, Zyklone – im Prinzip sind alle drei Wetterphänomene ein und dasselbe: tropische Wirbelstürme. Unterschiedlich ist ihr regional spezifisches Zustandekommen: Taifune entstehen hauptsächlich westlich der Datumsgrenze im Pazifik, Hurrikane im mittelamerikanischen Teil des Atlantiks. Und die
--> Zyklone formieren sich hauptsächlich über dem Indischen Ozean.

Während sich das Zentrum des Sturmsystems nur mit maximal 30 Stundenkilometern bewegt, erreichen die Windgeschwindigkeit im rotierenden Kegel um dieses Zentrum teilweise über 300 Stundenkilometer – und entwickeln so eine enorme Zerstörungskraft.

Durch die Erderwärmung werden diese Wetterphänomene an Intensität zunehmen: Wasser ist ein fantastischer Energiespeicher – und mit zunehmendem Temperaturanstieg kommt immer mehr Wasser ins Spiel. Je wärmer die Temperatur des Ozeans ist, desto mehr Wasser kann verdunsten. Andererseits steigt in der Luft mit zunehmender Temperatur physikalisch die Kapazität, Wasser aufzunehmen. Ergebnis: Je wärmer die Luft wird, desto mehr Energie in Form von Wasser speichert sie – die Wirbelstürme werden heftiger. Und je wärmer Ozeane werden, desto häufiger kann es zu Wirbelstürmen kommen.

"Diese Zusammenhänge sind sehr wahrscheinlich, auch wenn Sie wissenschaftlich noch nicht ganz gesichert sind", erklärt Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), einer der renommiertesten Experten für die Physik der Ozeane. Immerhin halte sie der --> Weltklimarat IPCC genauso für belegt wie der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU), der die Bundesregierung berät.

Kerry Emanuel vom Massachusetts Institute of Technology hat 4.800 Wirbelstürme untersucht, die in den letzten 30 Jahren über verschiedenen Weltregionen wüteten. Sein Befund: Innerhalb dieser Zeit haben sie um mehr als das Doppelte an Wucht gewonnen. Verantwortlich seien die steigenden Temperaturen an der Wasseroberfläche tropischer Ozeane.

Die US-Wetterbehörde NOAA hat per Computer simuliert, welche Richtung die Entwicklung nimmt: Steigen die Kohlendioxidmengen in der Atmosphäre weiter so an, werden die Wirbelstürme 2080 eine halbe Stufe stärker auf der Hurrikan-Skala einzuordnen sein. Fünf Stufen existieren. Gemessen werden diese auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala, die Anfang der 1970er Jahre entwickelt wurde.

Bisherige Beiträge zu tropischen Wirbelstürmen siehe unten

Wikipedia: Tropischer Wirbelsturm

Tsunami

Tsunami sind große Flutwellen, die meist durch ---> Erdbeben unter dem Meeresgrund ausgelöst werden. Sie können Geschwindigkeiten von über 800 Kilometer in der Stunde erreichen und türmen sich an den Küsten zu Wasserfronten auf, die die Zerstörungskraft normaler Orkanwellen um das 8000fache übersteigen können. Auslöser können auch schwere Ausbrüche von Inselvulkanen und Lawinen an den Kontinentalhängen sein. Der Begriff stammt aus dem japanischen und bedeutet "Hafenwelle".

Umbrella Group

Umbrella Group ist das englische Wort für Dachverband. So nennt sich bei den Klimaverhandlungen des -->UNFCCC ein informelles Staatenbündnis, das eine Reihe von Nicht-EU-Industriestaaten umfasst: die USA, Kanada, Japan, Norwegen, Russland, die Ukraine, Neuseeland, Island und Australien.

In den 1990ern und den frühen 2000ern agierte die Gruppe in anderer Konstellation unter der Abkürzung --> JUSSCANNZ (Japan, USA, Schweiz, Kanada, Australien, Norwegen, Neuseeland). Die Schweiz handelt bei den internationalen Klimaverhandlungen inzwischen im Rahmen der
--> Environmental Integrity Group.

Grund für den Zusammenschluss der Länder sind die häufig ähnlich gelagerten Interessen als westliche Industriestaaten, die nicht zur EU gehören. Bei Klimaverhandlungen treten die Angehörigen der Umbrella Group häufig als Bremser auf.

Der "Fossil of the Day"-Preis des NGO-Netzwerks CAN, der Negativleistungen beim Klimaschutz prämiert, ging bei den UN-Klimaverhandlungen in Kopenhagen 2009 fast ausnahmslos an Mitglieder der Umbrella Group, auch einmal an die Gruppe als Ganzes. Vorgeworfen wurde der Gruppe vor allem fehlende Bereitschaft zur Finanzierung von Klimaschutz und Klimaanpassung in den armen Ländern. Beim --> Emissionshandel seien die Umbrella-Group-Länder dafür umso aktiver gewesen.

Besonders negativ fiel in Kopenhagen das Gruppenmitglied Kanada auf: Für konstant niedrige Emissionsziele und schwache Impulse auf den Verhandlungen erhielt das Land sogar den "Fossil of the Year Award".

Wikipedia: Umbrella Group

Unkonventionelles Erdöl

Als "konventionelles Erdöl" wird solches bezeichnet, dass tatsächlich flüssig in der Erde lagert und dort auch leicht zu fördern ist.

Im Gegensatz dazu steht das "unkonventionelle Erdöl": Teersande, Ölschiefer, Schweröl, Tiefseeöl, Polar-Öl oder Flüssiggas. Der Abbau des "unventionellen Erdöl" ist mit höheren finanziellen, energetischen und ökologischen Kosten verbundene als die Förderung von konventionellem Rohöl.

2007 wurden täglich 85,5 Millionen Barrel gefördert, ein Barrel entspricht einem Fass mit einem Fassungsvermögen von 159 Litern. Größte Fördernationen waren Russland mit knapp 10 Millionen Fass, gefolgt von Saudi-Arabien (9,2 Millionen), den USA (8,5 Millionen), Iran (4,7 Millionen) und China (3,7 Millionen).

Unkonventionelles Gas

Als unkonventionelles Gas werden eine Reihe von besonderen Gasvorkommen bezeichnet. Darunter fällt Schiefergas (engl. shale gas), Kohleflözgas (coal-bed methane), Tight Gas und Methanhydrat (methane calthrate).

--> Schiefergas befindet sich in tiefen geologischen Schichten in Gesteinsporen. Im Gegensatz zu konventionellen Gasvorräten können diese nicht einfach angebohrt und gefördert werden. Stattdessen müssen die Gesteinsformationen durch --> Fracking zerstört werden, um zu erreichen, dass das Gas herausströmt. Dabei werden Chemikalien in den Boden gepumpt und anschließend Sprengungen durchgeführt. Auch für die Förderung von Kohleflözgas und Tight Gas wird auf Fracking gesetzt.

Methanhydrat bezeichnet Gasvorräte, die sich aufgrund des hohen Drucks in flüssiger Form an Meeresgrund befinden. Methanhydrat wird bislang nicht kommerziell gefördert.

Die Förderung dieser unkonventionellen Gasquellen ruft immer mehr Proteste hervor, weil Gesundheits- und Umweltschäden befürchtet werden. Der Dokumentarfilm Gasland zeigt beispielsweise Familien, die in der Nähe von Förderstätten für Schiefergas wohnen und das Wasser aus ihren Leitungen anzünden können.

Wikipedia: Unkonventionelles Erdgas

Versauerung

Etwas weniger als ein Drittel des vom Menschen verursachten Kohlendioxids – circa 30 Prozent – wird vom Wasser der Weltmeere aufgenommen und gespeichert. Diesen Prozess nennt man Versauerung: Das Kohlendioxid senkt den pH-Wert des Wassers, also jenes Maß, dass die säuernde beziehungsweise basische Wirkung einer wässrigen Lösung anzeigt. 

Eine von der britischen Royal Society veröffentlichte Studie beziffert den vorindustriellen pH-Wert des oberflächennahen Meerwassers mit durchschnittlich 8,25. Durch die Versauerung hat sich der pH-Wert auf heute durchschnittlich 8,14 verringert, also um 0,11 Einheiten. 

Die Folgen dieser Versauerung betreffen zunächst Kalkschalen bildende Lebewesen, deren Fähigkeit sich Schutzhüllen zu bauen bei sinkendem pH-Wert immer weiter nachlässt. Weil diese Arten oft die Basis der Nahrungskette in den Ozeanen bilden, können sich daraus weitere schwerwiegende Konsequenzen für die zahlreichen von ihnen abhängigen Meeresbewohner ergeben.

Was allerdings noch nicht die schlimmste Folge der globalen Kohlendioxid-Krise sein dürfte: Die Folgen der Versauerung der Weltmeere gehören zu den am wenigsten erforschten Klimaproblemen.

Wikipedia: Versauerung der Meere

Wärmestrahlung

Jeder Körper, jedes Gas und jede Flüssigkeit strahlt (wenn sie sich nicht gerade am absoluten Nullpunkt der Temperatur (etwa -272 Grad Celsius) befinden) Energie in Form von elektromagnetischen Wellen ab. 

Die Zusammensetzung des abgestrahlten Wellenlängenspektrums und Energiedichte der Strahlung hängen von der Temperatur des Körpers und dessen chemischer Zusammensetzung ab.

Berechnet wird dies durch die sogenannte Stefan-Boltzmann-Gleichung, die die thermisch abgestrahlte Leistung im Verhältnis zur Temperatur eines Körpers beschreibt.

Wärmestrahlung ist nicht an Materie gebunden (die Sonne schickt ihre Energie via Wärmestrahlung über viele Millionen Kilometer zur Erde) im Gegensatz zu Wärmeleitung,  - fachdeutsch Konduktion -  die atomare Gitterstrukturen gebunden ist und im Gegensatz zur Konvektion, der Wärmestrümung, die flüssige oder gasförmige Materie notwenidgerweise nutzt.

Yasuní-ITT-Initiative

Mit der Yasuní-ITT-Initiative hat Ecuador 2007 ein weltweit einmaliges Tauschgeschäft vorgeschlagen: Das südamerikanische Land verpflichtet sich, auf die Förderung von Erdöl im Yasuní-Nationalpark zugunsten der Natur, des Klimas und der dort lebenden indigenen Bevölkerung zu verzichten. Im Gegenzug zahlt die internationale Gemeinschaft als Ausdruck ihrer "Mitverantwortung" 20 Jahre lang die Hälfte der erwarteten Deviseneinkünfte in einen Kompensationsfonds ein – insgesamt rund 3,6 Milliarden US-Dollar. Damit soll dem von Erdölexporten abhängigen Land eine alternative Entwicklung ermöglicht werden.

Das freiwillig eingezahlte Geld wird beim UN-Entwicklungsprogramm UNDP hinterlegt. Dort kann man auch den aktuellen Stand einsehen.

Allerdings hat Ecuador bisher nur einen geringen Teil der veranschlagten 100 Millionen Dollar erhalten. Auch Deutschland ist – anders als einmal beschlossen – Zahlungsverweigerer. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) begründete die Absage damit, dass die Yasuní-Initiative ein Vorbild für andere Staaten mit ähnlichen Ambitionen sein könnte. Wenn ein solcher Fonds erst einmal eingerichtet sei, könne man gleichartigen Projekten die Unterstützung nicht mehr verweigern.

Angesichts solcher Hinhaltetaktik drängt Ecuadors Präsident Rafael Correa immer stärker auf eine Lösung: Wenn nicht genügend Geld für die Yasuní-Initiative zur Verfügung steht, will die Regierung das Gebiet Ishpingo-Tambococha-Tiputini (ITT) zum Bohren nach Öl freigeben.

 
Bisherige Beiträge zur Yasuní-ITT-Initiative siehe unten

Wikipedia: Yasuní-ITT-Initiative

Zwei-Grad-Ziel

Das Zwei-Grad-Ziel ist eine politische Festsetzung nach wissenschaftlichem Sachstand des --> Weltklimarates über die wahrscheinlichen Folgen des Klimawandels. Das Zwei-Grad-Ziel beschreibt den Vorsatz, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Jenseits dessen drohen nach den Erkenntnissen der Klimaforschung sogenannte --> Kipp-Elemente. Nach deren Eintreten wären die Folgen des Klimawandels unabsehbar und teilweise unumkehrbar.

Erstmals in einen politischen Prozess eingeflossen ist das Zwei-Grad-Ziel durch den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WGBU). Der WBGU befürwortete die Zwei-Grad-Grenze 1995 in einem Gutachten, woraufhin sie dann von der Politik übernommen und zum Ziel der europäischen Klimaschutzpolitik gemacht wurde.

2009 einigten sich auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen die Delegierten auf den --> Copenhagen Accord. Dieser war jedoch kein völkerrechtlich bindender Beschluss, sondern wurde erst ein Jahr später auf der UN-Klimakonferenz 2010 in Cancún anerkannt und verabschiedet. Kritisiert wurde dieser Beschluss von Bolivien als Vertreter der Alba-Länder sowie von der Alliance of Small Island States (AOSIS). Diese Länder fordern aus unterschiedlichen Gründen eine Grenze von 1,5 Grad. Heute gibt es in der wissenschaftlichen Debatte Zweifel, ob selbst das Zwei-Grad-Ziel noch einzuhalten sei.

Um das Zwei-Grad-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent zu erreichen, dürfte die Treibhausgas-Konzentration in der Athmosphäre 450 parts per million (ppm) nicht überschreiten. Die momentane Entwicklung ist jedoch gegenläufig.

Bildungsserver: 2-Grad-Ziel
Wikipedia: Zwei-Grad-Ziel

Zyklon

Ein Zyklon ist ein --> tropischer Wirbelsturm, der im Indischen Ozean anzutreffen ist. 

Für Laien unterscheidet sich ein Zyklon nicht wesentlich von einem Taifun oder einem Hurrikan, die im Pazifik beziehungsweise im Atlantik enstehen. Zyklon leitet sich vom griechischen kyklōn ab: "rotierend".  Zyklone entstehen von Mai bis November im Golf von Bengalen und im Arabischen Meer, zwischen November und April auch in der Arafurasee nördlich von Australien. Der Zyklon "Nargis" tötete im Jahr 2008 an den Küsten von Myanmar (Burma) mindestens 138.000 Menschen, 1991 kostete ein namenloser Zyklon in Bangladesch mindestens 140.000 Menschenleben.

Wikipedia: Zyklon