R, 10. September 2014

REDD

REDD ist die Abkürzung für Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung. Jährlich werden weltweit 13 Millionen Hektar Wald abgebrannt oder gerodet, das ist viermal die Fläche von Belgien. Die daraus resultierenden Emissionen sind nach dem Energiesektor die zweitgrößte anthropogene Quelle von Kohlendioxid-Emissionen.

Auf der Klimakonferenz auf Bali wurde deshalb 2006 der sogenannte REDD-Prozess gestartet: Über ihn soll ein Mechanismus gefunden werden, der diese Entwicklung stoppt. Die Idee war, dem im Holz gespeicherten Kohlenstoff einen ökonomischen Wert zuzuweisen. Roden würde dann in etwa dasselbe sein wie Geldscheine verbrennen, hoffte man. Der Plan schien auch ökonomisch Sinn zu haben: Der Stern-Report von 2006 legt dar, dass die Drosselung der weltweiten Entwaldung der kostengünstigste Weg ist, die Kohlendioxid-Emissionen zu senken.

Wie immer liegt der Teufel allerdings im Detail: Weil sich die von den Europäern dominierte Klima-Debatte immer nur um den --> Kyoto-Prozess und sein Nachfolgeregime dreht, kommt REDD nicht vom Fleck. Zwar haben Urwaldländer wie Costa Rica, Indonesien, Papua Neu-Guinea oder Brasilien in den vergangenen Jahren etliche Vorschläge bei der --> Klimarahmenkonvention UNFCCC für die mögliche Ausgestaltung eines REDD-Systems eingereicht. Aber auch sie sind sich nicht einig.

Prinzipiell werden zwei Wege debattiert:

Die Zertifikate-Lösung: Wälder werden in den --> Emissionshandel, also den Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten, einbezogen. Ein intakter Hektar Wald bekäme auf diese Weise ein Zertifikat, dass an den Weltbörsen gehandelt werden könnte. Das klingt gut und erscheint praktikabel, ist aber höchst umstritten: Was ist zum Beispiel "intakter Wald"? In Australien etwa versteht man unter "Wald" 35 Bäume pro Hektar. Und Teakholzproduzenten sind der Ansicht, dass ihre Plantage in Thailand ebenfalls "intakter Wald" ist. Vor allem aber befürchten die Europäer, dass "Wald-Zertifikate" den Markt überschwemmen und ihren schönen Plan vom "Wir geben Kohlendioxid einen Preis" zunichte machen könnten.

Die Fonds-Lösung: Die Erhaltung des Waldes wird über einen speziellen internationalen Fonds finanziert. Die Bäume könnten dann quasi aufgekauft werden und den Menschen vor Ort ein Auskommen zum Beispiel als Ranger geben. Eine gute Möglichkeit – wenn es eine Verbindlichkeit gäbe. Zum Beispiel einen Beschluss, pro bundesdeutschem Kopf 100 Euro jährlich einzuzahlen, was allein 800 Millionen Euro mobilisieren könnte. Bislang wird aber nur über "freiwillige Fonds" debattiert, und damit haben die Entwicklungsländer keine guten Erfahrungen gemacht: Mit großem Medienrummel übergab auf einer der vergangenen Klimakonferenzen die damalige Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul 40 Millionen Euro zum Waldschutz. Ein Almosen für die Entwicklungsländer: Allein die Berliner Stadtreinigung setzt jährlich das Zehnfache um. 

Als REDD+ wird ein überarbeitetes REDD-Modell bezeichnet, das neben den Waldschutzmaßnahmen auch die CO2-Speicherung über nachhaltigere Waldbewirtschaftungsformen sowie die Verbesserung der Wirtschaftslage der Menschen in den betroffenen Gebieten einbezieht. Außerdem sollen vor allem nicht geschützte Waldgebiete einbezogen werden, die in naher Zukunft von Raubbau betroffen sein könnten.

Bei Nichtregierungsorganisationen sind REDD und REDD+ umstritten. Einige wie der WWF fordern, REDD in das Kyoto-Protokoll aufzunehmen. BirdLife/NABU verlangt, für die Umsetzung von REDD 35 Milliarden US-Dollar bis 2020 zu investieren. Dagegen kritisiert der BUND, dass REDD die weltweite Entwaldung höchstens verlangsamen und den Emissionshandel zum Erliegen bringen wird. Auch das Indigenous Environmental Network, das über 100 indigenen Völker vertritt, lehnt REDD ab, weil die Regierungen der Waldstaaten dabei die Rechte und die enge Bindung der ursprünglichen Bevölkerung an die Wälder einschränken würden.

Wikipedia: REDD